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Ein Mordfall beschäftigt Autoren und Filmer: Szene aus „Hinter Kaifeck“.

Plagiats-Prozess: Gerichtskrimi um "Tannöd"

Der Journalist Peter Leuschner sagt, die Autorin Andrea Maria Schenkel habe für ihren Bestseller „Tannöd“ bei ihm abgeschrieben – und verklagt sie. In erster Instanz verlor er. Aber er kämpft weiter.

Der Mordfall Hinterkaifeck, wo 1922 sechs Menschen auf einem Einödhof umgebracht wurden, hat den Journalisten Peter Leuschner nie losgelassen. Zwei Bücher hat er darüber verfasst (1978 und 1997). Einen Bestseller landete 2006 aber erst die Autorin Andrea Maria Schenkel mit „Tannöd“. Leuschner sagt, sie habe abgeschrieben. Darum verklagte er sie auf eine halbe Million Euro Schadensersatz – und verlor.

Aber jetzt kämpft er in zweiter Instanz weiter. Und hofft, dass er doch noch vom Erfolg profitiert. Doch das ist ungewiss. Der Vorsitzende Richter am Oberlandesgericht, Konrad Retzer, wollte noch keine Tendenz abgeben. Dem Urteil des Landgerichts München I – wo Leuschner voriges Jahr verloren hatte – sei „die Fehlerhaftigkeit nicht auf die Stirn geschrieben“. Aber man müsse auch nicht zwangsläufig derselben Meinung sein.

Das Landgericht hatte „Tannöd“ damals als „eigenschöpferisch“ bewertet. Um diese „Eigenschöpfung“ stritten sich die Autoren auch am Donnerstag wieder. Besser gesagt: ihre Anwälte – die Autoren schwiegen sich eisig an. Ein Punkt, an dem sich die Parteien festbissen: die Reihenfolge der sechs Morde in Hinterkaifeck.

Diese Reihenfolge sei kein historisches Faktum, sagt Günter Poll, der Anwalt von Peter Leuschner. Man könne sich nur an Fakten halten, die als solche bekannt sind. „Aber über die Mordnacht ist gar nichts bekannt. Herr Leuschner hat dieses Vakuum gefüllt.“ Es hätte auch alles ganz anders sein können. Götz von Olenhusen, der Anwalt von Andrea Maria Schenkel, widersprach: Es handle sich um die kriminalistisch wahrscheinlichste Reihenfolge. Sie gehöre zum Gemeingut.

Außerdem hätte sich die Autorin von „Tannöd“ zuerst an einem Zeitungsartikel orientiert, in dem die gleiche Abfolge vorkomme. „Das ist allgemeines historisches Wissen, das in den Medien dargestellt wurde.“ Das Gericht schlug einen Vergleich zwischen den Parteien vor: 15 000 Euro für Peter Leuschner. Doch der Vergleich scheiterte. Schenkel will nicht zahlen, Leuschner sind 15 000 Euro zu wenig. Nun urteilt das Gericht am 12. November.

von Nina Gut

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