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Viele Schüler des G 8 sind im Lernstress. Für Zusatzaktivitäten bleibt kaum Zeit. Das könnte sich in einer Klasse „10+“ ändern.

Philologen wollen G 8-Zusatzjahr

München - Mit diesem Vorschlag dürfte die Diskussion über das G 8 wieder entbrennen: Im Bayerischen Philologenverband denkt man über ein zusätzliches „Brückenjahr“ für das G 8 nach. Intern firmiert der bereits präzise ausgearbeitete Vorschlag als Klasse „10+“.

Bundesweit gibt es immer wieder Versuche, das straff durchorganisierte achtjährige Gymnasium abzufedern. 2005 scheiterte in Bayern ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums. Zuletzt hat Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) durch eher kosmetische Maßnahmen versucht, etwas Druck aus der G 8-Oberstufe zu nehmen. Auch bundesweit mehren sich die Absetzbewegungen vom G 8 alter Prägung: In mehreren Bundesländern, zuletzt in Schleswig-Holstein, sollen die Gymnasien künftig optional als G 8 oder G 9 geführt werden. Zuletzt spielte die Eliteschule Schloss Salem in Baden-Württemberg mit der Idee, das G 9 optional, also freiwillig, anzubieten – das „Salemjahr“ wurde als Beitrag zur „Entschleunigung“ des Schulwesens gepriesen. Die Idee ist jedoch von der Schule zurückgezogen worden.

Jetzt unternimmt die Standesvertretung der Gymnasiallehrer einen neuen Anlauf zur G 8-Reform. Zwischen der 10. und 11. Klasse könnte demnach ein „Brückenjahr“ eingeschoben werden, um verschiedene Unterrichtselemente anbieten zu können, die sonst zu kurz kommen. Das Jahr müsse freiwillig sein, für Schüler, die das wollen. Der Philologenverband versteht dies als Beitrag, eine Art Bilanz zum G 8 zu ziehen und die Schulart weiterzuentwickeln, wie Verbandschef Max Schmidt auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Keinesfalls fordere er eine Rückkehr zum G 9.

Auf mehrere Probleme des G 8 könnte das „Brückenjahr“ eine Antwort bieten. So ist die Zahl der G 8-Schüler, die Austauschschulen im Ausland besuchen, stark gesunken. In einem Zusatzjahr wäre wohl Zeit dafür. Außerdem gibt es eine steigende Anzahl von Realschülern, die nach der 10. Klasse mit guter Mittlerer Reife auf ein Gymnasium wechseln könnten. Außerdem bietet sich eine Klasse „10+“ für alle diejenigen Schüler an, die Lernrückstände in den Kernfächern aufweisen – sie könnten in der „10+“ spezielle Förderkurse besuchen.

Nach Informationen unserer Zeitung ist der Vorschlag von einem kleinen Team innerhalb des Verbands ausgearbeitet worden. Es gibt einen Vorstandsbeschluss, im April soll das Konzept ausführlich auf einer Delegiertenversammlung beraten werden.

Die Idee ist aus Sicht der Philologen auch deswegen charmant, weil nach dem doppelten Abiturjahrgang 2011 die Gymnasien einen kompletten Jahrgang weniger Schüler haben. Schulexperten fürchten, der Finanzminister könne angesichts klammer Kassen die sogenannte „demographische Rendite“ komplett einziehen und entsprechend viele Lehrerstunden streichen. In einem Zusatzjahr „10+“ könnte demgegenüber ein Teil der von der Streichung bedrohten Lehrerstunden verwendet werden.

Mit dem Kultusministerium ist der Vorschlag offenbar noch nicht abgestimmt. Kultusminister Ludwig Spaenle hatte im Januar – anders als die FDP – das geplante „Salemjahr“ strikt abgelehnt. Er befürchtete damals neue Unruhe im G 8.

Dirk Walter

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