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In der Schwammerlzeit strömen vor allem Hobby-Pilzsucher in die Wälder. Dabei verhalten sich längst nicht alle so, wie es angemessen wäre.

Pilz-Saison 

Wenn der Schwammerl-Sammler zum Störenfried wird

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München – Schwammerlsuchen ist ja inzwischen Volkssport. Das ist, als Ausdruck eines wachsenden Interesses an der Natur, erfreulich – andererseits aber nicht immer gut für den Wald. Denn allzu häufig benehmen sich Hobby-Sammler daneben.

Gestern hat’s geregnet, wie schön. Gut, der Satz ist erklärungsbedürftig, also noch mal: Wie schön für Thomas Schreder und all die anderen Schwammerlsucher Bayerns. Im feuchtwarmen Klima gedeihen Pilze nämlich besonders gut. Darum wird es in den kommenden Tagen viele in die Wälder ziehen; das wachsende Interesse an der Natur ist natürlich erfreulich – aber es hat auch eine weniger schöne Kehrseite.

Schreder geht in seiner Freizeit auf Pilzsucher. Hauptberuflich arbeitet er beim Bayerischen Jagdverband (BJV) und macht auf den Kontrollgängen durch sein Revier immer wieder die gleiche Erfahrung: Neben einigen Profis sind vor allem Amateur-Schwammerlsucher unterwegs, die – mit Korb und einem dicken Fachbuch bewaffnet – durch das Gehölz stapfen. „Oft denken sie nicht daran, dass sie sich quasi im Wohnzimmer des Wildes aufhalten“, sagt Schreder. „Da ist irgendwann mal ein Grenzpunkt erreicht.“

Die Leute verhalten sich also nicht so, wie es angemessen wäre. Das fängt beim Lautstärkepegel an. Als besonders ärgerlich empfindet Schreder es aber, wenn die Menschen ihre Hunde mit in den Wald bringen und herumlaufen lassen. „Die meisten haben ihre Tiere nicht im Griff“, sagt der Jäger. „Das beunruhigt das Wild und ist kein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur.“

Das Schwammerl-Thema behandelt auch ein Brief, der unsere Redaktion erreicht hat. Der Autor ist Förster im südlichen Kreis München. Auch ihm fallen jedes Jahr die nicht angeleinten Hunde und die zugeparkten Forstwege auf. Seine Beobachtungen gehen über die Erfahrungen Schreders aber noch hinaus.

Immer in der Pilz-Saison, so heißt es in dem Brief, zögen die Leute mit Sack und Pack in den Wald und hinterließen nicht selten ein kleines Chaos. Pilze würden niedergetreten, „weil man sie niemand anderem gönnt“. Wurstverpackungen aus Plastik, Semmeltüten und anderer Müll bleibe liegen. „Höhepunkt war mal eine Babyflasche mit daneben liegender, frisch befüllter Windel samt Feuchttüchern.“

Der Wald als Müllhalde, das ärgert auch Menschen wie Josef Christan. Der Münchner ist Vizepräsident der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft (BMG), quasi der Profi-Abteilung der Schwammerl-Gemeinschaft. Der Umgang mit der Natur sei oft nachlässig, sagt er, auch wenn er das für ein generelles Problem unter verschiedensten Gruppen von Wald-Besuchern hält.

Anders bewertet Christan die Sache mit der Ausbeute. In der Münchner Pilzberatungsstelle kommt es ihm immer wieder unter, dass Hobby-Sammler „mit vollen Körben zu uns kommen und sich dann von uns die genießbaren Schwammerl raussortieren lassen“. Alles andere muss weggeschmissen werden. Das schadet den Pilzkulturen im Wald – und ist darüber hinaus völlig unnötig. „Es gibt die ungeschriebene Regel, nichts im Wald überflüssigerweise zu zerstören.“ In der Beratungsstelle haben sie sich inzwischen darauf geeinigt, solch übervolle Körbe kein zweites Mal anzuschauen.

Jäger Thomas Schreder hat es sich zur Angewohnheit gemacht, die Leute direkt im Wald anzusprechen. Die Hälfte, sagt er, reagiere dann freundlich, die andere Hälfte nicht. Der Förster aus dem Süden Münchens musste sich in solchen Situationen sogar schon beschimpfen lassen: „Blöder Jäger“ oder „dummer Bauer vom Land“. Einzelfälle, natürlich, aber unnötige. Dabei ist die Sache doch ganz einfach, sagt Schreder: „Die Leute müssen begreifen, dass sie nicht auf dem Viktualienmarkt sind, sondern im Lebensraum anderer Lebewesen.“

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