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Sie-freie Zone: Das Haus des Gastes in Oberstaufen mit den Mitarbeiterinnen Nicole Blechinger (l.), Andrea Presser.

Pilotversuch: Duz-Alarm in Oberstaufen

15 000 Oberstaufener Gäste haben entschieden: Duzen ist besser als Siezen. Gerade mal zehn Touristen haben in einem Pilotversuch auf ihr „Sie“ bestanden. Denn: Bayern, das ist „Du“, haben sie gesagt.

„Du, Sepp, magst Vollpension im Wellness-Hotel oder doch nur einen Stellplatz auf dem Campingplatz?“ So läuft das in der Schrothkurmetropole Oberstaufen. Man duzt, was das Zeug hält, vor allem aber die Touristen.

Denn: Oberstaufen ist seit neuestem die inoffizielle Duz-Hauptstadt vom Oberallgäu. In einem Pilotversuch hat der Ferienort seine Gäste gefragt, ob sie lieber mit „Du“ oder „Sie“ angesprochen werden wollen. Im Tourismusbüro haben sie extra einen reinen „Du“-Schalter eingerichtet. 15 000 Touristen haben in den letzten drei Monaten ihre Meinung abgeben. Das Ergebnis: Gerade mal zehn Gästen bestanden darauf, gesiezt zu werden, berichtet Tourismus-Chefin Bianca Keybach.

Dennoch wollen die schlauen Allgäuer auch jene zahlungskräftigen Touristen nicht verlieren, die weiterhin auf einem gepflegten „Sie“ bestehen. „Wir konzipieren gerade, wie wir es langfristig machen“, sagt Keybach. Von der Überlegenheit des Duzens gerade im Gastgewerbe ist sie dennoch überzeugt. Die Hotels und Restaurants, die schon lange vor der hochoffiziellen Duz-Offensive sorglos drauflos geduzt hätten, seien die erfolgreichsten im Ort. „Das könnte aber auch an dem guten Essen liegen, das es dort gibt“, so die Tourismus-Chefin. War erst das „Du“ und dann der Erfolg? Oder erst der Erfolg und dann das „Du“? Es wird eine ewige Streitfrage in dem 7000-Seelen-Ort bleiben. Klar ist für Keybach aber auch: Das „Du“ gehöre „zum süddeutschen Raum, zu Bayern, zum Urlaub“. So haben es ihr die Touristen voller Begeisterung erzählt.

Dem nächsten Urlaubsantrag steht damit kaum mehr was im Weg. „Chef, Du nervst! Ich geh’ jetzt nach Oberstaufen.“

Stefan Sessler

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