Pendler-Ärger in Mühldorf und Dorfen

Bahn tauscht neue gegen alte Züge

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München - Bahnpendler-Ärger in Mühldorf und Dorfen: Die Deutsche Bahn hatte schöne neue Doppelstockwaggons im Einsatz. Aber nur für kurze Zeit. Dann wurden diese nach Nordrhein-Westfalen verliehen.

„Kein anderes privates Bahn-Unternehmen kann sich einen derartigen Umgang mit der Kundschaft leisten“ – der Mühldorfer Michael Wengler, der täglich mit der Südostbayernbahn (SOB) nach München pendelt, ist sauer. Ohnehin ist die Mühldorfer Bahnstrecke sehr störanfällig. Auf der Strecke wird der Verkehr zum bayerischen Chemiedreieck abgewickelt, dabei ist die Route nur eingleisig und nicht elektrifiziert.

Und jetzt noch diese Geschichte: Die Deutsche Bahn hat sechs neue Doppelstockwaggons kurzerhand an eine DB-Tochter nach Nordrhein-Westfalen ausgeliehen, bestätigt ein DB-Sprecher. Die dortige DB Regio hatte eine Ausschreibung gewonnen, bei der der Einsatz neuer Waggons vorgeschrieben war. Der Hersteller Bombardier indes konnte nicht rechtzeitig liefern – und so schob man die sechs neuen Waggons zum so genannte Expressverkehr in NRW. Diese Aushilfe „ist im DB-Konzern üblich“, erklärte der Sprecher.

Bahn-Pendler Wengler sieht das anders: Die Türen der alten Doppelstockwaggons seien häufig defekt, es gebe unbequeme Klappsitze und beschädigte Kopflehnen. Angekündigt hatte die SOB die Ausleihe nicht. Es gab lediglich einen Newsletter im Dezember, in dem davon die Rede war, dass „aus betrieblichen Gründen“ zwei Züge täglich vom 21. bis 24. Dezember – also nur vier Tage lang – mit älteren Zuggarnituren unterwegs seien. Aus den vier Tagen ist nun aber eine längere Zeitspanne geworden – wie lang genau, dazu liegen unterschiedliche Aussagen vor. SOB-Chef Christoph Kraller sagt, bis Ende Februar sollten die sechs Waggons wieder in Oberbayern sein. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) spricht vom Zeitraum März/April. Wie auch immer: Ab Dezember 2016 soll sich der Betrieb bei der SOB grundlegend verbessern. Dann muss die SOB nach einem neuen Verkehrsdurchführungsvertrag mit dem Freistaat ihren Betrieb abwickeln. Und dieser neue Vertrag schreibt den Einsatz neuer Doppelstockwaggons vor. Insgesamt 20 Waggons sind bestellt, sogar mit Ledersitzen. Darunter werden auch die sechs ausgeliehenen Waggons sein.

„Die feine englische Art ist das nicht“, sagt Andreas Frank von Pro Bahn, der im Kundenbeirat der SOB sitzt. Auch er kann sich an den Newsletter vom Dezember erinnern. Dass die Bahn konzernintern reagiere, könne er noch nachvollziehen, auch wenn er sich frage, was da falsch gelaufen sei. Denn: „Doppelstockwaggons sind ein Standardprodukt, das seit Jahren vom Band läuft.“ Nicht in Ordnung sei es aber, dass die Bahn den Austausch stillschweigend vorgenommen habe. Er werde das bei der nächsten Sitzung des Beirats ansprechen. Auch die BEG, die im Auftrag des Freistaats den Regionalverkehr überwacht, wurde von der SOB erst nicht informiert.

Die Bahnpendler fühlen sich nun als Kunden zweiter Klasse, zumal der Januar auf der Mühldorfer Strecke sehr störanfällig war. An mindestens acht Tagen gab es Zugausfälle und Verspätungen. Erst am vergangenen Freitag endete ein Abendzug schon in Schwindegg – die Reisenden mussten in Busse umsteigen, die mit über einer Stunde Verspätung in Mühldorf ankamen. Höhepunkt war indes der Brand einer Diesellok Anfang Januar – der Qualm hatte sich über die Klimaanlage in allen Waggons verbreitet, bis jemand die Notbremse zog.

SOB-Mitarbeiter verteilen unterdessen zum Trost Gutscheine – erst am vergangenen Freitag wieder. „Bei manchem Pendler liegen zu Hause schon ganze Stapel“, sagt ein genervter Fahrgast.

Rubriklistenbild: © mzv-mm

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