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Zugegeben, dieser prachtvolle Osterbrunnen findet sich in Schechingen in Baden-Württemberg, aber auch in Bayern gibt es diese Tradition.  

In Bayern

Oarscheim und Karfreitagsratschen: Kennen Sie diese Osterbräuche?

München - Es gibt sie noch, die teils Jahrhunderte alten Osterbräuche. Bestimmte Gerichte, bemalte und verzierte Eier in allen Variationen und religiöse Feiern gehören dazu. kennen Sie alle? Hier gibt es  den Überblick.

Update vom 8. April 2017: Ist Gründonnerstag 2017 ein gesetzlicher Feiertag? Und welche Bedeutung hat der kirchliche Feiertag, der auf das letzte Abendmahl zurückgeht? Wir haben die wichtigsten Informationen zu Gründonnerstag zusammengefasst.

Kräutelsuppe, Karfreitagsratschen, Osterbrunnen - das Brauchtum rund um Ostern ist vielfältig. Gepflegt wird es in Bayern vor allem auf dem Land. Dort kommt am ehesten am Gründonnerstag eine würzige Suppe auf den Tisch, ersetzen Ratschen die Kirchenglocken und werden Speisen zur Weihe in die Kirche gebracht. Einige Osterbräuche - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - im Überblick:

KRÄUTELSUPPE: In vielen Haushalten wird am Gründonnerstag eine kräftige Kräutersuppe aufgetischt, oft Kräutlsuppe genannt. In eine Brühe, die etwa mit Kartoffeln oder anderem Gemüse verfeinert wird, kommen frische Kräuter wie Kerbel, Brunnenkresse, Bärlauch, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn Sauerampfer und Schnittlauch. Das Rezept dafür wird oft seit Generationen weitergereicht.

KARFREITAGSRATSCHEN: Wenn nach dem Gloria bei der Gründonnerstagsmesse die Glocken schweigen und erst in der Osternacht wieder das erste Mal läuten, schlägt die Stunde der Karfreitagsratschen. Ministrantinnen und Ministranten erzeugen mit den hölzernen Klappern auf der Straße einen eigenartigen Lärm. Auch in der Kirche ersetzen die Ratschen das Glockenläuten etwa bei der Wandlung. Es gibt auch fahrbare Ratschen auf Schubkarren und Kastenratschen, die mit einer Kurbel betrieben werden.

SPEISENWEIHE: Endlich ist die Fastenzeit vorbei, es darf wieder alles gegessen werden. Entsprechend üppig sind die Körbe mit Speisen gefüllt, die an Ostern mit in den Gottesdienst genommen und am Altar geweiht werden. Auf alle Fälle gehören bunte Ostereier hinein, auch Salz, fast immer liegt ein geräucherter Schinken dabei, Brot oder ein aus Hefeteig gebackenes Osterlamm. Das Ei symbolisiert neues Leben, Salz die Auferstehung. So mancher ältere Gläubige legt das hartgekochte Ei angeschlagen ins Körbchen, „damit die Weihe auch eindringen kann“, wie er seinen Enkelkindern weismachen will.

OARSCHEIM: Beim Oarscheim - auf Hochdeutsch: Eierschieben - müssen Ostereier über eine schräge Bahn kullern. Es gibt verschiedene Spielarten. Die einen lassen die Eier über die Stiele von zwei parallel verlaufenden Rechen kullern, andere verlegen das Spiel an eine abschüssige Wiese. Um die Punkte zu zählen, wird auf jedes Ei, das in der Wiese liegt, ein Geldstück gelegt. Wessen Ei die Münze von einem anderen Ei schubst, der darf das Geld behalten. Gewonnen hat, wer die meisten Münzen hat.

Angehörige verschiedener Handwerkszünfte ziehen bei der Karfreitagsprozession in Lohr am Main durch die Innenstadt.

KARFREITAGSPROZESSIONEN: Still ist es, wenn am Karfreitag in Lohr am Main die Prozession durch den Ort zieht. Nur die Blaskapelle und Paukenschläge durchbrechen das Schweigen. Dunkel gekleidete Handwerker tragen 13 lebensgroße Figuren auf Holzpodesten durch den unterfränkischen Ort. Sie zeigen den Leidensweg Jesu vom Abendmahl bis zur Kreuzigung. Der 1658 erstmals urkundlich erwähnte Umzug gilt als der älteste im deutschsprachigen Raum. Tausende Zuschauer säumen die Straßen. Auch anderswo gibt es Karfreitagsprozessionen, etwa im oberfränkischen Neunkirchen am Brand oder in Bamberg.

OSTERBRUNNEN: Busweise fahren Ausflügler in der Osterzeit durch die Fränkische Schweiz und bestaunen Brunnen, die mit Girlanden aus Tannenzweigen und bunt bemalten Eiern geschmückt sind. Der Brauch ist mehr als 100 Jahre alt. Die Menschen wollten damit zum Ausdruck bringen, wie lebensnotwendig das Wasser ist. Auf den Hochebenen der Fränkischen Schweiz war das Wasser knapp, als es noch keine Leitungen gab. Die Menschen mussten es aus dem Tal mühsam auf den Berg transportieren. Am berühmtesten ist der mit mehr als 10 000 Eiern verzierte Osterbrunnen in Bieberbach (Landkreis Forchheim).

Rund um Ostern gibt es in Bayern die so genannten stillen Tage: Diese Tanzverbot-Regelungen gelten für Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag.

dpa

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