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Missbrauchsopfer verklagt Ex-Papst: Benedikt habe „Kenntnis von allen Umständen“ gehabt

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Von: Felix Herz

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Es ist eine aufsehenerregende Klage eines Missbrauchsopfers der katholischen Kirche, die sich unter anderem gegen den emeritierten Papst Benedikt richtet.

München/Freising/Traunstein – Aufbauend auf dem Missbrauchsgutachten zum Erzbistum München hat ein Missbrauchsopfer eines katholischen Priesters Klage beim landgericht Traunstein eingereicht. Sie richtet sich gegen den mutmaßlichen Täter, gegen das Erzbistum München und Freising sowie einen weiteren ehemaligen Erzbischof, Kardinal Friedrich Wetter. Und ein weiterer prominenter Name ist in der Klage adressiert: der emeritierte Papst Benedikt XVI., Joseph Ratzinger.

Klage gegen Ex-Papst Benedikt XVI.: „Zumindest billigend in Kauf genommen“

Medienberichten zufolge handelt es sich bei dem Kläger um einen heute 38-jährigen Mann aus Bayern, der als Kind von dem ebenfalls angeklagten Priester sexuell missbraucht worden sei. Die Klageschrift richtet sich dabei auch gegen den ehemaligen Papst Benedikt. So heißt es, Joseph Ratzinger habe als Kardinal „Kenntnis von allen Umständen“ gehabt und es „zumindest billigend in Kauf genommen, dass dieser Priester ein Wiederholungstäter ist“. Trotzdem setzte der spätere Papst den Priester wieder in der Seelsorge ein.

Laut Anklage habe der emeritierte Papst Benedikt XVI „Kenntnis von allen Umständen“ gehabt (Symbolbild).
Laut Anklage habe der emeritierte Papst Benedikt XVI „Kenntnis von allen Umständen“ gehabt (Symbolbild). © Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa

Schwierig an der Sache ist, dass die Missbrauchsvergehen weitgehend verjährt sind. Der Anwalt des Opfers wendet daher nun einen juristischen Kniff an: Demnach hat er eine sogenannte Feststellungsklage eingereicht, mit der zwar keine strafrechtliche Verfolgung, möglicherweise aber eine Feststellung der Schuld der Kirche erreicht werden könne.

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Missbrauchsopfer verklagt Papst und Erzbistum: Sprecher reagiert

Der Kläger hoffe darauf, dass ein weltliches Gericht feststelle, dass der damalige Priester ihn missbraucht habe und deswegen „zum Ersatz des Schadens ihm gegenüber verpflichtet ist“, heißt es den Medienberichten zufolge in der Klageschrift.

Zusätzlich solle das weltliche Gericht die zusammenhängende Verpflichtung des damaligen Erzbischofs Joseph Ratzinger feststellen, der Kenntnis von den sexuellen Missbräuchen des Priesters gehabt habe und ihn dennoch wieder in der Gemeindearbeit einsetzte. (fhz)

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