Jodlerin Uschi Bauer gemeinsam mit Entertainer Maximilian Arland und Ehemann Viktor beim Weltrekordversuch.
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Unterstützung bekam Jodlerin Uschi Bauer von Entertainer Maximilian Arland (Mitte) und Ehemann Viktor.

Weltrekord im Schnelljodeln

Holladrio! Sie ist die schnellste Jodlerin der Welt

  • Claudia Schuri
    vonClaudia Schuri
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Holladrio! Das heißt es in allen Lebenslagen bei Uschi Bauer aus dem Kreis Passau: Sie ist leidenschaftliche Sängerin und Jodlerin – und hat jetzt sogar den Weltrekord im Schnelljodeln geknackt. 

Passau – Sie nennt sich „die Sängerin mit der fröhlichen Note“. Und wenn sie telefoniert, dann trällert sie dem Anrufer gerne einen Jodler vor. „Singen und Jodeln halten jung und machen glücklich“, sagt Uschi Bauer. Sie persönlich gerade ganz besonders: Die 70-Jährige wurde im Oktober zur schnellsten Jodlerin der Welt gekürt.

Sie hat es geschafft: Uschi Bauer ist Weltrekordhalterin für die meisten gejodelten Töne in einer Sekunde.

Den Titel hat sie sich in der Sendung „Heimat der Rekorde“ erkämpft, die jetzt im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. 24 Töne jodelte sie in einer Sekunde – und erzielte damit einen Weltrekord im Schnelljodeln. Der Schweizer Peter Hinnen, der den Rekord seit 1992 innehatte, schaffte damals 22 Töne. Wochenlang hatte sich Uschi Bauer vorbereitet. Mit dem Ohr hörbar sind bei so einer Geschwindigkeit längst nicht mehr alle Töne. Rekordrichter Olaf Kuchenbecker und Jodel-Experte Raymon Amman von der Universität Innsbruck mussten die Jodel-Aufnahme am Computer stark verlangsamt abspielen und in grafischen Kurven darstellen, um die Töne zu zählen. Die gute Nachricht kam schnell: „Schon beim Soundcheck war der Weltrekord geschafft“, sagt Uschi Bauer. „Ich bin fast ausgerastet vor Freude.“

Früher tourte sie mit ihrer Band durch die Diskotheken

Die gebürtige Münchnerin, die inzwischen im Kreis Passau lebt, singt und jodelt schon seit Kindertagen. Anfang der 70er-Jahre kündigte sie ihre Arbeit als Sekretärin und widmete sich ganz der Musik. Mit ihrer Band „New Guardians“ tourte sie durch die Diskotheken. „Oldies, Evergreens, Rock’n’Roll, Party-Hits – wir haben alles gespielt“, erzählt sie. Eines Tages sollte die Band in einer Münchner Kultdisko eine Mitternachtsshow veranstalten. Uschi Bauer, die noch unter ihrem bürgerlichen Namen Renate Remmelt auftrat, machte bereits mit einer anderen Gruppe bayerische Musik. Also hatte sie eine Idee: „Lasst uns doch eine boarische Show machen“, schlug sie vor. Die Gäste waren begeistert – und Bauer bekam kurz darauf die Gelegenheit, eine Jodel-Schallplatte aufzunehmen. „Vom Disko-Fetzen-Gewand bin ich sozusagen ins Dirndl gewechselt“, sagt sie und lacht. „Die Szene hat frisches Blut gebraucht. Es ging bei mir steil bergauf.“

Dritter Platz im Grand Prix der Volksmusik

1987 erzielte sie den dritten Platz beim Grand Prix der Volksmusik und 1988 wurde sie mit dem Lied „Die kleine Bergkirche – Ave Maria“ mit der Doppel-Platin-Platte ausgezeichnet. Bauer sang in Fernsehsendungen und auf Kreuzfahrtschiffen. Ihr Lieblingsstück, den Erzherzog-Johann-Jodler, trug sie zum Beispiel zwischen den Eisbergen von Grönland, in antiken Theatern und in einer Höhle in Neuseeland vor. In Kanada bat sie ein Häuptling der Inuit um ein Ständchen und in Tokio jodelte sie in einer Bierhalle. „Das erste Bier haben wir noch gekauft“, verrät sie. „Alle anderen Biere bekamen wir bezahlt.“

2013 entschloss sich Uschi Bauer, kürzer zu treten. Im März 2018 folgte ein Schicksalsschlag: Sie erlitt eine doppelseitige Lungenembolie, einen Lungeninfarkt, eine Lungenentzündung und eine Rippenfellentzündung. „Die Ärzte haben gesagt, dass ich bleibende Schäden an der Lunge habe“, berichtet sie. Aufgeben kam nicht infrage: „Ich habe mich wieder ins Leben zurück gejodelt“, sagt sie. Unter ihrem bürgerlichen Namen trat sie 2019 erstmals wieder in der Sat1-Musikshow „The Voice Senior“ auf. Sie schied zwar aus – Spaß hatte sie trotzdem: „Jodeln heißt gute Laune haben.“

Der Weltrekord-Jodel ist in der Sendung „Heimat der Rekorde“ in der BR-Mediathek zu sehen.

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