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Klage gegen Klinik: Pferdehalterin Michaela Frisch.

Das Tier „hat sehr gelitten“

Pferde-Prozess: Entschädigung nur schwacher Trost für Besitzerin 

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2014 wurde das Dressurpferdes Shirly in einer Tierklinik operiert, doch seitdem verschlechterte sich der Zustand des Pferdes. Die Besitzerin klagte, die Klinik sieht keine Schuld. Am Ende einigten sich beide Parteien auf einen Vergleich. 

München – Michaela Frisch ist noch immer traurig wegen der Krankheitsgeschichte ihrer Stute. „Das Pferd hat sehr gelitten“, sagt die 39-jährige Fürstenfeldbruckerin, „die letzten vier Jahre haben mich ziemlich viele Nerven gekostet.“ Denn seit das lahmende, rechte Vorderbein des goldprämierten Dressurpferdes Shirly 2014 in der Tierklinik Aschheim (Kreis München) operiert wurde, verschlechterte sich der Zustand des Pferdes. „Es hatte Dauerschmerzen“, sagt Frisch. Deshalb verklagte sie die Tierklinik auf mehr als 42 000 Euro Schadenersatz. Gestern verhandelte das Oberlandesgericht (OLG) München über den Fall.

Frisch hatte Shirly, die Tochter des bekannten Sir Donnerhall, für 10 500 Euro auf einer Elite-Auktion gekauft und in der Dressur ausgebildet. Mit acht Jahren sei der Dunkelfuchs 30 000 Euro wert gewesen. Als er wegen einer Ringbandverengung lahmte, brachte sie ihn in die Tierklinik, wo er am 27. Januar 2014 operiert wurde. Doch die Wunde entzündete sich, schließlich erkrankte das Pferd auch noch an einem multiresistenten Keim. Die Besitzerin sieht die Schuld bei der Klinik. Diese bestreitet die Vorwürfe. Operation und Behandlungen seien „sachgemäß und fehlerfrei“ gewesen.

Besitzerin hält Vergleich für „eigentlich nicht richtig“

Das Landgericht München I wies die Klage in erster Instanz ab. Das Tier war nämlich im September 2015 bei einem Unfall gestorben. Das Gericht argumentierte, dass das Pferd zum Zeitpunkt der letzten mündlichen Verhandlung im November 2016 schon tot war – und damit kein Vermögensschaden mehr bestanden habe. Durch den Tod des Tieres wäre es ohnehin zu dem behaupteten Wertverlust gekommen. Frisch legte Berufung gegen das Urteil ein. Mit teilweisem Erfolg.

Das OLG, die zweite Instanz, war nämlich gestern ganz anderer Meinung. „Das Landgericht hat sich die Sache sehr einfach gemacht“, kritisierte der Vorsitzende Richter Kilian Brodersen. „So kann man’s nicht machen. Wenn ein Schaden entstanden ist, fällt er nicht weg, nur weil das Pferd tot ist.“ Brodersen schlug einen Vergleich vor, um einen langen Prozess mit Sachverständigen zu vermeiden. Die Pferdehalterin und die Klinik willigten ein – und einigten sich auf eine Summe von 8000 Euro.

Michaela Frisch wirkte nach der Verhandlung etwas zerknirscht. Sie hält den Vergleich für „eigentlich nicht richtig“, lediglich für einen „Kompromiss“, um langjährige Streitereien zu vermeiden. Dennoch ist sie auch froh, dass er zustande gekommen ist: „Man muss auch mal abschließen.“

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