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In Passau liegt die Impfquote mit rund 77 % besonders hoch. Ein Kuriosum in ihrer Ermittlung könnte dafür sorgen, dass sie bald auf mehr als 100 % steigen könnte.

„Hauptsache, die Leute sind geimpft“

Zahlen geben Rätsel auf: Passau bald mit mehr als 100 % Impfquote?

  • Jonas Raab
    VonJonas Raab
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Eine Stadt in Bayern impft besonders emsig. So emsig, dass die Impfquote bald auf mehr als 100 % steigen könnte. Doch wie ist das möglich? „Im Grunde ist es egal“, meint das Landratsamt.

Passau - Von wegen Impfmüdigkeit: In Passau liegt die Impfquote nach Angaben der Stadt bei 76,71 %. Die Erstimpfung haben schon 82,66 % der rund 50.000 Einwohner erhalten. Bald könnte sogar der sonderbare Fall eintreten, dass die Impfquote in der Drei-Flüsse-Stadt auf über 100 % steigt. Doch was hat es mit dem Passauer Impf-Rätsel auf sich?

Einen Hinweis liefert eine kleine Fußnote auf der Stadt-Website: „Bei den Impfquoten handelt es sich um rechnerische Werte, ausgehend von 52.415 Einwohnern.“ Das ist nichts Ungewöhnliches, denn so wird die Quote laut Vorgaben des Robert-Koch-Instituts nun mal berechnet. Allerdings: Ob in Passau wirklich 76,71 % der Stadtbewohner vollständig immunisiert sind, weiß niemand.

Impfquote in Passau: Woher die Geimpften kommen, interessiert die Statistik nicht

Die Impfquote besitzt eine unauflösbare Unschärfe – und zwar nicht nur in Passau. Woher die Menschen kommen, die sich in einer Stadt gegen das Coronavirus impfen lassen, fließt nicht mit in die Statistik ein. In Passau kommen die Impfwilligen oft aus den Landkreisgemeinden und aus dem Ausland. Doch wie sinnvoll ist die Statistik dann überhaupt?

Dr. Achim Spechter, Leiter des Passauer Impfzentrums, kennt das Problem. „Es werden nur die in der jeweiligen Gebietskörperschaft durchgeführten Impfungen dokumentiert. Wo die Leute ihren Wohnsitz haben, ist seit geraumer Zeit unerheblich“, erklärt er gegenüber der Passauer Neuen Presse. „Inzwischen dürfen wir sogar die Schiffsbesatzungen impfen, die sich meistens aus Ausländern zusammensetzt“, sagt Spechter.

Passau hat „erfolgreich geimpft“: Darum ist die Impfquote in der Drei-Flüsse-Stadt wirklich so hoch

In erster Linie liegt es allerdings an Studenten mit Zweitwohnsitz, an einpendelnden Landkreisbewohnern und an der höheren Ärztedichte im Vergleich zum Umland, dass die Impfquote in der Drei-Flüsse-Stadt so hoch liegt. Zwar habe Passau laut Spechter „erfolgreich geimpft“, an den offiziellen Zahlen zweifelt er aber: „Gefühlt sind bei uns mehr als 20 Prozent leider noch nicht geimpft.“ Er befürchtet sogar, dass sich die aufgeblähte Quote negativ auf die Impfbereitschaft auswirkt. Es könne ein „Auf mich kommt’s nicht mehr an“-Gefühl entstehen.

Schon im April war Passau mit rund 40 Prozent Erstimpfungen Spitzenreiter in ganz Bayern:

Das Passauer Landratsamt macht sich weniger Sorgen um eine neue Impfmüdigkeit aufgrund der hohen Quote. „Uns ist es im Grunde egal, wer wo geimpft wurde. Hauptsache, er wurde geimpft“, sagt Pressesprecher Werner Windpassinger der Passauer Neuen Presse. Er selbst sei ein Beispiel für die Unschärfe der Impfquote, denn sein Hausarzt habe seine Praxis im Nachbarlandkreis Freyung-Grafenau.

Erreicht Passau bald 100 % bei der Impfquote? Oder sogar noch mehr?

Dass die Impfquote in Passau tatsächlich auf über 100 % steigt, hält Impfzentrum-Chef Spechter für unwahrscheinlich. Möglich wäre es aber. Windpassinger vom Landratsamt hätte nichts dagegen: Wenn am Schluss alle Stadt- und Landkreisbewohner geimpft seien, sei es egal, wo das passiert ist. „Und 110 Prozent wären noch besser. Wie gesagt: Hauptsache, die Leute sind geimpft.“

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