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Ein Polizist steht vor der Polizeiinspektion Passau. Hier hat ein Mann einem Beamten ins Gesicht geschossen.

Polizisten ins Gesicht geschossen - Mann vor Gericht

Passau - Vor einem Jahr schoss ein aggressiver Mann nach einem Ehestreit in Passau einem 49 Jahre alten Beamten auf der Polizeiwache ins Gesicht und nahm ihn als Geisel. Nun steht er wegen Mordversuchs vor Gericht.

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Polizist niedergeschossen: Mann (28) vor Gericht

Angeschossener Polizist auf dem Weg der Besserung. 

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Fast genau ein Jahr nach dem gewalttätigen Überfall auf Passauer Polizisten muss sich seit Dienstag ein 28 Jahre alter Mann wegen dreifachen Mordversuchs vor dem Landgericht Passau verantworten. Er soll in einer Nacht Ende September 2009 dem diensthabenden Beamten auf der Passauer Inspektion die Waffe abgenommen und dem Mann ins Gesicht geschossen haben. Anschließend soll er auch noch auf zwei weitere Polizisten gefeuert haben.

Zum Prozessauftakt legte der Schweißer ein Teilgeständnis ab. Die wesentlichen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestritt der Mann allerdings oder machte Erinnerungslücken geltend. "Ich kann mir selbst nicht erklären, warum ich die Pistole genommen habe", sagte er. Der Mann ist auch wegen Geiselnahme und Körperverletzungsdelikten angeklagt. Der damals 49 Jahre alte Polizist überlebte schwer verletzt, hat aber bis heute psychische Probleme.

Die Kugel hatte seine Wange und den Unterkiefer durchschlagen und war in seiner Brust stecken geblieben. Der Beamte war allein auf der Wache. Vier Kollegen waren zwar in dem mehrstöckigen Polizeigebäude in einem Ruheraum, von der Bluttat aber bekamen sie nichts mit. Laut Anklage hatte der 28-Jährige am 24. September 2009 zunächst mit seiner Ehefrau deren Geburtstag gefeiert.

Nach eigenen Angaben hatte der Beschuldigte im Laufe des Tages mehr als eine Flasche Schnaps getrunken. Schließlich soll er spät abends mit seiner Partnerin gestritten und gewalttätig auf die Frau losgegangen sein. Danach soll er in einer Kneipe einen Studenten niedergeschlagen und schließlich früh morgens gegen 2.15 Uhr mit einem Taxi zur Polizei gefahren sein, um Hilfe bei seinem Ehestreit zu bekommen. Die Anklage schildert das weitere Geschehen so: Zunächst kam es zu einem Gerangel zwischen dem 49 Jahre alten Polizisten und dem angetrunkenen Mann. Der Beamte stürzte dabei auf einer Treppe und verlor seine Dienstwaffe.

Der 28-Jährige nahm die Pistole und schlug dem Opfer zunächst mehrfach damit auf den Kopf. Dann setzte er dem Polizisten die Waffe drohend an den Schädel. Als der Polizist die Waffe wegschieben wollte, löste sich der Schuss. Trotz seiner Verletzung konnte der Polizist auf den Hof der Inspektion fliehen. Dort holte ihn der 28-Jährige ein und verschanzte sich zwischen Autos. Als ein Polizist in etwa zehn Meter Entfernung an einem Fenster auftauchte, feuerte der Mann auch auf diesen Beamten, die Projektile blieben allerdings im Fensterrahmen stecken. Danach verfehlte der Schütze auch den Kopf eines dritten Polizisten. Schließlich wurde der 28-Jährige laut der Schilderung des Staatsanwalts nach etwa einer Stunde überwältigt, als das Magazin leer war.

Der 28-Jährige schilderte das Geschehen allerdings in großen Teilen anders und wich dabei auch von seinen früheren Aussagen in den Vernehmungen ab. Auslöser der Eskalation auf der Wache sei gewesen, dass der Beamte über den betrunkenen Schweißers gelacht habe. Zum Schuss auf den 49-Jährigen sagte er: "Ich weiß nicht, wie das passiert ist." Anschließend habe er sogar noch um Hilfe gerufen und versucht, die Blutung des Verletzten zu stillen. Später habe er nur noch aus Angst vor den Polizisten zur Warnung in die Luft geschossen, nicht mehr gezielt auf Menschen. "Ich habe niemanden bedroht."

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage eingeplant, ein Urteil wird am 12. Oktober erwartet.

dpa

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