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Tagestouristen bringen der Region kaum Wertschätzung (Symbolbild des Nebelhorns).

Blechlawinen sind zu lang

Parkgebühren könnten auf 100 Euro steigen: Radikaler Vorschlag in Oberstdorf könnte viele treffen

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100 Euro fürs Parken in Oberstdorf beim Tagesausflug? Dieser radikale Vorschlag macht jetzt die Runde, weil es einem Umweltaktivisten reicht mit den vielen Autos.

Oberstdorf – Wenn es um die Verkehrsbelastung in seiner Heimatstadt geht, kann sich Michael Finger schnell in Rage reden. Egal, ob im Sommer oder im Winter, im Schnitt drängen rund 25.000 Autos pro Tag über die Bundesstraße 9 nach Oberstdorf im Allgäu, sagt der Vorsitzende der örtlichen Bund-Naturschutz-Gruppe. „Wir sind hier am Limit!“

Finger sitzt auch im Kreisrat. Und weil dort aus seiner Sicht bei der Verkehrsplanung seit Jahren kaum Verbesserungen gelingen, hat er sich mit einem resoluten Vorschlag an die Öffentlichkeit gewandt: Tagestouristen, die mit dem Auto kommen, sollen künftig so richtig zur Kasse gebeten werden. Bislang zahlen sie in Oberstdorf sechs Euro am Tag, der Busanschluss zum Wanderziel ist inklusive. Ihr Kleingeld können die Ausflügler künftig zu Hause lassen, wenn es nach Finger geht. Mitbringen sollen sie die grünen Scheine. 100 Euro Parkgebühr fordert er pro Tag. Rumms!

Oberstdorf: Region profitiert kaum von Tagestouristen

Mit einer relativ simplen Rechnung untermauert der Naturschützer seine radikale Forderung. „Ein Tagesgast bringt unserer Region so gut wie keine Wertschöpfung“, sagt Finger. „Der kommt morgens, genießt die Schöpfung Gottes, das Allgäuer Schutzgebiet, gönnt sich oben am Berg seine mitgebrachte Brotzeit und zur Sportschau ist er wieder zu Hause auf dem Sofa.“ Und dafür würden in der Gemeinde viele Parkplätze bereitgestellt, statt die Flächen für dringend benötigten Wohnraum zu nutzen, um den Personalmangel in der Gastronomie- und Hotelbranche zu beheben.

Michael Finger, Vorsitzender der örtlichen Bund-Naturschutz-Gruppe, fordert ein 100-Euro-Parkticket für Tagestouristen

Aus Fingers Sicht sollte sich Oberstdorf also mehr auf Übernachtungsgäste konzentrieren. „Denn der Dauergast ist der Dumme“ – er zahle am meisten, während andere die Infrastruktur billig nutzten. Durch die örtliche Gästekarte könnten Dauerbesucher von der hohen Parkgebühr befreit werden. Außerdem will Finger mit seinem Vorstoß den Druck auf die Politik für einen besseren Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs erhöhen.

Oberstdorf: Auch andere Urlaubsregionen werden von Blechlawinen überrollt

Mit den unendlichen Autokolonnen plagen sich freilich nicht nur die Oberstdorfer herum. Im Tegernseer Tal schimpfen die Anwohner schon seit Jahren über die Blechlawinen am Wochenende. Die Gemeinden rund um den Walchensee versuchen sich mittlerweile mit LED-Tafeln an der Garmischer Autobahn zu behelfen. Damit soll in Stoßzeiten verhindert werden, dass ortskundige Ausflügler über den Kesselberg und Walchensee ausweichen. Bei den ohnehin schon verstimmten Anwohnern von Kochel bis Krün dürfte sich die Laune noch verschlechtern, wenn Anfang Oktober die viel befahrene B 2 wegen Sicherungsarbeiten am Fels komplett gesperrt wird. Auch rund um den Eibsee kommt es immer wieder zu Problemen mit fahrenden und stehenden Autos. Das betrifft sowohl die Sommer- als auch die Wintersaison.

Die Verkehrsfrage ist ein Dauerbrenner im bayerischen Alpenraum. Und deshalb bekommt Finger auch Unterstützung von seinem Verbandschef Richard Mergner. „Sein Vorstoß hat auch im Verband eine Debatte ausgelöst“, gibt der BN-Landesvorsitzende zu. „Natürlich ist die Höhe der Parkgebühr diskutabel. Aber es ist ein Anstoß, um eine Debatte zu führen, was der öffentliche Raum wert ist. Die Belastung durch den Verkehr ist jedenfalls nicht zu leugnen.“

Oberstdorf: Verwaltung gibt sich diplomatisch

Bei den Entscheidern in Oberstdorf findet Fingers Vorstoß dagegen wenig Gegenliebe. „Wir begrüßen sowohl Übernachtungs- wie Tagesgäste und wissen, dass beide Gästegruppen zur Wertschöpfung des Ortes beitragen“, heißt es aus dem Rathaus. Und auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz (CSU) spricht von einer „absurden Idee“. Die Freizeitinfrastruktur des Allgäus lebe zu einem erheblichen Teil von den Tagesgästen.

Auf eine zeitnahe Umsetzung seines Vorschlags darf Michael Finger also nicht hoffen. Doch seine Initiative schlägt Wellen – und provoziert. „Ich habe jetzt mal einen Pflock in die Wiese gehauen. Denn wir müssen jetzt reagieren, bevor wir unsere Region vor die Wand fahren.

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Dominik Göttler

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