Eine an Demenz erkrankte Frau wird am 23.11.2011 von einer Pflegeschülerin über den Flur in einem Pflegeheim in München (Oberbayern) geführt. Der Pflegeheimbetreiber Curanum hofft angesichts neuer Einrichtungen und der absehbar wachsenden Zahl älterer Menschen auf Wachstum in den kommenden Jahren.
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In München und Augsburg: Über 100 Personen sollen in ein Komplott verstrickt sein, bei dem Pflegedienste wohl eine Millionensumme ergaunert haben. (Symboldbild)

Fiese Abzocke

Pflegeheime in Augsburg und München prellen Patienten um Millionen: Jetzt steht die Anklage

  • Andreas Thieme
    vonAndreas Thieme
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Es geht um millionenschweren Betrug bei Pflegediensten in München und Augsburg: In drei Verfahren wurde Anklage wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs erhoben.

München - Dutzende Pflegedienst-Mitarbeiter, Ärzte und Patienten seien in die Abzocke verwickelt gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit.

Fiese Abzocke im Pflegeheim: Ermittlungen gegen über 100 Beteiligte

Zunächst sind nun in den drei Verfahren 13 Personen angeklagt, doch es laufen noch Ermittlungen gegen rund 100 weitere Beteiligte. Die Anklagen wurden zum Landgericht München* I und Augsburg* erhoben.

Im Münchner Fall geht es um insgesamt vier Angeschuldigte, die im Verdacht stehen, für einen Pflegedienst nicht abrechnungsfähige und nicht erbrachte Pflegeleistungen abgerechnet zu haben. Laut Staatsanwaltschaft soll dies „im Zusammenwirken mit weiteren beteiligten Ärzten, Angestellten und Patienten im Zeitraum von Februar 2015 bis Oktober 2019“ geschehen sein.

München: Pflegeheim ergaunert wohl mindestens zwei Millionen Euro

„Die Angeschuldigten verursachten hierdurch insgesamt einen Schaden des Abrechnungsunternehmens in Höhe von mindestens zwei Millionen Euro“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. Alle vier Angeschuldigten säßen derzeit in Untersuchungshaft: der ehemalige Geschäftsführer und Gesellschafter, ein weiterer Gesellschafter, der ebenfalls für den Pflegedienst tätige Sohn dieses weiteren Gesellschafters und die für den Pflegedienst tätige Lebensgefährtin des Geschäftsführers. „Gegen weitere rund 50 Beschuldigte, insbesondere gegen eingeweihte und mitwirkende Ärzte und Patienten sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.“

Die Mehrzahl der Patienten erhielt wohl nicht abrechenbare oder nur einen Bruchteil der genehmigten und abgerechneten Leistungen. Das Ermittlungsverfahren umfasst 150 Bände Ermittlungsakten, die Anklage 237 Seiten. *Merkur.de und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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