Im Kloster Beuerberg sollen 75 Flüchtlinge aufgenommen werden. Dazu hat das Erzbistum München und Freising das Kloster extra übernommen.

Flüchtlingsdrama

Papst-Aufruf: Die ersten Wohn-Angebote sind schon da

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München - Der Papst ruft Pfarreien auf, Flüchtlinge aufzunehmen. Kardinal Marx verstärkt den Appell. Wie reagieren die Pfarrgemeinden? Wir haben uns umgehört.

Wenn die katholischen Pfarrer aus dem Sommerurlaub nach Hause kommen, dann liegen gleich mehrere Appelle von Kirchenoberen auf ihrem Schreibtisch. Da ist ein Brief von Kardinal Reinhard Marx von Ende August, in dem er die Pfarreien zu weiterer Hilfe für Flüchtlinge aufruft. Dann der bemerkenswerte Aufruf von Papst Franziskus vom Sonntag, der in jeder Pfarrei eine Flüchtlingsfamilie beherbergt haben möchte. Und gestern hat der Kardinal diesen Wunsch noch verstärkt: Er möchte mehr Flüchtlinge in kirchlicher Obhut als es Pfarreien in Deutschland gibt. Und das sind fast 11 000.

„Auf jeden Fall wird der Appell des Papstes noch einmal einen neuen Schub geben“, ist sich Elke Hümmeler, Ordinariatsdirektorin und Leiterin des Referates „Caritas und Beratung“ im Erzbischöflichen Ordinariat München, sicher. Sie hat schon die ersten Rückmeldungen auf den Brief des Erzbischofs. Zehn bis 15 Immobilien wurden angeboten – von der 3-Zimmer-Wohnung bis zum Grundstück für Container. Und das in der Sommerpause. „Ich nehme mal an, dass jetzt noch mal was kommen wird.“ In der ersten Ordinariatskonferenz nach der Sommerpause wird sie die Suche nach Wohnraum auch wieder zum Thema machen. Man stelle permanent Überlegungen an, ob es Zwischennutzungen für Gebäude gebe – wie beim Johanneskolleg in München. Auch beim Freisinger Domberg sei das im Gespräch.

Doch nicht immer eignen sich kirchliche Gebäude für die Unterbringung von Asylbewerbern. Wenn etwa Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten werden, es keine ausreichenden sanitären Anlagen gibt – oder die Bürokratie viel Zeit fordert. Wie etwa beim Kloster Beuerberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), wo das Landratsamt noch grünes Licht geben muss. 75 Flüchtlinge sollen hier Aufnahme finden. „Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr mit Flüchtlingen reinkönnen. Das hängt davon ab, wie sich das Landratsamt zu Denkmalschutz und Brandschutz äußert. Da wir ja alle wollen, dass die Flüchtlinge gut und sicher untergebracht sind, kann ich nichts dagegen sagen“, sagt Hümmeler. Wenn in einem Haus aber vorher Studenten oder Ordensleute gewohnt haben, versteht sie lange Prüfzeiten manchmal nicht.

Ob sich Pfarrheime eignen, wird im Erzbistum diskutiert. Aber das soll freiwillig geschehen. „Wir wollen ja nicht Flüchtlinge in eine Situation schicken, die erzwungen wurde. Wenn eine Pfarrei sagt, sie stellt ihr Pfarrheim zur Verfügung, kann sie das machen. Aber als generelle Linie sehen wir das im Augenblick noch nicht“, so Hümmeler.

Der Münchner Pfarrer Rainer Schießler von St. Maximilian kann sein Pfarrheim nicht bereitstellen. Er streitet derzeit mit den Behörden um den Brandschutz, darf nicht einmal mehr den Keller für die Jugendarbeit nutzen, weil keine Fluchtwege da sind. „Ich denke eher an kirchliche Gebäude, die Platz haben: Sterbende Klöster zum Beispiel, wie Kloster Reutberg.“ Und bei Bildungshäusern solle man die Auslastung prüfen.

Walter Waldschütz, Leiter des Pfarrverbands Tegernsee-Egern-Kreuth, schreibt dem Appell des Papstes eine Signalwirkung zu. „In der Praxis wird sich das zwar nicht flächendeckend umsetzen lassen“, sagt der Dekan, „aber allein dadurch, dass wir alle genau hinschauen, werden sich viele Möglichkeiten ergeben.“ Dabei sei es irrelevant, ob Christen oder Moslems unterstützt werden. „Hier geht es um die Menschen. Die Religion ist Nebensache.“ Jedoch habe es nicht erst den päpstlichen Appell gebraucht, um tätig zu werden. „Die Pfarreien in Deutschland haben sich bereits früh eingebracht“, betont Waldschütz. So sei auch in seiner Pfarrei bereits vor Monaten eine Wohnung an Flüchtlinge vergeben worden.

„Ich denke, es gibt Platz in vielen Pfarrhäusern“, glaubt indes der Fürstenfeldbrucker Dekan Albert Bauernfeind. Nach seinem Urlaub will er mit dem ein oder anderen Pfarrer sprechen. In seinem Pfarrhaus sind derzeit zwei Syrer im Kirchenasyl. „Ich kann mir vorstellen, dass sie, wenn sie in Sicherheit sind, weiter dort wohnen können.“ Und auch der Kardinal solle mit gutem Beispiel vorangehen: „Nimmt er Flüchtlinge in seinem Palais auf“, fragt Bauernfeind. Hümmeler sieht hier keine Möglichkeit. Das Palais Holnstein sei kleiner als man denkt. Der Kardinal habe selber nur eine dreieinhalb-Zimmer-Wohnung. Die restlichen Räume sind Sekretariats-, Besprechungs- und Technikräume.

Es gibt aber durchaus mehr kirchliche Aufnahmestellen, als man denkt: Im Pfarrhof in Egenburg (Kreis Dachau) leben bereits seit Sommer 2014 zehn Asylbewerber. In Reichersbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) sind 13 Flüchtlinge in der ehemaligen Pfarrerswohnung. Auch Klöster haben längst Asylbewerber aufgenommen: In St. Ottilien leben 25 Asylbewerber, im Kloster Benediktbeuern 16 Flüchtlinge. Das Kloster St. Alban in Dießen nimmt Flüchtlingskinder auf, die das Jugendamt vermittelt. Kloster Andechs hat dem Landratsamt ein Motel kostenlos zur Unterbringung von Flüchtlingen bereitgestellt.

Claudia Möllers (mit imu/cla/ml/rd)

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