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Aktuelles Sorgenkind: die BOB.

Stundenlange Verspätungen

Pannenserie bei der BOB am Wochenende

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München – Die Bayerische Oberlandbahn (BOB) macht Probleme. Gleich zwei gravierende Störfälle vom Wochenende haben die Aufsichtsbehörde alarmiert.

Ein unruhiges Wochenende für BOB-Chef Kai Müller-Eberstein: Am Samstagabend ist sein Unternehmen knapp an einem größeren Unglück vorbeigeschrammt. Im Bahnhof Bad Endorf fuhr gegen 23.50 Uhr ein Meridian-Zug los, obwohl noch Reisende ein- und ausstiegen. Zu dem Vorfall kam es, weil offenbar der Zugbegleiter den Zug zu früh als abfahrtbereit meldete. Ein gerade aussteigender Mann stürzte dabei auf eine Gruppe Jugendliche. Drei Personen wurden leicht verletzt, außerdem blieben einige Passagiere am Bahnsteig zurück. Die Bahnpolizei bestätigte gegenüber dem Online-Portal „Rosenheim24“ den Vorfall, zu dem es weitere Ermittlungen gibt. Die Fahrgäste mussten aber nicht in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Rosenheimer Meridian-Züge gehören zum Unternehmen der Bayerischen Oberlandbahn. Der Zug war von der Deutschen Bahn an Meridian ausgeliehen worden und mit DB-Personal besetzt – es war ausgerechnet die letzte Fahrt dieses Zuges im Auftrag von Meridian.

Auch ein Vorfall vom Sonntagabend sorgt für Ärger. Ein BOB-Zug des Typs Integral konnte zwischen Solln und Deisenhofen wegen eines Computerfehlers teilweise gar nicht, teilweise nur im Schritttempo fahren – es kam zu stundenlangen Verspätungen. „So eine Reise habe ich schon lange nicht mehr gemacht, das war unmöglich“, sagt Franz Xaver Sailer. Der 62-jährige Grünen-Kreisrat wollte am Sonntag nach einer Musical-Vorstellung zurück nach Bad Tölz und stieg um 20.05 Uhr am Hauptbahnhof in die BOB. „Und um 23.13 bin ich nach drei Stunden und acht Minuten angekommen.“ Der Zug blieb eine Viertelstunde an der Donnersbergerbrücke stehen, dann noch einmal 20 Minuten in Solln, dann auch mal wieder mitten auf der Strecke, berichtet Sailer. Erst gegen 21.30 Uhr trudelte der Zug in Deisenhofen ein – kurz zuvor hatte selbst ein BOB-Zug, der eine Stunde später am Münchner Hauptbahnhof losfuhr, den Zug überholt. Fahrgäste, die ins Oberland wollten, mussten also auf den übernächsten BOB-Zug warten. Auch die Umstände im Zug waren unangenehm, schildert Fahrgast Sailer. „Der Zugführer ist immer wieder aufgeregt durch die Bahn gelaufen. Weil unter der Strecke Fenster und Türen nicht geöffnet wurden, wurde es immer heißer. Außerdem sind immer wieder die Lichter ausgegangen.“ Der Kreisrat ärgert sich: Selbst ein Formular, mit dem man eine Fahrpreis-Rückerstattung beantragen kann, ließ sich nicht ausdrucken. „Die BOB legt einem nur Hindernisse in den Weg. Seit Herr Seeger nicht mehr da ist, ist es katastrophal.“ Mit Seeger ist der ehemalige Betriebsleiter und Geschäftsführer Heino Seeger gemeint, den die BOB vor eineinhalb Jahren feuerte. Viele glauben, dass seitdem die Probleme erst angefangen haben.

Zumindest häufen sie sich. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) hat die BOB erst vergangene Woche wegen andauernder Verspätungen scharf gerügt (wir berichteten). Und beim Meridian gab es unschöne Schlagzeilen wegen eines Lokführers, der Fahrgäste zum Anschieben animierte – der Mann wurde jetzt fristlos entlassen. Leicht entnervter Kommentar von BEG-Sprecher Wolfgang Oeser: „Ich hoffe, dass das alles mal ein Ende hat.“

Dirk Walter und Andreas Steppan

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