Pfarrer-Liebe vor Gericht

Innsbruck - Dreiecksbeziehungen sind nie gut. Komplizierter sind sie nur noch unter Pfarrern. Und diese führen mitunter vors Gericht. So geschehen bei einer Liebelei zwischen einem katholischen Pfarrer und seinem Kollegen.

 In Innsbruck stand deshalb nun ein bayerischer Geistlicher vor Gericht. Die Anklage: Stalking! Alles hatte so schön begonnen. Trotz von Seiten der Kirche auferlegtem Liebesverbot schlugen bei einem bayerischen Pfarrer und einem österreichischen Theologie-Studenten im vergangenen Jahr die Herzen gemeinsam im Takt. Die Liebelei war geheim, dafür perfekt. Dachte zumindest der Pfarrer aus Bayern.

Aber was er nicht ahnte: Sein geliebter Student hatte noch einen zweiten Partner, ebenfalls ein Gottesdiener. Als der bayerische Geistliche hinter das Dreiecksverhältnis kam, kochte die Eifersucht hoch. Als Gehörnter schrieb er sieben anonyme Briefe mit sexuellem Inhalt an den neuen Freund seines Geliebten. Und: Er rief ständig mit unterdrückter Nummer an, um den Mann so richtig zu terrorisieren. Aber auch das reichte ihm nicht. Bei seinem Verflossenen ließ er das Telefon ebenso fast dauerklingeln.

Sechs Monate lang ertrugen der Student und sein neuer Pfarrer den Terror, bis es ihnen reichte und sie – trotz möglicher Konsequenzen von Seiten der Kirche – Anzeige wegen Stalkings (also wegen „Verfolgens“) erstatteten. Nun kam es vergangene Woche zum Prozess in Innsbruck. Der bayerische Pfarrer zeigte sich geständig, betonte aber, dass er den Theologie-Studenten vor einem verfrühten Karriere-Ende habe bewahren wollen. Es wäre doch schlimm gewesen, dass er aufgrund eines sexuellen Verhältnisses am Ende nicht seine Priesterweihe hätte antreten können. Dass er den Studenten zuvor genauso in „Gefahr“ gebracht hatte, schien er vergessen zu haben. Seelsorge sehe anders aus, betonte der Richter vor Gericht – und verurteilte den Geistlichen zu einer Geldstrafe von 1800 Euro.

Dem verfolgten Theologie-Studenten sprach das Innsbrucker Gericht ein Schmerzensgeld von 500 Euro zu. Welche Konsequenzen diese Liebesbeziehung abseits des Gerichts für die drei Pfarrer hat, blieb unklar. Ärger dürften jedoch alle von Seiten der Katholischen Kirche erwarten.

AW

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