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Herbststurm Gonzalo wütete in der Nacht zum Mittwoch in Oberbayern

Sturm, Donner, Schnee

Orkan "Gonzalo": Das ist die Sturm-Bilanz

München - Die Böen von Sturmtief "Gonzalo" richteten einen Millionenschaden in Bayern an. Bitter für Pendler: Kaum ist der Bahnstreik vorbei, blockierten Bäume die Bahnstrecken.

Umgestürzte Bäume, abgedeckte Hausdächer, Stromausfall und mehrere Verletzte – ein ausgewachsener Herbststurm hat in Bayern einen Millionenschaden angerichtet. Der Sturm war am Dienstag kurz nach 21 Uhr mit Donner und Blitz losgebrochen. Es begann heftig zu regnen und wurde binnen weniger Minuten gefühlte zehn Grad kälter.

Innerhalb kurzer Zeit verwandelten sich viele Straßen in gefährliche Rutschbahnen, weil der Wind die welken Blätter von den Ästen blies. Bayernweit gingen die Notrufe in die tausende. Allein zwischen 21 und 22 Uhr registrierte das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord 324 Anrufe. Die Integrierte Leitstelle in Erding wurde gleich 600 Mal angerufen.

Verletzte

Zum Glück gab es nur wenige Personen, die ins Krankenhaus mussten. Bei Percha/Starnberg fuhr eine Autofahrerin (21) gegen einen umgestürzten Baum – Splitter der Frontscheibe verletzten ihr Auge. Nach einer Behandlung in der Augenklinik konnte die Frau aber entlassen werden. In Pemmering (Kreis Erding) brach sich ein Feuerwehrmann bei Bergungsarbeiten ein Bein – er kam ins Klinikum. In Vogtareuth bei Rosenheim stürzten fünf Bäume auf das Auto eines älteren Ehepaares. Der 75-Jährige und seine Frau kamen mit dem Schrecken davon.

Großalarm gab es bei Petersberg/Dachau: Dort stand ein Auto eingekeilt von Bäumen auf der Staatsstraße. Von den Insassen fehlte jede Spur. Die Polizei befürchtete das Schlimmste – kurz darauf fand sie jedoch eine 51-Jährige, die vor dem Sturm in den Wald geflüchtet war. „Das war sehr gefährlich“, warnte Kreisbrandinspektor Paul Steier.

Bahn

An 14 Stellen war der Bahnverkehr in Bayern unterbrochen. Gleich fünf Mal erwischte es die Münchner S-Bahn. Die Strecke Starnberg/Gauting war bis 9 Uhr beeinträchtigt, eine S6 blieb stecken. Feuerwehrleute befreiten die Fahrgäste nach stundenlangem Warten. Die Linie der S7 war sogar den ganzen Tag gesperrt.

Die Bahnlinie Tutzing-Seeshaupt sollte erst am Mittwoch gegen 18 Uhr freigegeben werden, ebenso der Abschnitt Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald. Zwischen Murnau und Oberammergau wird die Bahn erst am Donnerstag wieder fahren. Die Bayerische Oberlandbahn kämpfte sich ebenfalls durch den Sturm. Ein auf die Gleise gewehtes Trampolin blockierte die Strecke bei Fischhausen-Neuhaus. Ein Ast beschädigte bei Obergries einen Zug. Außerdem fuhren die Züge langsamer, weil bei Sturm teilweise nur 80 km/h gefahren werden darf.

Flüchtlings-Unterkünfte

Die provisorische Unterbringung der Asylbewerber in Zelten erwies sich bei dem Sturm als Problem. In Nürnberg wurden mehrere hundert Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht, nachdem der Sturm Bodenhaken gelockert und eine Plane weggerissen hatte. Die Nürnberger Zeltunterkunft ist Ausweichquartier für die Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf, die überlastet ist.

„Jetzt reicht’s“, schimpfte Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat. In der Tat entschied die Regierung von Mittelfranken am Mittwochabend, dass alle Zelte in den kommenden Tagen geräumt werden müssen. Als Ersatzunterkunft ist ein ehemaliges Möbellager im Gespräch.

Im übrigen Bayern

In Dingolfing wurden die Zelte des Kirchweihfestes vorsorglich geräumt. In Augsburg wurde ein 15 Meter langer Baum entwurzelt. Er kippte in die Oberleitung einer Straßenbahn. Auch wurden durch die Wucht des Aufpralls Teile eines Dachstuhls, an dem die Abspannung der Oberleitung befestigt war, herausgerissen. In Erlangen flogen Teile eines 500 Quadratmeter großen Daches auf einen Parkplatz und beschädigten 16 Autos. Bemerkenswert auch: Durch eine entwurzelte Eiche wurden in Regensburg sieben Autos beschädigt.

Die Aussichten

Erst Schnee, dann Sonne. Auf der Zugspitze fielen bis Mittwochfrüh 15 Zentimeter Schnee. Auch in Oberstdorf und Mittenwald schneite es. Oberhalb 1000 Meter können bis Freitag an die 80 Zentimeter Schnee fallen. Dann wird es wärmer – bis zu 14 Grad.

mm/ ham/ lby

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