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Das am 08.10.2014 zur Verfügung gestellte LKA-Foto zeigt einen Polizisten, der in einem Haus in Oberau bei Garmisch-Partenkirchen Marihuanapflanzen untersucht.

Drogen-Prozess

Plantage für Cannabis-Kuchen

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Oberau - Als die Polizisten am 1. Oktober 2014 ein Einfamilienhaus in Oberau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) durchsuchten, müssen ihnen die Augen übergegangen sein.

Das Gebäude war zu einer Marihuana-Aufzuchtanlage umgerüstet. Hochprofessionell züchtete der 53-jährige Mieter 245 Cannabispflanzen, die bis zu 1,10 Meter hoch waren – in Zelten mit Lampen, Ventilatoren, Bewässerungsanlage. Ein Abluftschlauch durchzog das ganze Haus. Die Ernte wog fast 15 Kilo. Außerdem fanden sich rund zwei weitere Kilo Cannabiskraut und -produkte im Haus. Der Hanfbauer, wie er sich selber nennt, macht keinen Hehl aus seiner Plantage. Doch er nennt ein ungewöhnliches Motiv: Mit dem Marihuana habe er seine Schmerzen gestillt.

Seit Dienstag verhandelt das Landgericht München II wegen Besitzes und Handeltreibens von Betäubungsmitteln gegen den 53-Jährigen, einen gelernten Papierkaufmann, der längst nicht mehr berufstätig ist. Schon nach einer guten halben Stunde steht der Mann im grünen Lodenjanker auf und sagt: „Ich steh mal schnell auf, okay?“ Dann geht er ein paar Schritte zwischen Richtertisch und Anklagebank hin und her, weil ihn Schmerzen in den Füßen plagen, sagt er. Vor vielen Jahren sei ihm eine 400 Kilo schwere Palette ins Kreuz gefallen, die ihm das Rückgrat und die Beine gebrochen habe. Hinzu komme ein Motorradunfall. Seit den Verletzungen würde er unter starken Schmerzen leiden. Er sei in Schmerzkliniken gewesen, hätte Schmerztherapien gemacht, auch Morphine genommen. Doch er bekam einen Magendurchbruch und verträgt diese Medikamente nicht. „Cannabis ist für mich das Mittel der Wahl gewesen“, sagt er. Nichts habe so gut geholfen. Das Cannabis, etwa 1,8 Kilo im Monat, hat er in jeder erdenklichen Form zu sich genommen: Er rauchte es, aß es roh, verarbeitete es zu Tabletten, produzierte Öl aus den Pflanzen und rieb sich damit ein. Auch Marihuana-Kuchen kam täglich auf den Tisch: morgens und abends ein Stück. Die Blüten mahlte er dafür zu Pulver und ließ es von seiner Lebensgefährtin, einer gelernten Konditorin, in den Kuchen backen.

Seit der 53-Jährige in Untersuchungshaft sitzt, nimmt er nichts mehr. Er versuche die Schmerzen mit Meditation, Yoga und Atemtechniken zu dämpfen, sagt er. „Aber es gibt Tage, da steht mir das Wasser in den Augen.“ Im Gefängnis habe er gesagt, dass er Marihuana brauche, doch dafür sei er nur belächelt worden. In Hessen dagegen gebe es die Möglichkeit, täglich eine Dosis zu bekommen, betont er. Nach Aussage von Verteidiger Thomas Pfister ist es nur vier Menschen in Deutschland erlaubt, Cannabis anzubauen, 200 dürfen es sich in der Apotheke holen. In Bezug auf Marihuana für Schmerzpatienten sprach Pfister von einer „verfehlten Drogenpolitik“.

Mindestens 50, wenn nicht 60 Prozent, habe er selbst konsumiert, sagt der Angeklagte. Den Rest habe er weiterverkauft – aber nur an andere Schmerzpatienten, betont er. „Es gibt ein gut organisiertes Netzwerk, das sich gegenseitig hilft.“ Er habe auch Pflanzen verschenkt, wenn sie sich jemand nicht leisten konnte. Verteidiger Thomas Pfister: „Um es salopp zu formulieren: Er stand nicht vor dem Schulhof und hat’s an kleine Mädchen und Jungs verkauft.“ Der Prozess dauert an.

Nina Gut

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