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Treffen sich zwei Päpste: Papst Franziskus (l.) und sein Vorgänger Benedikt XVI. am Samstag bei der Kardinalsernennung in Rom.

Im Petersdom

Papst Franziskus tritt mit Benedikt XVI. auf

Rom - Bei der Ernennung Gerhard Ludwig Müllers zum Kardinal tauchen mit Benedikt XVI. und Franz-Peter Tebartz-van Elst zwei unerwartete Gäste auf. In Rom fragt man sich, wann Benedikt das nächste Mal öffentlich auftritt.

Bevor am Sonntagmorgen die Messe mit den neu ernannten Kardinälen im Petersdom beginnt, gibt es vor allem eine Frage, die sich die Menschen auf den Bänken zuflüstern. Wird er wieder da sein?

Es ist eine Frage, die man sich im Vatikan in den kommenden Monaten häufiger stellen wird nach diesem unerwarteten Auftritt des emeritierten Papstes am Tag zuvor. Am Samstag beim ersten Konsistorium im Pontifikat von Papst Franziskus, bei dem er 19 neue Kardinäle ernannte, war auch sein Vorgänger Benedikt XVI. gekommen. Am Sonntag bleibt sein Platz hingegen wieder leer.

Das Gerücht, der emeritierte Papst könnte sein vatikanisches Kloster Mater Ecclesiae im Schatten des Petersdoms verlassen und zum Konsistorium erscheinen, hatte schon vor Beginn der Zeremonie am Samstag die Runde gemacht. Doch eigentlich wollte der 86 Jahre alte Joseph Ratzinger ja „verborgen vor der Welt“ leben, wie er kurz vor seinem Rücktritt im Februar vor einem Jahr angekündigt hatte. Würde er nicht alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen an einem Tag, an dem es eigentlich um einen bedeutenden, auch politischen Akt des neuen Papstes ging?

Von den 19 Kardinälen, die Franziskus am Samstag ernannte, darunter der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation Gerhard Ludwig Müller, stammten viele von der Südhalbkugel, fast ein Drittel aus Lateinamerika, zwei aus Afrika, zwei aus Asien, nur wenige aus Europa. Das war ein Zeichen für die lange Zeit europäisch-italienisch geprägte Führung der katholischen Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern.

Papst Franziskus: Gemeinsamer Auftritt mit Benedikt XVI.

Papst Franziskus: Gemeinsamer Auftritt mit Benedikt XVI.

Der Papst aus Argentinien verschiebt die Gewichte in der Weltkirche und im Kreis der nun 122 wahlberechtigten Kardinäle, seiner engsten Berater. 16 der neuen Kardinäle sind unter 80 Jahre alt und wären im Moment berechtigt, im Konklave einen neuen Papst zu wählen. Aber dann zeigte sich Benedikt zum ersten Mal nach seinem historischen Amtsverzicht am 28. Februar 2013 in der Öffentlichkeit.

Der emeritierte Papst verzichtete auf den ihm angebotenen Ehrenplatz, er setzte sich zu den Kardinälen. Nur leicht abgesetzt vom Kollegium saß Benedikt in der ersten Reihe vor dem Altar wie die anderen auf einem rot bezogenen Sessel neben dem maronitischen Patriarchen Bechara Boutros Rai, der später gestand, im Anblick seines Nachbarn eine „sehr große Emotion“ verspürt zu haben. Franziskus begrüßte seinen Vorgänger mit einem Bruderkuss, beide fassten sich an den Armen. Der emeritierte Papst, in weißer Soutane und weißem Mantel, hatte da schon das Pileolus-Käppchen von seinem Kopf genommen als Geste seiner Ergebenheit, die jeden Zweifel darüber ausräumen sollte, dass zwei Päpste im Vatikan einer zu viel sein könnten. Es war Franziskus, der Benedikt zur Zeremonie eingeladen hatte. Als „Großvater im eigenen Haus“ hatte der Papst seinen Vorgänger schon früher wohlwollend bezeichnet.

Müller: Benedikts Auftritt "Überraschung"

Die Kardinäle interpretierten den Besuch später in Gesprächen als „Zeichen der Einheit und Zusammengehörigkeit“ und auch als Unterstützung für den Kurs des Nachfolgers. Eine „Überraschung“, nannte Gerhard Ludwig Müller den Auftritt. „Sympathisch“ fand ihn der frühere Kardinalstaatssekretär Benedikts, Tarcisio Bertone. So sagte er es am Abend, als sich Tausende Römer und Touristen im Apostolischen Palast tummelten.

In den sonst unzugänglichen Sälen, der Sala Regia und der Sala Ducale nahmen die neuen Kardinäle die Glückwünsche des Volkes entgegen. Franziskus hatte die neuen Kardinäle bereits im Vorfeld gemahnt, ihre Ernennung sei nicht Ehre oder Zierde, sondern „Dienst“ an der Kirche. „Gute Diener, nicht gute Herren“, sollten die Kardinäle sein, sagte Franziskus auch am Sonntag. „Der Kardinal wird Teil der Kirche Roms und tritt nicht in einen Hof ein“, sagte der Papst und verbat sich „Intrigen, Lästereien, Seilschaften und Bevorzugungen“.

Bei der Ernennung küsste keiner der neuen Kardinäle wie bislang üblich den Fischerring des Papstes, Franziskus kam allen mit einer Umarmung zuvor. Zuvor hatte er ihnen das scharlachrote Kardinalsbirett aufgesetzt und einen goldenen Ring angesteckt. Schließlich bekamen die Kardinäle, darunter auch der neue Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, eine Urkunde ihrer Ernennung mit dem Namen ihrer römischen Titelkirche. Der ehemalige Regensburger Bischof Müller bekam mit Sant’Agnese in Agone eine Kirche mit zentraler Lage an der Piazza Navona in Rom zugewiesen. Müller begab sich nach der Ernennung in den Palazzo der Glaubenskongregation, in dessen Hof er einen Festempfang gab. Aber hatte Franziskus zuvor nicht auch gefordert, die neuen Kardinäle sollten ihre Ernennung ohne „eitle Weltlichkeit und Feierlichkeit“ begehen, die dem Geist der Strenge, Nüchternheit und Armut fremd seien?

Vielleicht deshalb spielte bei dem bayerischen Fest statt lauter Blasmusik ein zurückhaltendes Streichquartett. Etwaige Schlemmereien von Bier, Wein und Regensburger Spezialitäten wurden wie zufällig vom dichten Rauch der Grillanlagen verhüllt. Bei einer kurzen Ansprache begründete Müller, er habe kein „zurückgezogenes Festessen“ gewollt, sondern ein „Volksfest“ mit Teilnehmern aller Art, aus seiner Geburtsstadt Mainz, sowie seinen früheren Wirkungsstätten Regensburg und München.

Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst da

Die Einladung angenommen hatte neben Hunderten von Gästen auch der wegen des Neubaus seiner Limburger Residenz umstrittene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Müllers „Standfestigkeit“ lobte und von „herausfordernden Zeiten“ sprach. Müller hatte Tebartz-van Elst vor Wochen gegen Anschuldigungen verteidigt. Sonst wollte der Bischof keine Kommentare abgeben, er trank eine Halbe Bier und unterhielt sich mit zahlreichen Gästen.

Bei denen gab es vor allem ein Thema. Den Auftritt Benedikts und die Frage, wann der emeritierte Papst sich wieder zeigen würde. Spätestens, so wird nun vermutet, bei der Heiligsprechung seiner beiden Vorgänger Johannes XXIII. und Johannes Paul II. am 27. April.

Von Julius Müller-Meiningen

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