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Folter-Mord an bayerischem Forscher und seiner Tochter in Paraguay: Abscheuliche Details zum Fall

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Von: Tanja Kipke, Markus Christandl

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Bernhard von Bredow war ein renommierter deutscher Archäologe.
Bernhard von Bredow war ein renommierter deutscher Archäologe. (Archivbild) © United Archives/IMAGO

Gefoltert und hingerichtet: Ein bekannter bayerischer Forscher und seine Tochter wurden in Paraguay brutal ermordet. Die Ermittler gehen von einem Raubmord aus.

Update vom 3. November, 9.23 Uhr: Noch fehlt von den Mördern des deutschen Wissenschaftlers Bernard von Bredow und seiner Tochter jede Spur. Eine Mordkommission ermittelt in dem Fall. Ein Freund der Familie, der anonym bleiben möchte, sagte der Bild: „Die deutsche Botschaft macht Druck, aber das reicht nicht.“ Er hat selbst Angst ins Fadenkreuz der Verbrecher zu geraten. „Die Mörder müssen hart bestraft werden. Das macht Bernard und Loreena zwar nicht wieder lebendig, aber schützt vielleicht andere.“

Bernard von Bredow, der Mammutexperte aus Bayern, wurde umgebracht

Update vom 2. November, 20.07 Uhr: Alte, verschwommene Aufnahmen von Bernard von Bredow zeigen einen jungen Mann, der durch Schlick stapft, mit der Hoffnung, im Gerhartsreiter Graben bei Siegsdorf Gold zu finden. Stattdessen entdeckt er als 16-Jähriger in der Schlucht mit einem Freund den Knochen eines Mammuts. Den Fund, über 40.000 Jahre alt, hält er zehn Jahre geheim, doch dann kommt über eine undichte Stelle alles heraus. Ein ganzes Skelett wird geborgen, es veränderte das Leben von Bredows für immer und machte ihn zu einem weltweit anerkannten Mammut-Experten.

Nun ist der 62-Jährige tot, er wurde in Paraguay in der Stadt Areguá von Räubern erschossen. Die noch Unbekannten brachten auch seine 15-jährige Tochter Loreena um, die mit ihm in seiner zweiten Heimat lebte. Der Vater, so kam es nach der Obduktion heraus, war vorher gequält worden. Gerichtsmediziner Héctor Meza sagt dazu: „Dem Mann wurde ins Genick geschossen. Es gibt Anzeichen dafür, dass er zuvor gefoltert wurde, weil er Verletzungen im Gesicht und Prellungen hatte.“ Der Mord sei wie eine Hinrichtung gewesen. Von Bredows Tochter wurde tot in einer vollen Badewanne entdeckt, ihr war in den Bauch geschossen worden, sie dürfte verblutet sein.

Bernard von Bredows sensationeller Fund, den er Oscar nannte, ist in Siegsdorf zu sehen

Bernard von Bredows sensationeller Fund, den er Oscar nannte, ist im Siegsdorfer Naturkunde- und Mammutmuseum im Landkreis Traunstein* zu bewundern. Zwei Kilometer Luftlinie vom Naturkundemuseum entfernt betrieb er im „Mammutheum“ eine eigene Ausstellung. Hier wurden unter anderem 14.000 Jahre alte Skelette aus der sibirischen Tundra gezeigt, Höhlenbär und -löwe. Besucher ließen sich vom Steinzeitleben faszinieren, belegten Seminare.

Dieses Mammutheum wirkte am Dienstag verwaist. Nachbarn berichten von wenig Kontakt zu von Bredow, er sei freundlich gewesen, aber irgendwie auch in seiner eigenen Welt. Diese Welt war nicht nur bestimmt von Urzeiten, von Bredow machte Musik, schrieb Lieder, war handwerklich begabt und geschickt, baute Gitarren und Geigen. Und sein Fachwissen über die Steinzeit war gefragt, etwa von Hollywood für die Produktion des Films „10 000 B.C.“ von Regisseur Roland Emmerich. Für den Blockbuster erstellte er Modelle, was ihn später wegen mangelnder wissenschaftlicher Exaktheit der „Macher“ reute.

Vor vier Jahren war Bernard von Bredow mit seiner Tochter nach Paraguay ausgewandert

Vor vier Jahren war Bernard von Bredow mit seiner Tochter nach Paraguay ausgewandert, in Areguá an der Grenze zu Argentinien bezog er mit dem Teenager ein Haus, in dem noch gewerkelt wurde. Hier widmete er sich dem Geigenbau und der Geigenreparatur, seiner Passion. Bekannte teilten den Ermittlern mit, dass von Bredow nicht viel Geld hatte, dennoch dachten die Mörder, dass hier Reichtum herrschte. Kommissar Hugo Grance, Leiter der Mordkommission, erklärte, dass „in der Regel ausländische Staatsbürger größere Geldbeträge besitzen“.

Am Tatort wirkte es so, als hätten die Killer alles durchsucht, es herrschte völlige Unordnung. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass mehr als zwei Täter infrage kommen. Offenbar hatten diese den bereits verletzten Bernard von Bredow auf der Suche nach Wertsachen durchs Haus getrieben, darauf deuten Blutflecken hin. Um die beiden Opfer trauern nahe Verwandte, die noch im Chiemgau leben.

Update vom 2. November, 14.35 Uhr: Der grausame Mord an dem bayerischen Archäologen Bernard von Bredow und seiner Tochter in ihrer Wahlheimat Paraguay beschäftigt auch die deutschen Behörden. Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte am Dienstag (2. November) den Tod der zwei Deutschen. Der Vorfall habe sich bereits am 22. Oktober ereignet, die örtliche Botschaft habe den Fall konsularisch betreut.

Erstmeldung vom 2. November, 9.55 Uhr:

Areguá/ Siegsdorf - Der bekannte Archäologe Bernard von Bredow wurde ermordet. Seit einigen Jahren lebte er mit seiner Tochter in Areguá in Paraguay. Laut der örtlichen Zeitung Ultima Hora entdeckte ein Verwandter die Leiche des Mannes sowie die seiner 14-jährigen Tochter in deren Haus. Die beiden wurden brutal ermordet. Überall seien Blutflecken gewesen. Der Forscher ist vor seinem Tod sogar gefoltert worden, wie der Gerichtsmediziner der Zeitung mitteilte. Danach sei er auf die Knie gezwungen worden und durch einen Kopfschuss in den Nacken hingerichtet worden.

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Folter-Mord an bayerischem Forscher in Paraguay: Ermittler gehen von Raubmord aus

Die Tochter des bekannten Forschers ist vermutlich durch eine Schusswunde in den Bauch gestorben. Gefoltert worden sei sie nicht. Der Gerichtsmediziner geht jedoch davon aus, dass die 14-Jährige an einem anderen Ort erschossen wurde. Die Täter hätten die Leiche danach in die Badewanne gelegt.

Da das Haus „von oben bis unten“ durchsucht wurde, gehen die örtlichen Ermittler von einem Raubmord aus, wie der Leiter der Mordkommission Ultima Hora erklärte. Auf dem Gelände seien Überwachungskameras installiert, man versuche momentan die Täter zu identifizieren.

Freunde des Forschers können sich die schreckliche Tat nicht erklären

Bredow wurde vor allem durch den Fund eines Mammutskeletts bekannt. Der gebürtige Bayer (Landkreis Traunstein*) fand 1975 im Alter von nur 16 Jahren nicht weit vom Haus seiner Eltern in Siegsdorf die Überreste des Koloss. Später habe der Forscher dann Geigen und Violinen gebaut. „Wir sind am Boden zerstört“, sagt ein Freund der Familie der Bild. „Bernard war ein Genie“. Niemand könne sich das erklären. „Bernard hatte keine Feinde in Paraguay. Er war beliebt und wurde bewundert, weil er so gebildet war.“ (mc/tkip) *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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