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Hofft auf Freispruch: Ulvi K. könnte ab heute wieder ein freier Mann sein. Im Gerichtssaal stehen ihm Jan Astheimer, einer seiner beiden Anwälte, und seine Betreuerin Gudrun Rödel bei.

Plädoyers im Prozess

Ulvi K.: „Ich hab’ die Peggy nicht umgebracht“

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Bayreuth -  Staatsanwaltschaft und Verteidigung fordern im Fall "Peggy" mittlerweile Freispruch für den einstigen Hauptverdächtigen Ulvi K. Doch der Fall bleibt weiter ungeklärt.

Es ist kurz nach 11 Uhr, die Plädoyers sind gehalten, jetzt hat der Angeklagte das letzte Wort. Die Menschen im Sitzungssaal 2.004 des Landgerichts Bayreuth blicken nach vorn. Dort, auf der rechten Seite, sitzt Ulvi K., 36, beiges Jackett, schwarzes Hemd, gestreifte Krawatte. Zu Beginn der Verhandlung hatte er in die Kameras gelächelt, nun wirkt er ernster, schaut zum Richter – und sagt mit lauter Stimme: „Ich hab’ die Peggy nicht umgebracht. Und mein Wunsch ist, dass sie lebend gefunden wird.“

Peggy, das Mädchen mit den blauen Augen und den blonden Haaren aus Lichtenberg, ist seit 7. Mai 2001 verschwunden, spurlos. Ihr Fall gilt als einer der rätselhaftesten in der deutschen Kriminalgeschichte. Und Ulvi K., ein geistig Behinderter, dessen Intelligenzquotient bei 67 liegt, spielt dabei eine Schlüsselrolle: Er soll die damals Neunjährige getötet haben. Ein perfektes Verbrechen ohne Leiche. Ausgerechnet Ulvi, den sie im Ort als „Dorfdepp“ bezeichneten.

Im April 2004 wird er jedenfalls vom Landgericht Hof wegen Mordes verurteilt – weil er ein Geständnis abgelegt hat, das in der Rückschau äußerst fragwürdig erscheint, zumal es der polizeilichen Tatversion auffällig ähnelt. Haben es die Beamten quasi erzwungen? Ulvi K. widerruft es zwar, doch am Urteil ändert das nichts. Seither sitzt er in der geschlossenen Psychiatrie. Jetzt, bei der Wiederaufnahme des Verfahrens, erweist sich jenes Geständnis – Dreh- und Angelpunkt der einstigen Verurteilung – als haltlos.

Selbst die Staatsanwaltschaft plädiert am Dienstagmorgen für einen Freispruch: „Wir haben keine Spuren, keinen Tatort, keine Leiche. Wir haben nur das Geständnis“, erklärt Staatsanwältin Sandra Staade. „Wenn dieses aber möglicherweise falsch war, dann muss gelten: Im Zweifel für den Angeklagten.“ Ein Justizskandal? Keinesfalls, betont Staade. Sie versucht offensichtlich, die Ehre der umstrittenen Ermittlungsbehörden wiederherzustellen. Dass sie mit dem Prozess nicht zufrieden ist, merkt man ihr an: Sie fasst sich kurz, will nur „nüchtern“ die Fakten nennen. „Die Frage, was am 7. Mai 2001 passiert ist, ist eine Frage, zu der sich viele Theorien aufstellen lassen“, sagt sie gleich am Anfang ihres Plädoyers. In der Anklageschrift steht eine davon – die sich nicht beweisen lässt.

Darin wird Ulvi K. beschuldigt, „einen Menschen getötet zu haben, um eine andere Straftat zu verdecken, strafbar als Mord“. Mit der anderen Straftat ist ein sexueller Missbrauch gemeint. Staatsanwältin Staade ist davon überzeugt, dass sich Ulvi K. wenige Tage vor Peggys Verschwinden an dem Mädchen vergangen hatte. Verteidiger Michael Euler kontert: „Dafür gibt es keinerlei Beweise.“ Überhaupt sei das Geständnis „vollständig widerlegt“ – allein schon deshalb, weil sein Mandant, der angebliche Täter, null Täterwissen habe: „Er weiß nicht, wo die Leiche ist, was Peggy an jenem Tag trug, und er kann ihren auffälligen Schulranzen nicht beschreiben.“ Peggy war damals auf dem Nachhauseweg von der Schule – sie kam nie an.

Die Anklage bröselte von Verhandlungstag zu Verhandlungstag: Die Entlastungszeugen wirkten glaubwürdig, der Richter beendete vorzeitig die Beweisaufnahme, ein entscheidendes Gutachten aus dem Jahr 2004, wonach Ulvi K. in seinem Geständnis die Wahrheit gesagt haben soll, modifizierte der zuständige Sachverständige: Er halte es zwar für wahrscheinlich, dass Ulvi K.s Geständnis auf tatsächlich Erlebtem beruhe. Aber: Ulvi K. könnte einzelne Szenen aus einem früheren Geschehen in seine Aussagen „importiert“ haben. Dass der Angeklagte gern und viel phantasiert, wurde in dem Verfahren auch deutlich – Menschen, die ihn gut kennen, sagen, er wolle so Aufmerksamkeit auf sich lenken. All das spricht für sich. Sein Verteidiger will jedenfalls einen Freispruch erster Klasse – ohne Zweifel an der Unschuld Ulvi K.s. Und er will, dass sein Mandant aus der Psychiatrie rauskommt: „Das ist mein Ziel.“ Am Mittwoch, um 10 Uhr, wenn das Urteil fällt, wird sich zeigen, ob er auch dieses Ziel erreicht.

Barbara Nazarewska

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