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Wertvolle Exponate: Der Rosenheimer Lokschuppen stellt Leihgaben aus argentinischen Museen aus.

Pfändung gescheitert: Kein Kuckuck auf den Dinos

Rosenheim - Ein Rosenheimer, dem der argentinische Staat 660 000 Euro schuldet, wollte die Dinosaurier-Ausstellung im Rosenheimer Lokschuppen pfänden lassen. Der Coup platzte.

Offiziell gehören die Dinos nicht dem argentinischen Staat, sondern einer nichtstaatlichen Gesellschaft.

Der 58-Jährige Wilhelm Hambach (Name geändert) ist einer von Zehntausenden in der Welt, die geglaubt hatten, mit der Investition in argentinische Staatsanleihen auf der sicheren Seite zu sein. Vor 13 Jahren hatte Hambach 1,5 Millionen Mark angelegt. Zehn Prozent Zinsausschüttungen waren versprochen. Doch Argentinien erklärte 2002 den Staatsbankrott. Zinszahlungen wurden eingestellt und versucht, den Wert der Papiere auf ein Viertel zu drücken. Für Hambach hätte dies den Verlust von 660 000 Euro bedeutet – eine finanzielle Katastrophe.

Während ein Teil der Gläubiger nach dem ruinösen Handel resignierte, wollten Hambach und andere das bekommen, was ihnen zusteht. Sie gingen vor Gericht. 2007 entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Argentinien müsse alle Zahlungsverpflichtungen gegenüber den deutschen Anlegern nachkommen. Hambach wartete deshalb auf die Ankunft der Exponate aus Argentinien im Lokschuppen. „Die Dinosaurier pfänden lassen, aber nicht die Ausstellung verhindern“, war seine Vorstellung. Mit diesem Faustpfand wollte er Argentinien endlich zum Bezahlen der Schulden zwingen oder notfalls nach Ende der Schau die Ausstellungsstücke verkaufen.

Tatsächlich war der Gerichtsvollzieher schon da und wollte das Pfandsiegel aufkleben. Doch die Veranstaltungs- und Kongress GmbH zeigte sich gerüstet. Geschäftsführer Peter Lutz präsentierte für die Leihgaben rechtsverbindliche Rückgabezusagen. „Dieser Schutz ist im März beantragt und innerhalb von zwei Tagen verdächtig schnell gewährt worden“, sagt Hambach, der vermutet, durch das Gespräch mit einem Bekannten selber eine undichte Stelle geschaffen und sein Vorhaben damit verraten zu haben. Der Schutz gilt auch für weitere Ausstellungsorte.

Letzte Hoffnung Hambachs war ein Zugriff auf Leihgebühren oder Konzessionsabgaben, die der Lokschuppen für die Ausstellungsstücke zahlen muss. „Unser Vertragspartner ist nicht der Staat, sondern das nationale Instititut für wissenschaftliche und technische Forschung mit Namen Conicet“, erläutert Lutz. Das sei eine eigenständige Organisation.

Hambach macht das alles wütend. Er glaubt, der argentinische Staat habe sehr wohl seine Finger in der Ausstellung. Doch beweisen kann er es nicht. Enttäuscht zeigt er sich von der Politik: „Wenn Siemens in Schwierigkeiten steckt, steigt gleich eine Delegation ins Flugzeug, um die Dinge zu klären. Wenn ein Staat Privatleute prellt, hilft kein Mensch.“ Nach seinen Recherchen gibt es in Deutschland etwa 30 000 Gläubiger, die sich vom argentinischen Staat betrogen fühlen. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium heißt es, die Bundesregierung habe keine Handhabe gegenüber Argentinien zur Vollstreckung der in Deutschland erwirkten Gerichtsentscheidungen. Allerdings fordere die Bundesregierung seit Jahren bei Regierungsgesprächen mit Nachdruck die Wiederaufnahme der argentinischen Zahlungen.

Weiter als bis zu den ersten Ausstellungsstücken, die er während des Pfändungsversuchs gesehen hat, ist Hambach nie gekommen: „Die Ausstellung ist sicher schön. Aber bei dem, was mir passiert ist, hat mir der Besuch doch widerstrebt.“

von Elvira Biebel-Neu

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