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Gewusst wie – ein Schüler bei kniffligen Mathe-Aufgaben.

Pisa-Test künftig ohne bayerische Resultate

München - Bayern international ganz vorne beim Pisa-Test – diese Schlagzeile wird es nicht mehr geben. Nicht weil Bayerns Schulen so schlecht wären.

Sondern weil die Pisa-Studien keine Ergebnisse der Bundesländer mehr enthalten – stattdessen lediglich einen bundesdeutschen Durchschnittswert.

Der Pisa-Test 2012 steht bevor: An rund 40 Schulen in Bayern werden 15-jährige Schüler zwischen 23. April und 21. Mai getestet – 25 Schüler pro Schule, einige auch nachmittags. Bundesweit sind es 247 Schulen mit 12 500 Schülern, die teilnehmen und schwerpunktmäßig im Fach Mathematik geprüft werden. Die Ergebnisse sind Ende 2013 zu erwarten. Wenig bekannt ist allerdings, dass es nur ein deutschlandweites Ergebnis geben wird, wie Sylvia Schill von der Kultusministerkonferenz (KMK) bestätigt.

Bei früheren Pisa-Studien gab es eine Ergänzungsstudie, Pisa-E genannt. Auf deren Grundlage konnten bayerische Ergebnisse in die Pisa-Rangliste eingeordnet werden. Letztmals geschah dies 2008, als Bayern beim Pisa-Test mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaft hinter Finnland, Sachsen und Kanada auf Platz vier kam – ein international beachteter Erfolg.

Schon beim Pisa-Test 2009, der Ende 2010 veröffentlicht wurde, war dies nicht mehr der Fall. Der Test erregte damals vor allem deswegen Aufsehen, weil asiastische Tiger-Staaten wie Shanghai, Hongkong und Singapur eine Klasse für sich bildeten und ganz vorne rangierten. Auch Deutschland konnte sich verbessern, kam ins obere Mittelfeld. Eine Bundesländer-Auswertung folgte erstmals nicht.

Warum nicht? Ohne damals großes Aufsehen zu erregen, hat die Kultusministerkonferenz schon 2006 die Weichen für die Bildungsstudien neu gestellt. Statt Pisa-E gibt es jetzt eigene sogenannte Ländervergleiche, die vom Institut für Qualität im Bildungswesen (IQB) entwickelt werden. Das IQB wurde auf Anregung der Kultusminister gegründet. Der Ländervergleich kommt demnächst fast gleichzeitig mit Pisa: 58 neunte Klassen in Bayern werden zwischen dem 5. Mai und 15. Juni in Mathematik, Biologie, Chemie und Physik getestet. Bundesweit nehmen über 1300 Schulen und circa 50 000 Schüler teil. Die Resultate werden 2013 fast gleichzeitig mit den Pisa-Ranglisten erwartet.

Doch in Pisa einordnen lassen sich die Ländervergleichen nicht, erklärt das bayerische Kultusministerium. „Das ist wissenschaftlich nicht übertragbar.“ Ein Grund dafür liege in der unterschiedlichen Methodik der Tests, ein zweiter in der nur bedingt vergleichbaren Untersuchungsgruppe. An Pisa dürfen nur 15-Jährige teilnehmen, am Ländervergleich nur Neuntklässler – ganz gleich, ob sie nun 14 oder 16 Jahre alt sind. Auch das IQB bestätigte unserer Zeitung gestern, „dass sich die Ergebnisse der Ländervergleiche leider nicht in das Pisa-Ranking eingliedern lassen“.

Wozu dann noch der Pisa-Test? Forscher wie der „Pisa-papst“ Manfred Prenzel von der TU München halten ihn weiter für unabdingbar. Und für die KMK erklärt die Sprecherin Sylvia Schill: „Internationale Verfahren dienen der notwendigen Einordnung des deutschen Bildungssystems in den internationalen Zusammenhang.“

Wohlgemerkt: des deutschen Bildungssystems, das indes eine regelrechte Kluft zwischen Nord und Süd aufweist. Dabei blieben die Stadtstaaten Hamburg und Bremen zuletzt trotz Fortschritte im Detail in allen Bildungsvergleichen weit unter dem Durchschnitt. Für Heinz-Peter Meidinger, Chef des Deutschen Philologenverbands, ist das auch ein Grund dafür, dass sich die Bundesländer aus dem Pisa-Test ausgeklinkt haben. „Manche Länder waren es wohl leid, dass sie auf eine Stufe mit Mexico gestellt wurden.“ Wissenschaftlich betrachtet hält Meidinger, der ein Gymnasium in Deggendorf leitet, den Wegfall von Pisa-E freilich für hinnehmbar. „Die Einordnung einzelner Bundesländer in eine internationale Rangliste war immer umstritten.“

Dirk Walter

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