Schleierfahnder kontrollieren auf der Autobahn (Symbolbild).
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Schleierfahnder kontrollieren auf der Autobahn (Symbolbild).

Reiserückkehrer im Fokus

Unterwegs mit Bayerns Corona-Jägern auf der Autobahn: Fahnder suchen jetzt statt Drogen Corona-Sünder

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Schleierfahnder der Bayerischen Grenzpolizei: Während sie sonst auf der Autobahn Drogenschmugglern und Autodieben das Handwerk legen, kontrollieren sie jetzt Nachweise von aktuellen Corona-Tests.

  • Seit Ausbruch der Pandemie sind auch die Schleierfahnder der Grenzpolizei im Anti-Corona-Kampf.
  • Auf der Autobahn kontrollieren die Beamten vor allem Wagen mit ausländischen Kennzeichen.
  • Gerade kurz nach Weihnachten ist die Angst groß, dass die Reiserückkehrer die Infektionszahlen stark ansteigen lassen.

Passau – Drei Wörter blinken abwechselnd auf. „Polizei Bitte Folgen“ leuchtet in roter Schrift im Rückspiegel von David Vankovics. Der gebürtige Ungar ist auf der Rückreise vom Weihnachtsbesuch in der Nähe von Budapest nach Bayern, wo er lebt. Gemeinsam mit seiner Frau und Tochter hat er eine lange Fahrt hinter sich.

A3 bei Passau: Schleierfahnder im Anti-Corona-Kampf - sonst suchen die Polizisten Schwerkriminelle

Die Schleierfahnder der Passauer Grenzpolizeiinspektion haben sich nach der deutsch-österreichischen Grenze auf der A3 geschickt vor ihm eingefädelt. Er folgt dem Wagen. Bei der nächsten Ausfahrt geht’s runter – direkt zur Kontrollstelle. Hier übernehmen die Kollegen.

Trotz eisiger Kälte stehen sie bereits seit Stunden kurz vor der Passauer Autobahnauffahrt Richtung Linz. Die Stelle eignet sich gut. „Eine typische Balkanroute, dort kommen nach den Feiertagen viele wieder zurück“, sagt Alexander Schraml, der Leiter der Ermittlungsgruppe. Vankovics Kennzeichen ließ die Beamten aufmerksam werden. Wieso? Corona*.

Bayerns Schleierfahnder, die sonst auf Schleuser und Schwerkriminelle spezialisiert sind, haben jetzt einen neuen Feind. Er ist winzig klein, aber hochgefährlich. Sein Name: SARS-CoV-2. Ihn sollen die Beamten mit allen Mitteln von der Einreise ins Bundesgebiet abhalten.

Corona in Bayern: Schleierfahnder kontrollieren auf der Autobahn Reiserückkehrer

Seit Wochen kontrollieren die Schleierfahnder Autos. Viele mit ausländischen Kennzeichen, denn da ist es sehr wahrscheinlich, dass jemand gerade aus einem anderen Land und damit höchstwahrscheinlich auch einem Risikogebiet einreist. Aber stichprobenartig werden auch Münchner, Passauer, Hamburger und andere Kennzeichen einer Kontrolle unterzogen. Gerade kurz nach Weihnachten ist die Angst groß, dass die Reiserückkehrer die Infektionszahlen wie im Sommer stark ansteigen lassen.

Auch Familie Vankovics reist aus einem Risikogebiet wieder nach Deutschland ein. Ohne aktuellen Corona-Test, wird jeder von den Beamten bei der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde gemeldet. Einen Test muss derjenige dann binnen 72 Stunden dort nachreichen. Bis dahin heißt es aber – ob mit oder ohne Test: Quarantäne. „Je nach Ergebnis zwischen fünf und zehn Tagen Minimum“, sagt erster Polizeihauptkommissar Michael Haslböck.

Corona in Bayern: Nach Weihnachtsfest bei Verwandtschaft: Familie aus Ungarn auf Quarantäne vorbereitet

Die aus Ungarn eben eingereiste Familie hat alles richtig gemacht und mitgedacht. So dauert das Prozedere nur kurz. „Vor zehn Minuten waren wir bei einem Testzentrum in der Nähe von Passau. Den Termin habe ich am Vorabend online gebucht“, sagt Vankovics. Auf seinem Handy zeigt er einen Nachweis. Die Beamten prüfen noch die Personalien. Dazu steht an der Kontrollstelle ein Bus. „Unser rollendes Büro“, sagt Haslböck lachend.

In dem Polizeibus ist ein Schreibtisch, Funkgeräte und ein Computer, der nach Eingabe der Personalien alles über die entsprechende Person ausspuckt. „So können wir sofort sehen, ob der Führerschein gültig ist oder das Vorstrafenregister einsehen“, erklärt er.

„Ich finde es wichtig und richtig, dass alles genau kontrolliert wird“

Während alles überprüft wird, bleibt David Vankovics gelassen in seinem Wagen sitzen. „Ich finde es wichtig und richtig, dass alles genau kontrolliert wird“, sagt er. „Man muss die Lage ernst nehmen. Und ich bin froh, dass es überhaupt möglich war meine Familie in der Nähe von Budapest über die Feiertage zu besuchen“, meint er.

Auf die Quarantäne, in die sich die Familie sofort nach Ankunft zu Hause vorerst begeben muss, hat sich der Familienvater auch schon vorbereitet. „Wir waren in Ungarn noch einkaufen, damit wir alles zu Hause haben.“ So habe er kein Problem damit, ein paar Tage das Haus nicht zu verlassen. Denn der Heimatbesuch sei ihm das „allemal wert“.

A3 bei Passau: Corona-Schleierfahnder prüfen, ob mehr als zwei Hausstände im Auto sitzen

Die Kontrolle bei der Familie Vankovics ist der Normalfall. „Wir haben hier bisher enorm wenig Verstöße festgestellt“, berichtet Polizist Schraml. Freilich komme es vor, dass ihnen jemand ohne aktuellen Test ins Netz läuft. „Doch solange er dann innerhalb der gesetzten Frist einen Test macht und sich bei der Behörde meldet, ist alles in Ordnung“. Wir prüfen nur und geben es dann weiter.

Außerdem schauen die Schleierfahnder, ob mehr als zwei Hausstände in einem privaten Auto sitzen, in Reisebussen die Masken- und Abstandsregeln eingehalten werden, und auch nach 21 Uhr wird freilich geprüft, ob ein triftiger Grund besteht, gerade auf der Straße unterwegs zu sein. Auch diesbezüglich kommt eine erstaunliche Antwort: „Wir haben kaum Verstöße zu beklagen“, sind sich alle sieben Beamten vor Ort einig.

Seit Corona: Neue Aufgaben für Schleierfahnder - Grenzdelikte gehen zurück

Alles Aussagen, die man von einem Schleierfahnder-Team wohl eher selten hört. Normalerweise düsen die Grenzbeamten mit 200 Sachen über die Autobahnen und haben es nicht selten mit schwerkriminellen Vorfällen zu tun. „Am häufigsten haben wir es mit Kfz- und Drogendelikten zu tun“, sagt Schraml. Er selbst ist nicht mehr auf Streife, doch als Leiter des Schleierfahnder-Teams landet alles bei ihm auf dem Schreibtisch, bevor es zur Staatsanwaltschaft kommt.

Seit Corona und den Grenzschließungen kehrt trotz neuer Aufgaben bei den Fahndern mehr Ruhe ein. „Wir würden jederzeit alles kontrollieren, wenn uns etwas bei einer Corona-Kontrolle faul vorkommt“, sagt Schraml. Aber die Grenzdelikte seien in den vergangenen Tagen zurückgegangen. „Das Risiko, erwischt zu werden, ist seit dem Lockdown erheblich höher.“

Schleierfahnder berichten: Drogen sind auch während Corona ein Thema

Corona hin, Lockdown her: Häufige Aufgriffe sind nach wie vor Fahrer, die unter Einfluss von Betäubungsmitteln am Steuer sitzen, erklärt Schraml. Dabei sei ein geschultes Auge das A und O. „Die Berufserfahrung sensibilisiert enorm.“ Es komme selten vor, dass jemand, der dem Polizisten ein unwohles Bauchgefühl bereite, am Ende eine weiße Weste trägt.

Der Ideenreichtum der Kriminellen ist dabei so kurios wie endlos: „Wir haben schon Verstecke im Tank oder in einer im Fahrzeug mitgeführten Waschmaschine aufgedeckt“, sagt Schraml. Dazu werde im Notfall auch das Auto komplett auseinandergenommen. Auf der Dienststelle gibt es dafür eigens eine Halle.

Trotz Corona: Ideenreichtum der Kriminellen ist kurios und endlos

„Wenn ein Fahrzeug hier landet, finden wir auch meist etwas.“ Hohlräume sind beliebte Verstecke für Kokain, Marihuana und Co. Aber es geht auch noch kreativer: „Einmal haben wir Drogen in einem verschweißten Nutellaglas in der Schokoladencreme drin gefunden“, sagt er schmunzelnd.

Sind im Gegensatz dazu die Corona-Kontrollen nicht langweilig? „Freilich ist es weniger spektakulär“, sagt der Chef der Schleierfahnder. „Aber zur Pandemie-Eindämmung unabdinglich.“

Trotz Corona-Lockdown strömten Touristen in letzter Zeit in die Berge. Ein Virologe* betont nun: Hält man Abstand, ist das Ansteckungsrisiko bei solchen Ausflügen gering. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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