Pius-Brüder in Zaitzhofen

Piusbrüder bleiben auf Konfrontationskurs

Zaitzkofen - Die umstrittene Piusbruderschaft lässt sich vom Konfrontationskurs gegenüber der katholischen Amtskirche nicht abbringen.

Nachdem die ultrakonservative Bruderschaft vor drei Wochen bereits in Fulda gegen den ausdrücklichen Willen des Ortsbischofs eine Kapelle geweiht hat, sind nun an diesem Samstag in Zaitzkofen sogar drei Priesterweihen geplant.

Obwohl der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, die Weihen als “Affront gegen die Einheit der Kirche“ sieht und mittlerweile sogar der Vatikan das Vorgehen der Bruderschaft als nicht legitim nach dem Kirchenrecht bezeichnete, geben die Piusbrüder nicht nach. Die Traditionalisten, denen die Linie Roms viel zu modern ist, setzen die Vorbereitungen unbeeindruckt fort, zu dem Gottesdienst werden mehr als 1000 Gläubige erwartet.

Für die Weihen will die Bruderschaft, wie schon in der Vergangenheit, eigenes ein Zelt im Garten des Priesterseminars aufbauen. Der Generalobere der Bruderschaft, Bernard Fellay, weist unterdessen alle Vorwürfe, es handele sich um eine Provokation, zurück. “Für uns ist es eine Lebensfrage wie das Atmen, wir brauchen diese Priester“, sagte er vor wenigen Tagen der österreichischen Zeitung “Die Presse“. Er verwies auf eine lange Tradition: “Diese Weihen geschehen jährlich, seit 30 Jahren in derselben Form.“

Tatsächlich gibt es schon seit Jahrzehnten in Zaitzkofen, einem Teil der Gemeinde Schierling im Landkreis Regensburg, Weihen der Priesterbruderschaft Pius X. Doch die meiste Zeit hat davon kaum jemand Notiz genommen. Das deutsche Priesterseminar der Bruderschaft arbeitete 31 Jahre überwiegend im Verborgenen. Seit 1981 sind dort nach Angaben der Piusbruderschaft 105 Männer zu Priestern geweiht worden.

Für Schlagzeilen sorgte dies allenfalls noch in den 1980er Jahren, als der Gründer der Bruderschaft, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, im Streit mit dem Papst noch selbst die Priester in Zaitzkofen weihte. Spätestens seit dem Tod Lefebvres 1991 war es still um die Piusbrüder in der Oberpfalz geworden. Erst Anfang dieses Jahres rückte das Priesterseminar wieder in den Mittelpunkt, als der Vatikan die Exkommunikation des britischen Pius-Bischofs Richard Williamson und drei anderer Bischöfe der Bruderschaft rückgängig machte. Zeitgleich wurde bekannt, dass Williamson im Herbst 2008 in Zaitzkofen ein Fernsehinterview gegeben hatte, in dem er die Ermordung von sechs Millionen Juden in den Nazi-Gaskammern bestritt und die Gräueltaten in den Konzentrationslagern stark relativierte. Die Aussagen des Holocaust-Leugners sorgten weltweit für Empörung, nach wie vor ermittelt auch die Staatsanwaltschaft gegen Williamson.

Ähnlich wie schon der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen im Fall der Kapellenweihe kann nun wohl auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller nichts gegen die aus seiner Sicht verbotenen Weihen unternehmen. Während Müller am Samstag im Regensburger Dom neun Neupriestern die Hand auflegen wird, wird das Ritual 27 Kilometer weiter südlich in Zaitzkofen wohl wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dort werden die Piusbrüder zeitgleich einen 30-jährigen Schweden, einen 26 Jahre alten Polen und einen Schweizer gleichen Alters zu Priestern weihen.

Trotz des innerkirchlichen Konflikts sagen die Piusbrüder, dass sie nur der katholischen Kirche dienen wollten. “Wir spenden diese Priesterweihe, weil wir damit unsere Einheit mit der Kirche Roms zum Ausdruck bringen wollen“, heißt es in einer auf der Internetseite der Bruderschaft veröffentlichten Erklärung des Seminarleiters Stefan Frey. Für den Streit seien ohnehin die deutschen Bischöfe verantwortlich, betonte Fellay in dem Zeitungsinterview. “Das Problem liegt nur in Deutschland.“ Der Vatikan habe sogar Verständnis für diese Weihen. Den Bischöfen in der Bundesrepublik unterstellt der Nachfolger von Lefebvre sogar “bösen Willen“. “Wir können tun, was wir wollen, wir sind sowieso das schwarze Schaf“, sagte Fellay dem Blatt.

dpa

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