"Verdeckter Menschenhandel"

Pflegedienste zahlen 60.000 Euro für Patient

München - Im Wettbewerb um die Betreuung von Intensivpatienten im häuslichen Bereich entwickeln sich zweifelhafte Strukturen: So verkaufen sich Pflegedienste untereinander Schwerkranke.

Pro Patient werden Prämien von bis zu 60.000 Euro bezahlt. Einen entsprechenden Bericht von „Report Mainz“ bestätigen Recherchen unserer Zeitung.In einem verdeckt gedrehten Verkaufsgespräch hatte ein Pflegedienst dem ARD-Magazin fünf Patienten für 250.000 Euro angeboten. Der Inhaber des Dienstes hatte betont, dass keiner der Patienten „im Sterben“ liege.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht von „verdecktem Menschenhandel“. Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte: „Es ist unerträglich und unmoralisch, wenn mit dem Leid und der Pflegebedürftigkeit von Menschen Geschäfte gemacht und Patienten wie eine Ware gehandelt werden.“ Merk kündigte an, zu prüfen, ob hier eine strafrechtliche Lücke bestehe. „Wenn das der Fall ist, müssen wir sie schließen.“

Hintergrund ist die wachsende Zahl von Intensivpatienten, die eine Rund-um-die-Uhr-Pflege brauchen. Die Krankenkassen vergüten pro Stunde etwa 30 Euro, entsprechend im Monat über 20.000 Euro. Ein Sprecher der AOK Bayern sagte: „Wir wissen, dass beatmungspflichtige Patienten sehr begehrt sind.“ Konkrete Fälle von verkauften Schwerkranken seien nicht bekannt. Allerdings bestätigte Jörg Brambring, Vorstandsmitglied der „Deutschen interdisziplinären Gesellschaft für außerklinische Beatmung“, dass der Handel mit Patienten in der Branche ein offenes Geheimnis sei. Als Inhaber eines der größten Heimbeatmungs-Dienstleister Bayerns (Sitz in Unterhaching) distanzierte er sich ausdrücklich von den Machenschaften der „schwarzen Schafe“.

Öffentlich gemacht hatte den Skandal der Ex-Geschäftsführer eines Pflegedienstes. Der Stuttgarter Meiko Spitzenberger bezeichnete die Strukturen als „mafiös“. Von zehn Pflegediensten, die einen Beatmungsservice anbieten, seien mindestens vier darin verwickelt.

cal

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolfoto

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