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Die Angeklagten Werner M. und Gabriele F.-M sitzen im Landgericht Augsburg auf der Anklagebank - sie sollen Ursula Herrmann entführt, missbraucht und getötet haben.

Herrmann-Prozess: Staatsanwältin fordert lebenslang

Augsburg - Im spektakulären Indizienprozess um die Entführung und den Tod der kleinen Ursula Herrmann hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten gefordert.

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Für die mitangeklagte Ehefrau lautete das Plädoyer auf Freispruch. "Es besteht kein Zweifel daran, dass der Angeklagte der Täter des Verbrechens war", sagte Staatsanwältin Brigitta Baur am Donnerstag vor dem Landgericht Augsburg. Die Verteidigung forderte dagegen Freispruch für den 59-Jährigen. Das Urteil soll am 25. März verkündet werden.

Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

"Das Leid, das der Angeklagte der Zehnjährigen angetan hat, ist um ein Vielfaches grausamer als bei Vergleichsfällen, sagte die Staatsanwältin. Mir ist kein anderes Verbrechen bekannt, das so grausam war." Seine vier Jahre ältere Frau habe zwar von der Tat gewusst, eine direkte Tatbeteiligung sei ihr aber nicht nachzuweisen. Auf die Täterschaft des 59-Jährigen deute ein Vielzahl von Indizien hin, die in der Gesamtschau unzweifelhaft für die Schuld des Angeklagten sprächen, argumentierte die Staatsanwaltschaft.

Kriminalfall hat Öffentlichkeit bewegt wie kein anderer 

Die Verteidigung zweifelte die Beweiskraft der vorgebrachten Indizien an. Sie würden für eine Verurteilung nicht ausreichen. Die Tat selbst nannte Verteidiger Walter Rubach ein "widerwärtiges und verachtenswerte Verbrechen". Dadurch sei hoher Druck entstanden, unbedingt einen Schuldigen zu finden. Er verwahrte sich gegen eine Vorverurteilung des Angeklagten, der auch wegen seines schwierigen Persönlichkeitsbildes unter Generalverdacht geraten sei. Er wies darauf hin, dass es keine Fingerabdrücke oder DNA-Spuren gebe. Vor Gericht steht das Ehepaar seit Februar 2009 wegen erpresserischen Menschenraubs mit Todesfolge. Der Hauptangeklagte soll die zehnjährige Ursula am 15. September 1981 bei Utting am Ammersee von ihrem Kinderfahrrad gerissen und in eine im Wald vergrabene, sargähnliche Kiste gesperrt haben. Ursula erstickte "lebendig begraben", sagte die Staatsanwältin. Dieses Vorgehen zeige die besondere Kaltblütigkeit und Skrupellosigkeit des Angeklagten. Ursula war erst 19 Tage nach der Tat bei einer Suchaktion der polizei tot aufgefunden worden.

Motiv für das "grauenhafte Verbrechen" waren nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft die erdrückenden Schulden des Angeklagten. Trotz einer "desaströsen finanziellen Situation" habe der Mann seine anspruchsvollen Bedürfnisse weiter befriedigen wollen. "Der Traum vom großen Geld bestimmte sein Leben", sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Zeugenaussagen hätten ergeben, dass der Angeklagte schon vor der Entführung einen Überfall auf Geldboten in Erwägung gezogen habe, um "schnell eine Million zu machen", erläuterte sie.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft verfügte der Angeklagte über die persönlichen, räumlichen und technischen Voraussetzungen für die Tat. Hauptbeweis sei neben anderen zwingenden Indizien das beim Angeklagten beschlagnahmte Tonbandgerät. Damit seien laut Gutachten die Erpresseranrufe gemacht worden. Baur sprach von einer "frappierenden Übereinstimmung" der akustischen Signale auf den mitgeschnittenen Erpresseranrufen und den dazu passenden technischen Eigenschaften des Geräts. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es noch so ein Gerät gibt", sagte Baur. "Das Tonbandgerät war das Tatwerkzeug." Fazit der Anklägerin: "Der Angeklagte hat den Tod von Ursula Herrmann zu verantworten."

dpa

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