Nach Unterlassungsklage

Pfarrer darf Film „antisemitisch“ nennen

Nürnberg - Unterlassungsklage abgelehnt: Ein Pfarrer darf einen Film über das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern weiterhin "antisemitisch" nennen. Die Begründung des Gerichts:

Ein umstrittener Film über das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern darf weiterhin als „antisemitisch“ kritisiert werden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth wies am Freitag in einem Schnellverfahren eine Unterlassungsklage der Filmemacherin Stefanie Landgraf gegen einen Nürnberger Pfarrer ab. Er ist zugleich Mitglied eines Arbeitskreises, der sich um eine Aussöhnung von Christen und Juden bemüht; er sieht in dem Film antisemitische Tendenzen.

Das Gericht verwies in seiner Entscheidung auf den verfassungsrechtlich garantierten Schutz der Meinungsfreiheit. Dem Geistlichen gehe es erkennbar um eine Bewertung des Films „Wir weigern uns Feinde zu sein“, nicht um eine unzulässige Schmähkritik, erläuterte das Gericht. Die Filmemacherin wirft dem Pfarrer die Verbreitung von Unwahrheiten und diffamierenden Meinungsäußerungen vor. Das Urteil hat noch keine Rechtskraft (Az.: 13 O 9589/12).

Der Geistliche hatte in dem Film unter anderem beanstandet, dass darin ein Flüchtlingslager in der Westbank mit dem Warschauer Ghetto verglichen wird. Ein jüdisches Museum wird in dem Film beschuldigt, den Holocaust zu instrumentalisieren, um den Palästinensern Land zu rauben. Damit fördere der Film den Antisemitismus in Deutschland und unterstützte die Neonazis-Szene. Der Nürnberger Schuldezernent Klemens Gsell (CSU) hatte daraufhin den Nürnberger Schulen untersagt, den Film im Unterricht einzusetzen.

dpa/lby

Rubriklistenbild: © dpa

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