Eine Kiste voller Akten tragen Rechtsanwalt Euler und die Initiatorin von „Gerechtigkeit für Ulvi“, Gudrun Rödel, ins Landgericht Bayreuth.

Anwalt will Wiederaufnahme des Falls

Was ist mit Peggy passiert?

Bayreuth - Sechs prall gefüllte Aktenordner in einem Karton: Mit einem Wiederaufnahmeantrag hat ein Anwalt wieder Bewegung in den Fall Peggy gebracht. Er glaubt, dass der verurteilte Ulvi K. den Mord nicht begangen hat. Aber was geschah dann mit dem Mädchen?

Der Fall Peggy muss möglicherweise neu aufgerollt werden. Zwölf Jahre nach dem Verschwinden der Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg reichte der Rechtsanwalt Michael Euler gestern beim Landgericht Bayreuth einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens ein.

Peggy aus Lichtenberg: Das Mädchen, das vor 12 Jahren verschwand.

2004 war der geistig behinderte Gastwirtssohn Ulvi K. als Mörder des neunjährigen Mädchens verurteilt worden; bis heute fehlt von der Leiche jedoch jede Spur. Ein damaliger Belastungszeuge habe seine Aussage inzwischen wieder zurückgenommen, sagte Euler. Außerdem gebe es Zeugen, die Ulvi K. ein Alibi für die Tatzeit geben können. Der Jurist erklärte weiter, der Tatverdächtige sei bei den Vernehmungen unter Druck gesetzt worden. Die Erfolgschancen für den Antrag schätzte er hoch ein: „Wir haben hinreichend bewiesen, dass Ulvi K. nicht der Täter ist.“

Das deutsche Gesetz legt hohe Hürden für die Wiederaufnahme eines abgeschlossenen Verfahrens fest, so müssen beispielsweise neue Beweise vorliegen. Die Justiz hielt sich gestern bedeckt. Ein Sprecher des Landgerichts teilte mit, man werde nun eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft einholen. Die Prüfung des Antrags werde „voraussichtlich erhebliche Zeit in Anspruch nehmen“.

Gemeinsam mit Gudrun Rödel, der Betreuerin des Verurteilten, reichte Euler den Antrag ein: knapp 2000 Seiten in sechs Aktenordnern. „Darin steckt die Wahrheit“, erklärte Rödel. Sie hat eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die sich für die Rehabilitierung des Mannes einsetzt. Ziel des Wiederaufnahmeantrags sei es nicht nur, die Unschuld von Ulvi K. zu beweisen: „Gleichzeitig liegt uns auch die Frage am Herzen: Was ist denn wirklich mit Peggy passiert?“ Eine Zeugin will das Kind einige Tage nach dessen Verschwinden in einem oberbayerischen Ort gesehen haben. Ein etwa 35-jähriger Mann habe ihren Stoffladen betreten – mit dem Mädchen an der Hand. Sie sei sich sicher, dass es Peggy gewesen sei. Damals habe sie auch sofort die Polizei alarmiert – doch von den Beamten habe sie nie wieder etwas gehört.

Nachdem der Belastungszeuge seine Aussage widerrufen hatte, begann die Staatsanwaltschaft mit eigenen Ermittlungen. „Das hat aber nicht dazu geführt, dass eine Wiederaufnahme seitens der Staatsanwaltschaft in Betracht gekommen wäre“, betonte Oberstaatsanwalt Ernst Schmalz. Der Zeuge war ein Zimmergenosse von Ulvi K. im Bezirksklinikum Bayreuth. Er hatte im Verfahren erklärt, der Tatverdächtige habe ihm den Mord gestanden. Schmalz betonte, dass Ulvi K. derzeit nicht die Haftstrafe wegen Mordes verbüßt. Er sei wegen elffachen sexuellen Missbrauchs an Kindern in der Psychiatrie untergebracht: „Das wird manchmal gerne vergessen.“

Kathrin Zeilmann

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