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Phönix, das Wanderfalkenweibchen: Nach der Explosion der Bayernoil-Raffinerie hat sie 19 Tage überlebt. Das Netz drückte kräftig die Daumen. 

Tier stirbt in Rettungsstation nach 19 Tagen

Phönix, die Kämpferin: Wanderfalke überstand Explosion und wurde zum Internet-Star

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Ein Wanderfalke überlebte am 1. September die Explosion der Bayernoil-Raffinerie nahe Ingolstadt. Der Vogel wurde verletzt gerettet und bekam den Namen Phönix. Im Internet bangten Tierfreunde um das Leben von Phönix.

Vohburg/Regenstauf – Am 1. September explodiert um 5.15 Uhr die Bayernoil-Raffinerie zwischen Vohburg und Ingolstadt im Kreis Pfaffenhofen. Ein riesiger Feuerball legt das Gelände in Schutt und Asche. Zehn Menschen werden verletzt. Etwa 2000 müssen in Sicherheit gebracht werden. Drei Tage später löschen Feuerwehrmänner noch immer kleine Brände.

Sie durchforsten das Gelände. In den verkohlten Überresten finden sie einen Wanderfalken: abgemagert, verstört und ängstlich. Er hüpft über das Gelände und quiekt vor Schmerzen. Die grauweißen Schwungfedern sind fast alle bis zum Federkiel verbrannt. Am Fuß und im Gesicht neben dem graugelben Schnabel hat der Vogel Brandblasen. Die Retter fangen das Tier und fahren es in einem Pappkarton nach Regenstauf zu einer Vogelauffangstation des Landesbund für Vogelschutz (LBV). Der Überlebenskampf geht 19 Tage – leider vergeblich.

Vermutlich hat der Vogel auf dem Gelände gebrütet

Ferdinand Baer, der Leiter der Vogelstation, versorgt gemeinsam mit seinen Kollegen das Tier, gibt ihm etwas gegen die Schmerzen und behandelt die Brandwunden. Es sei ein vollkommen außergewöhnlicher Patient, sagt Baer. Doch die erste Diagnose ist ernüchternd. Die Verletzungen seien massiv, attestieren die Vogelschützer. Thomas Aumer, ein Sprecher des LBV sagt: „Wir leiden sehr mit, wenn wir einen Vogel so verletzt sehen.“ Der stellvertretende Kreisgruppenvorstand Regensburg vermutet, dass der Wanderfalke auf dem Gelände der Raffinerie gebrütet hat.

Nach der Explosion sei er „höchst traumatisiert gewesen“ und habe nicht mehr fliegen können, sagt Aumer. Aber er überlebte den Feuerball. Deshalb taufen die Vogelschützer ihn: Phönix – so wie der mythische Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt und aus der Asche wieder neu wächst.

Doch Phönix wächst nicht. Das Weibchen frisst nur unter Zwang. Die Verletzungen an den Federn seien derart schlimm, dass sie eineinhalb Jahre brauchen würde, um wieder fliegen zu können, schätzt Aumer. Wenn alles gut gehe.

Phönix-Bilder bei Facebook tausendfach geteilt

Denn bei dem Großbrand auf dem Raffinerie-Gelände sind Öl und andere chemische Stoffe verbrannt. „Der Falke hat giftigen Rauch eingeatmet“, vermutet Aumer nach weiteren Untersuchungen des Tieres. Im Internet wird Phönix zum Held. Tausende User klicken auf den Beitrag des LBV und drücken die Daumen. Knapp 18 000 Mal seien die Bilder bei Facebook bis heute angeschaut worden, berichtet Aumer. „Es zeigt, dass die Menschen berührt sind und Vogelschutz nicht unbedeutend ist“, sagt er.

Phönix kämpft, beginnt selbst zu fressen, nimmt 90 Gramm Körpergewicht zu und hopst in ihrem Gehege herum. 740 Gramm wiegt das Weibchen Mitte September. „Immer noch zu wenig“, sagt Aumer. Auf mindestens 800 Gramm müssten die Vogelschützer das Tier aufpäppeln. Doch der Zustand von Phönix wird plötzlich schlechter. Sie würgt die Nahrung aus, wird schwach. „Wir haben vermutet, dass Phönix zu viele giftige Stoffe eingeatmet hat.“ Eine Obduktion soll das bestätigen. Magen und Verdauungstrakt seien verätzt gewesen.

Am 20. September um 19.43 Uhr klingelt Aumers Handy. Ferdinand Baer ist dran. Er sagt: „Phönix ist tot.“ Leblos habe er sie im Gehege gefunden. Phönix, die Kämpferin, 19 Tage lang. Aumer sagt: „Natürlich macht uns das traurig.“ Gott sei Dank seien keine Menschen bei der Explosion ums Leben gekommen, sagt er. Mit Phönix gebe es aber mindestens ein tierisches Opfer.

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