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Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes, Benedikt XVI., hat Papst Franziskus im August in Rom kennengelernt.

Papst-Bruder wird 90

Georg Ratzinger: Das hält er von Papst Franziskus

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München - Georg Ratzinger, Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI., wird 90 Jahre alt. Vatikan-Experte Michael Hesemann verrät, was Ratzinger von Papst Franziskus hält.

Im 2011 in Zusammenarbeit mit dem Vatikan-Experten und Historiker Michael Hesemann veröffentlichten Interview-Buch "Mein Bruder, der Papst" hat Georg Ratzinger (links) freimütig aus dem Privatleben Benedikts erzählt.

Im 2011 in Zusammenarbeit mit dem Vatikan-Experten und Historiker Michael Hesemann veröffentlichten Interview-Buch "Mein Bruder, der Papst" hat Georg Ratzinger freimütig aus dem Privatleben Benedikts erzählt. Bis heute wurde der Bestseller in 14 Sprachen übersetzt.

Seit dem spektakulären Rücktritt Benedikts von dem Georg Ratzinger laut Hesemannn bereits ein halbes Jahr im Vorfeld Bescheid wusste, ist es auch um den früheren Regensburger Domkapellmeister und Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen stiller geworden. In der ersten Januarwoche 2014 sorgte sich dessen Umfeld, als Georg Ratzinger während seines Weihnachtsbesuches bei Benedikt in die römische Gemelli-Klinik eingeliefert wurde.

Zum 90. Geburtstag von Georg Ratzinger sprachen wir mit Vatikan-Insider Hesemann über den Gesundheitszustand des älteren Ratzinger-Bruders, darüber, was er von Papst Franzikus hält, und wie er den Ruhestand mit seinem Bruder verbringt.

Georg Ratzinger war mit Papst Franziskus gleich auf einer Wellenlänge

Herr Hesemann, wie geht es Georg Ratzinger denn nach seinem Krankenhausaufenthalt?

Er hat sich zum Glück sehr schnell wieder erholt. Es war Gott sei Dank nur ein kleiner Schwächeanfall, wohl der Luft- und Klimaveränderung wie auch seinem niedrigen Blutdruck zu verdanken, der ihn wenige Tage nach seiner Ankunft in Rom überkam. Aber bei einem Neunzigjährigen geht man doch besser auf "Nummer Sicher" und behält ihn ein paar Tage unter ärztlicher Beobachtung.

Was hält Georg Ratzinger denn von Papst Franziskus, der vom Temperament ja ganz anders ist, als der stille Intellektuelle Benedikt?

Er hat ihn bei seinem Aufenthalt in Rom im letzten August das erste Mal getroffen und durfte ihn als einen sehr warmherzigen Menschen mit einem wunderbaren Sinn für Humor erleben, womit er ja gleich auf seiner "Wellenlänge" war. Papst Franziskus ist ja gelegentlich bei seinem Vorgänger zu Besuch, an diesem Tag kam er zum Mittagessen. Bei dieser Gelegenheit hat der neue Papst ihn überrascht. Franziskus erzählte, wie sehr er klassische Musik, vor allem Mozart und Wagner, lieben würde; seine Mutter hat ihn als Jungen immer in Buenos Aires mit in die Oper genommen. Kein Wunder also, dass er ihn sehr schätzt, wie ja auch das Verhältnis zwischen den beiden Päpsten gar nicht besser sein könnte.

Georg Ratzinger und Papst Franziskus verbindet die Liebe zur Musik

Da fragte Prälat Georg Ratzinger ihn, was denn dem bekannt Fußballbegeisterten Franziskus wichtiger wäre, Sport oder die Musik. "Musik", lautete seine unerwartete Antwort.

Papst Franziskus bei Benedikt XVI.: Bilder

Papst Franziskus bei Benedikt XVI.: Bilder

Verbringen die Ratzinger-Brüder nach dem Rücktritt mehr Zeit miteinander?

Auf jeden Fall. Natürlich besuchte Prälat Ratzinger seinen Bruder auch während des Pontifikats regelmäßig. Aber die Rombesuche sind doch jetzt länger und, vor allem, sehr viel intensiver geworden. Als Benedikt XVI. noch amtierender Papst war, feierte man zusammen die Frühmesse, las aus dem Brevier, frühstückte, traf sich vielleicht noch zum Mittagessen und verbrachte abends zwei Stunden miteinander. Jetzt sind die beiden Brüder praktisch den ganzen Tag zusammen. Der emeritierte Heilige Vater hat ihm sogar ein eigenes kleines Appartement im Kloster Mater Ecclesiae einrichten lassen, damit er in unmittelbarer Nähe wohnen kann.

Georg Ratzinger dank Rücktritt auch als Papstbruder im Ruhestand

Empfindet Prälat Ratzinger den Rücktritt seines Bruders auch persönlich als Erleichterung?

Das kann man wohl sagen. Er wußte ja aus eigener Erfahrung, wie sehr mit dem Alter die Kräfte schwinden und war deshalb schon zunehmend besorgt um seinen jüngeren Bruder, gerade als bei diesem die gesundheitlichen Probleme zunahmen. Er war ja auch bereits Monate zuvor in diese Entscheidung eingeweiht worden. Aber auch für ihn selbst ist es eine Entlastung. Und das ist auch gut so!

Er ist jetzt gewissermaßen auch als Papstbruder im Ruhestand; all jene, die ihn bislang kontaktierten, um aus dem einen oder anderen Grund den Heiligen Vater zu erreichen, bleiben jetzt weg. Was bleibt sind seine echten Freunde, die ihn um seiner Selbst willen schätzen.

Papst-Schwester schreibt an Papst-Bruder

Sie haben nach Georg Ratzinger für Ihr aktuelles Buch "Papst Franziskus: Das Vermächtnis Benedikts XVI. und die Zukunft der Kirche" auch dessen Schwester Elena Bergoglio interviewt. Sie soll Georg Ratzinger ja einen Brief von Papst-Schwester zu Papst Bruder geschrieben haben. Was stand denn da drin?

Als ich sie in Buenos Aires interviewte, frage ich sie, was Sie Georg Ratzinger sagen würde, wenn sie die Gelegenheit dazu hätte. Ihre Antwort: "Ich würde ihm zunächst einmal aus tiefstem Herzen für seinen Bruder danken.  Benedikt XVI. war ein großer, ein außergewöhnlicher Papst, auch wenn das viele Menschen nicht zu schätzen wussten. Er hatte es schwer als Nachfolger von Johannes Paul II., der mit seiner ganzen charismatischen Persönlichkeit die Herzen der Gläubigen gewann. Wir – ich will mich da gar nicht ausnehmen – waren unfair zu ihm, einfach weil er introvertierter und scheuer war, intellektueller eben. Dabei war es doch Kardinal Ratzinger, der für die wichtigsten Reflektionen und Dokumente seines Pontifikats verantwortlich war. Auch ich brauchte ein wenig, um ihn für mich zu entdecken: seinen großen inneren Reichtum. Als Papst begann er, die Probleme und Skandale der Kirche offenzulegen, was eine sehr schwere Aufgabe ist, doch er nahm sie, ohne zu zögern, in Angriff. Und weil er die Demut, den Mut und die Ehrlichkeit hatte, sein Amt aufzugeben, all die Macht des Papstamtes aufzugeben – wer tut das heute schon? – bewundere ich ihn. Zum Glück erkennen immer mehr Christen, dass er ein großer Papst und ein außergewöhnlicher Mensch war, der in jeder Hinsicht großen Mut gezeigt hat." Danach schrieb sie ihm den Brief, der gleichen Inhalts war.

So feiert Georg Ratzinger seinen 90. Geburtstag

Wie feiert Georg Ratzinger denn am heutigen Mittwoch?

Seinen 90. Geburtstag feiert Georg Ratzinger in Rom zusammen mit seinem Bruder; Erzbischof Gänswein hat ein schönes Programm zusammengestellt, das kulinarische wie musikalische Delikatessen umfasst. Am Freitag kehrt er in seine bayerische Heimat zurück. Am Sonntag um 10 Uhr zelebriert der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ein Pontifikalamt zu Ehren des Jubilars, auf dem sein musikalisches Hauptwerk, die Missa Anno Santo, von den Regensburger Domspatzen gesungen wird. Und auch ich werde ihn in diesen Tagen natürlich treffen, um ihm zu seinem Wiegenfest zu gratulieren und Gottes reichen Segen zu wünschen: Ad multos annos, Herr Domkapellmeister!

Interview: Franz Rohleder

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