Bankbetrug nimmt zu: TAN nicht mehr sicher

München - Online-Banking ist bequem – aber ist es auch sicher? Das Bayerische LKA warnt vor „Pishing“, also dem Ausspähen von Bankzugangsdaten.

Es gleicht dem Wettlauf zwischen Hase und Igel: Zwischen den Kreditinstituten und den Internet-Kriminellen ist ein regelrechtes Rennen entbrannt, die Betrüger stets eine Nasenlänge voraus. Schon mehrmals sind die Sicherheitsstandards beim Online-Banking nachgebessert worden, jetzt warnt die Polizei erneut. Das derzeit übliche sogenannte iTAN-Verfahren gilt bei Experten nicht mehr als sicher. Nachdem die Pishing-Fälle in Bayern von 878 im Jahr 2007 auf 287 Fälle im Jahr 2008 stark zurückgegangen waren, gibt es in diesem Jahr einen enormen Anstieg. In den ersten fünf Monaten wurden schon 229 Betrugsfälle bekannt, wobei allein im Mai 72 Fälle angezeigt wurden. In einem Fall wollte ein 59-Jähriger aus Unterfranken online 150 Euro überweisen. Auf den Onlinebanking-Belegen war der Betrag auch verbucht, tatsächlich aber hatte ein Unbekannter seine Daten herausgefunden und 4800 Euro auf ein anderes Konto überführt. Das Geld ist weg.

Begonnen hatten die Banken mit einer schlichten TAN – das Kürzel steht für Transaktionsnummer. Bei jedem Buchungsvorgang musste der Bankkunde eine andere TAN aus einer ihm zuvor übersandten Liste verwenden. Doch durch den Einsatz von Schadsoftware landeten die vertraulichen Daten bei Internet-Kriminellen.

Bei dem danach eingeführten iTAN-Verfahren wird der Kunde von der Bank aufgefordert, eine durch eine bestimmte Positionsnummer gekennzeichnete TAN anzugeben. „Dieses Verfahren hat kurzfristig die Sicherheit erhöht“, erklärt das LKA, sei aber jetzt nicht mehr als absolut sicher zu bezeichnen. Schon seit 2008 gebe es „erfolgreiche Angriffe auf diese Art der Authentifizierung“. Das LKA rät zu der Neuerung mTAN. Dass hier TAN per SMS an das Handy übertragen werden, erhöhe die Sicherheit. Der „Medienbruch“ sei derzeit nicht zu knacken.

Alternativ dürften Banken demnächst auf ChipTAN umschalten. Das Verfahren ist unter anderem bei der Kreissparkasse München-Starnberg im Gespräch, wo rund 50 000 und damit über ein Drittel der Privatkunden Online-Banking praktizieren. Wie viele Kreditinstitute arbeiten die Sparkassen derzeit noch mit iTAN. „Wir sind aber mit Hochdruck dabei, zeitnah ein neues Sicherungsverfahren einzuführen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter Jürgen Ifland. mTAN sei komplizierter als das optische ChipTAN. Allerdings muss der Kunde dafür ein Zusatz-Gerät etwa in Handy-Größe an seinem Computer installieren. Wer das bezahlt, ist bei der Kreissparkasse momentan eine der offenen Fragen – ebenso, wie lange es wohl dauert, bis die Internet-Betrüger auch dieses Verfahren überwinden können.

von Dirk Walter

Neue Methoden: mTAN und ChipTAN

Derzeit werden neue Verfahren beim Online-Banking diskutiert: mTAN (mobile Transaktionsnummer): Dem Online-Kunden wird nach Übersendung der Überweisung im Internet von der Bank per SMS eine einmalige TAN auf sein Mobiltelefon übersandt. ChipTAN mittels eines kleinen Geräts mit Zifferntastatur („Generator“), in welches man seine EC-Karte steckt und die Bankdaten eintippt. Der Generator wird dann an eine Bildschirm-Grafik gehalten, worauf der Kunde eine TAN erhält.

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