Die Wirte Irmi und Norbert Misniks warten auf ihre ersten Besucher in der Brunnenkopfhütte.

Saisonauftakt an Pfingsten

Die Berghütte ruft

München - Pfingsten: Die Bewährungsprobe für die meisten Hüttenbesitzer in den bayerischen Alpen. Wenn der Wanderer-Ansturm kommt, zeigt sich, wie gut ihre Vorarbeit war.

Wenn Norbert Misniks Anfang Mai die wichtigsten Sachen in seinen Geländewagen packt, ahnt er es meistens schon: Die nächsten Wochen werden eine Heidenarbeit. Er macht sich auf den Weg zu seinem Heim für die nächsten sechs Monate, zur Brunnenkopfhütte in den Ammergauer Alpen. Auf 1602 Metern ist der 50-jährige Pächter dann zuhause, mitten im Graswangtal, mit Blick auf Schloss Linderhof und die Klammspitze. Eine Aussicht, die alle Besucher genießen sollen – das ist das Anliegen von jedem leidenschaftlichen Hüttenwirt. Natürlich auch das vom Norbert. Er ist ganz Bayer, ganz Hüttenwirt. Bei ihm in den Bergen duzt man sich, seinen Nachnamen müssen die Besucher nicht kennen. Sonst will er ihnen aber alles bieten. Deshalb muss er zweieinhalb Wochen vorher los. Der ruhige Bayer ist im Stress.

Weitere Informationen über die Hütten in Bayern gibt es beim Alpenverein.

Auch wenn die Wetterprognosen nicht so rosig sind, werden schon dieses Wochenende die ersten Besucher an seinen Biertischen Platz nehmen. Die erste „Watschn“ im Jahr, wie Norbert lachend und – natürlich – auf gut bayerisch erzählt. Er muss sich ranhalten, an Pfingsten geht’s auf der Hütte rund. „Und ich weiß nie, was bei den Vorbereitungen auf mich zu kommt“, erzählt er. Wenn er die Serpentinen zur Brunnenkopfhütte hinaufsteuert, erwartet ihn jedes Jahr eine Überraschung. Positiv ist die selten. Der Winter hat seine Spuren hinterlassen. Meterhoher Schnee, monatelang. „Da ist es normal, dass immer irgendetwas kaputtgeht“, erzählt Norbert. Doch er nimmt’s gelassen. „Das gehört dazu.

Auch jetzt liegt noch Schnee

Auch heuer hat sich seine Erfahrung bestätigt. Frisches Bergwasser tropft aus den Hähnen. Wer weiß, wie lange schon. Nächste Überraschung: Die Hütten-Terrasse ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Frost, Schnee und der Berg selbst haben alles verschoben. Doch das hat Norbert erst später entdeckt, schließlich liegt noch Schnee, wenn schon Wochen vor der

Saison in den Hüttensommer startet. Zum Glück kann er sich auf seine Leute vom Stammtisch verlassen. „Die kommen jedes Jahr mit mir rauf, und helfen beim Schneeschaufeln.“

Norbert ist dankbar für diese Tradition. Schließlich hat er selbst genug zu tun. Putzen, werkeln, Betten beziehen. Vor zwei Tagen hat er Knödel und Pfannkuchen vorbereitet. „Dass die Pfingsttage nimma ganz so happig sind.“ Denn wenn die Wanderer kommen, haben sie vor allem eines: Hunger. Sie wollen Norberts frischen Kaiserschmarn. Oder eben die Pfannkuchensupp’n. Besonders nach langen Märschen. Die sind momentan übrigens empfehlenswerter als richtige Gipfeltouren, rät Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein (DAV). Dort, wo Norberts Stammtisch nicht am Werk war, liegt noch Schnee – „nur was für erfahrene Bergsteiger“. Auch in höheren lagen taut es, das kann gefährlich werden. Die Almwanderungen sind hingegen perfekt für alle, die Pfingsten trotzdem in den Bergen verbringen wollen. Norbert und seine Frau Irmi freuen sich jedenfalls über Besuch. Begrüßt wird der natürlich auf bayerisch: „Griaß Eich, i bin da Norbert.“

Franziska Bär

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