Drei riesige Ostereier sind mit Motiven der „Häschenschule“ bemalt.
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Das Kinderbuch „Die Häschenschule“ erschien im Jahr 1924.

Profane Konkurrenz für Ei und Lamm

Wie der Osterhase Karriere machte

  • VonCornelia Schramm
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An Ostern versteckt der Osterhase bunte Eier, das weiß jedes Kind. Im Gegensatz zu Ei und Lamm entstammt der Hase aber nicht dem christlichen Glauben. Wie der Weihnachtsmann hat er die letzten 200 Jahre aber trotzdem eine beachtliche Karriere hingelegt – eine Spurensuche.

München – Wer kennt ihn nicht, den strengen Lehrer aus der Häschenschule? Im Gehrock, mit Taschenuhr und Brille steht er da. Die kleinen Hasen tragen Fliege und Latzhose oder Rüschenkleidchen und Hut. Albert Sixtus Bilderbuch aus dem Jahr 1924 zeigte Hasen erstmals bekleidet und in aufrechtem Gang – wie Menschen eben. Und noch heute erinnert im Supermarkt so mancher Schoko-Hase in Retro-Optik an sie. Aber seit wann gehört der Osterhase überhaupt zum Osterfest?

Ostern ist der höchste Feiertag der Christen. Für sie steht das Ei für die Auferstehung Jesu. Außen kalt und tot, wächst in seinem Inneren neues Leben. Auch das Osterlamm steht für die Überwindung des Todes. Ein Hase kommt in der Bibel aber bekanntlich nicht vor.

„Die Bedeutung, die der Osterhase heute hat, ist bemerkenswert. Eben weil es keinen christlichen Hintergrund gibt“, erklärt Daniela Sandner vom Landesverein für Heimatpflege. Den Mythos, der Hase stehe wegen seiner Paarungswilligkeit für Fruchtbarkeit, hält sie als alleinige Erklärung aber für zu banal. Dass Hasen im Frühling gerade auf dem Land schon immer zahlreich gesichtet wurden, könnte hingegen einer der Gründe sein, dass sie in einigen Regionen zu Ostern schnell als Eierboten gedeutet wurden. Entscheidend ist für Sander vor allem, dass sich nach und nach eine Erzählkultur um das kirchliche Fest und den Hasen gebildet hat – nur so konnte er auch überregional zum „Ostertier“ werden.

Der Hase auf dem Siegeszug zum „Ostertier“ und Eierboten

„Bis Ende des 17. Jahrhunderts kommt dem Hasen als Osterfigur literarisch kaum Bedeutung zu“, erklärt sie. 1682 tauchte er erstmals im Aufsatz des Heidelberger Medizinprofessors Georg Franck von Franckenau auf: „In Südwestdeutschland, in der Pfalz, im Elsass wie in Westfalen heißen Ostereier Haseneier. Man macht Kindern weis, der Osterhase brüte sie.“ Dem einfachen Volk waren solche Schriften zu jener Zeit kaum zugänglich. Erst als sie in Massen gedruckt wurden, waren sie verfügbarer. Umso besser konnte der gemeine Bürger bald lesen und schreiben. Beliebt waren Christoph von Schmids Erzählungen für Kinder. 1815 schrieb er auch über den Osterhasen.

Seit 1926 hat Milka saisonale Produkte: Neben dem Osterhasen gibt es seitdem auch den Weihnachtsmann aus Schokolade.

Entscheidend für seinen Siegeszug waren auch Illustrationen. Franz Graf Pocci fertigte 1850 mit dem „Osterhas“ eine Lithographie für Georg Scherers Reime. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Bilder und Motive ohnehin immer wichtiger: „Um 1900 waren Postkarten quasi wie SMS. Teils verschickte man sie mehrfach am Tag“, sagt Sandner. Der Hase wurde so zum beliebten Ostermotiv: „Als Ostertier hat er sich aber erst in den 1920er-Jahren etabliert.“

Osterhase legt steile Karriere hin: Goldene Zwanziger treiben Kommerzialisierung voran

„Kakao und Zucker sind nach dem Ersten Weltkrieg wieder verfügbar – die Nachfrage ist groß und das Geld ist da“, sagt Sandner. So wirbt auch das Kaufhaus Oberpollinger 1921 in der „Münchener Zeitung“ für „Ostergeschenke, Eier, Hasen und Nester – gefüllt und ungefüllt in großer Auswahl“. Erstmals sind Eier und Hasen aus Schokolade kein Luxus mehr und erschwinglich. Zuvor stellte die Unterschicht sie nur aus Hefe- oder Waffelteig her.

„Gebildbrote“ wie dieser Eierhase oder auch das gebackene Osterlamm mit der Siegesfahne sind für das kirchliche Osterfest bis heute nicht unüblich.

Diese „Gebildbrote“ oder auch das gebackene Osterlamm mit der Siegesfahne sind für das Kirchenfest bis heute nicht unüblich. Kommerziell legte der Osterhase aber spätestens ab diesem Zeitpunkt eine steile Karriere hin: Seit 1926 fertigt Milka nebst Weihnachtsmännern auch Osterhasen aus Schokolade. Lindt zog 1952 nach – wegzudenken ist der Schoko-Hase aus den Osternestern heute längst nicht mehr.

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