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Seit November 2017 verlangt die Asfinag ein Pickerl, wenn bayerische Feuerwehren auf der Rückfahrt vom österreichischen Einsatzort sind

“Eine lächerliche Regelung“

Pickerl-Posse: Österreicher zocken bayerische Retter ab

Eigentlich herrscht ein gutes Verhältnis zwischen österreichischen und bayerischen Einsatzkräften. Dieses könnte jedoch durch die Mautpflicht ins Wanken geraten.

Eine neue Regelung stößt den bayerischen Feuerwehren im Grenzgebiet zu Österreich sauer auf: Zwar dürfen die Floriansjünger im Rahmen der Nachbarschaftshilfe die Ösi-Autobahnen ohne Pickerl nutzen – wenn sie mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind. Doch auf der Rückfahrt vom Einsatz sollen die grenznahen Feuerwehren eine Vignette kaufen. So will es die zuständige Autobahn- und Schnellstraßen-Finanzierungsaktiengesellschaft Asfinag. 

Diese Mautpflicht für Einsatzfahrzeuge auf der Rückfahrt verärgert nun viele Feuerwehren. Die Nachbarschaftshilfe hatte in den vergangenen Jahren immer einwandfrei funktioniert. Dieses gute Verhältnis ist nun aber in Gefahr. 

Empört ist Kreisbrandrat Richard Schrank vom Kreisfeuerwehrverband Rosenheim: „Eine lächerliche Regelung, die die Grenzen des Anstandes verletzt“, sagt er fassungslos. Die Feuerwehren im Grenzgebiet der Region hätten nämlich ein „Superverhältnis“. 

Kopfzerbrechen über neue Mautregelung

Für Schrank steht außer Frage, dass die Österreicher einlenken müssen, wollen sie die guten nachbarschaftlichen Beziehungen nicht unnötig belasten. Allein im Landkreis Rosenheim seien von der Neuregelung etwa 20 Einsatzfahrzeuge der Wehren Kiefersfelden, Mühlbach, Oberaudorf, Aschau und Sachrang betroffen, rechnet der Kreisbrandrat vor. Bisher habe man die Fahrzeuge nicht mit einer Vignette ausgestattet und wolle dies auch künftig nicht tun, sagt Schrank. 

Kreisbrandrat Josef Kaltner (Berchtesgadener Land) hofft, dass die Regelung abgeschafft wird.

Auch sein Kollege Josef Kaltner, Kreisbrandrat des Kreisfeuerwehrverbands Berchtesgadener Land, ist sauer. „Ich verstehe nicht, wieso diese Entscheidung getroffen wurde“, sagt er. Bislang sei ja alles klar geregelt: Feuerwehrfahrzeuge aus dem bayerischen Grenzgebiet waren von der Maut befreit und konnten im Notfall, aber auch zu zahlreichen Übungen mit den österreichischen Kollegen, ohne Probleme die mautpflichtigen Autobahnen nutzen. „Grenzübergreifende Einsätze finden zwar nicht allzu häufig statt“, sagt Kaltner, „aber es gibt sie“. 

Deutlich häufiger seien die länderübergreifenden Übungen, vor allem mit der Jugendfeuerwehr, sagt Kaltner. Zudem gebe es regelmäßig Überführungsfahrten von Einsatzwagen, etwa wegen Reparaturen, die in Linz stattfänden. „Dann fahren wir schon mal über eine österreichische Autobahn.“ Bislang war das auch alles kein Problem. Allerdings gilt seit November 2017 jene neue Mautregelung, die Kaltner jetzt Kopfzerbrechen bereitet.

Rund 50 Autos im Rettungsdienst betroffen

Von der neuen Regelung ist auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) des Kreisverbandes Berchtesgadener Land betroffen. Wie dieses auf seiner Homepage schreibt, habe die Asfinag „zuvor bei Kontrollen ein Auge zugedrückt“, seitdem jedoch automatische, elektronische Kontrollgeräte eingesetzt werden, seien auch ihre Helfer nicht mehr vor einer Strafe befreit. Und dabei ist eines ihrer Fahrzeuge sogar fest in die Alarmpläne des Österreichischen Roten Kreuzes integriert, regelmäßig seien verschiedene Einsatzfahrzeuge aus dem Berchtesgadener Land im Bundesland Salzburg unterwegs. „Die Einheiten arbeiten seit vielen Jahren Hand in Hand zusammen“, berichtet das BRK. Alle Fahrzeuge jedoch mit einer Vignette auszustatten wäre eine extremer Kostenaufwand - rund 50 Autos im Rettungsdienst wären dies an der Zahl.  

Welches Angebot eine Frau einem Mann an einem Rastplatz machte, um eine Vignette gratis zu bekommen, lesen Sie hier. 

Inzwischen hat das bayerische Innenministerium von der Pickerl-Posse erfahren. Vertreter der Asfinag werden sich in den nächsten Tagen mit dem bayerischen Innenministerium zusammensetzen und nach einer Lösung suchen. Damit Bayerns Feuerwehren und Rettungsdienste weiter im Notfall Hilfe leisten können - ohne abkassiert zu werden.

Im vergangenen Jahr hatte es bereits einen anderen Streit um die deutsche Pkw-Maut gegeben, gegen die Österreich eine Klage eingelegt hatte.

Video: Letzte Chance für die Vignette - Es wird wieder kontrolliert!

Kilian Pfeiffer und Tamara Scheid

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