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Abitur in acht oder neun Jahren - das ist die Frage.

Grundkonzept überzeugend

Philologen loben Spaenles G9-Entwurf

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46 Seiten lang ist der Antwortbrief, den Kultusminister Ludwig Spaenle an die G9-Kritiker der CSU-Fraktion geschickt hat. Der Philologenverband findet das darin enthaltene Grundkonzept für das neue G9 „überzeugend“.

München – Wenn es nach dem Philologenverband geht, ist jetzt alles klar: Erstmals habe Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) „überzeugend begründet, warum das G9 für die große Mehrheit der Schüler möglich und nötig ist“, sagt Heinz-Peter Meidinger. Er ist Vorsitzender des Deutschen Philologenverbands und Direktor eines Gymnasiums in Deggendorf. Die Zeilen Spaenles zur „Weiterentwicklung des bayerischen Gymnasiums“ (so der offizielle Titel) hat Meidinger am Wochenende nach einer Vorab-Veröffentlichung unserer Zeitung eingehend unter die Lupe genommen. Sein Fazit fällt positiv aus. Eine „argumentative Begründung“, warum man wie die bisher zaudernde CSU-Landtagsfraktion noch am G8 festhalten solle, liefere das Papier jedenfalls nicht. Im Gegenteil: Es enthalte die klare Aussage, dass das G8 „gescheitert“ ist, wie es der Verbandschef ausdrückt. Im Antwortbrief Spaenles heißt es etwas diplomatischer, die Weiterentwicklungs-Möglichkeiten des G8 seien „erschöpft“.

Eckpfeiler von Spaenles G9-Entwurf sind wie berichtet das Fünf-Fächer-Abitur, der Beginn der zweiten Fremdsprache wie gehabt ab der 6. Klasse, ein neues Pflichtfach Informatik „in allen Ausbildungsrichtungen“ sowie zusätzliche Stunden für Geschichte, Sozialkunde und allgemein Werte- und Demokratieerziehung – dies insbesondere in der neu zu gestaltenden 11. Klasse.

Details, die Zündstoff enthalten könnten

Daneben enthält das Papier viele Details, die in den kommenden Wochen noch für Zündstoff sorgen könnten. So zum Beispiel das Eingeständnis des Kultusministeriums, dass es keine rationale Begründung für das sogenannte Grundschulabitur, also den Übertritt nach der 4. Klasse, in Bayern gebe. Die Freigabe des Elternwillens jedenfalls habe in Baden-Württemberg nur „zu einem vergleichsweise geringfügigen Anstieg der Übertrittsquote ans Gymnasium (um gut zwei Prozentpunkte) geführt“, heißt es in dem Konzept. Deshalb erwarte man auch nicht, dass das G9 in Bayern anderen Schularten Schüler wegnehmen werde.

Auffällig zurückhaltend ist das Ministerium in den Passagen, in denen es um die „Verkürzungsoption“ geht – also die künftigen G8-Schüler. „Ich hätte gedacht, dass das Ministerium hier ein konkretes Ziel nennt“, sagt Meidinger. Nicht einmal zu einer vagen Schätzung, wie viele G8-Schüler es künftig geben werde, ließ sich das Ministerium hinreißen – eine im Vorfeld kursierende Zahl von 20 Prozent wurde damit nicht bestätigt. Nach Ansicht Meidingers ist das in dem Konzept skizzierte Verfahren zur Förderung der G8-Schüler gleichwohl überzeugend. Das Ministerium geht von einem dreijährigen Übergang aus: In der 8. Klasse sollen die „Verkürzer“ identifiziert und beraten werden. Im zweiten Jahr sollen sie nachmittags Begleitkurse (bis zu vier Stunden in den Kernfächern wöchentlich) belegen, ebenso im dritten Jahr, wo dann die Klassenkonferenz eine endgültige Entscheidung treffen wird.

Abgeordnete der CSU äußerten sich am Sonntag nicht zu Spaenles Entwurf. Bis Ostern soll eine Entscheidung vorliegen, ob die Fraktion auf den G9-Kurs des Ministers einschwenkt.

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