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Mikroplastik-Teilchen sind maximal fünf Millimeter groß und belasten auch bayerische Gewässer. Das ist das Zwischenergebnis einer großangelegten Studie.

Fischer fürchten um Geschäft

Plastik-Problem in bayerischen Seen: Wie gefährlich ist es?

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München - Plastik in bayerischen Gewässern – die Nachricht sorgt für Unruhe im Freistaat. Fischer fürchten um ihr Geschäft, die Grünen fordern die Staatsregierung zum Handeln auf. Und über allem schwebt die Frage: Wie gefährlich ist das Mikroplastik für den Menschen?

Ein Zwischenstand. Beim Landesamt für Umwelt (LfU) legt man auf diese Feststellung größten Wert, bei der Uni Bayreuth auch. Keine Frage, sagt der Bayreuther Wissenschaftler Martin Löder (35), Bayerns Gewässer haben ein Plastik-Problem. Allerdings ist längst nicht geklärt, wie groß es ist. Die von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) veröffentlichten Werte seien Stichproben. „Möglich, dass die nächsten Untersuchungen geringere Mengen Plastik ergeben.“

Keine Panik, soll das wohl heißen. Dabei möchte Löder das Problem nicht herunterspielen. Gemeinsam mit dem LfU haben er und seine Kollegen herausgefunden, dass Bayerns Flüsse und Seen mit kleinsten Plastikteilchen – Mikroplastik – belastet sind (wir berichteten). Im Uferbereich des Starnberger Sees etwa wurden 831 Partikel pro Kubikmeter gefunden, wobei ein Partikel zwischen einem Mikrometer und fünf Millimeter groß ist. Ursächlich, sagt Löder, seien vor allem Abfälle, die durch UV-Strahlung oder andere mechanische Einflüsse zersetzt und dann ins Wasser gespült werden. Auch Kosmetika oder Reinigungsmittel enthalten Plastikteile, die übers Abwasser in die Gewässer gelangen.

Die Auswirkungen von Mikroplastik auf den menschlichen Organismus sind noch nicht erforscht. Zumindest potenziell sind die Teilchen eine Gefahr – sofern sie giftige Chemikalien enthalten. In diesem Bereich, sagt Löder, seien die Forschungen allerding noch nicht sehr weit gediehen. Es gebe nicht mal einen Grenzwert für Mikroplastik im menschlichen Körper. Die Experten aus LfU und Universität halten es zudem für unwahrscheinlich, dass die Partikel überhaupt in unsere Nahrungskette gelangen. Bayerns Trinkwasser, heißt es aus dem LfU, werde zu gut 90 Prozent aus unbelastetem Grundwasser gewonnen. Auch dass der Verbraucher durch den Verzehr von Fisch Plastik aufnimmt, ist laut Löder eher unwahrscheinlich. Fisch, sagt er, sei nach derzeitigem Stand völlig ungefährlich.

Unter Bayerns Berufsfischern haben die vorläufigen Ergebnisse trotzdem für Unruhe gesorgt. Peter Wißmath (68), Geschäftsführer der Genossenschaft Oberbayerischer Berufsfischer und Teichwirte, hält die Werte grundsätzlich für wenig aussagekräftig. Die seien im „rein akademischen Bereich“, aber „für unsere Seen auf gar keinen Fall ein Problem“. Grund: Der Wasseraustausch sei sehr hoch, große Seen brauchten im Schnitt ein bis zwei Jahre, um ihr Wasser einmal zu erneuern. „Das Plastik“, glaubt Wißmath, „kann dort gar keine Langzeitwirkung entfalten, weil’s über die Ausläufe sofort wieder rausschwimmt.“

Ganz so einfach ist es nach Meinung der Experten nicht. Nicht wenige Plastikteilchen sammeln sich, beschwert von Algen oder anderen organischen Substanzen, am Boden der Gewässer ab und bilden eine Art Depot, das jederzeit wieder aufgewirbelt werden kann. Theoretisch.

Die Landtags-Grünen wollen sich derweil nicht mit Besänftigungen abfinden. Sie verlangen eine bayerische Bundesratsinitiative für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetik, Lebensmitteln und Kleidung – ein freiwilliger Verzicht der Industrie, wie Umweltministerin Scharf ihn anregt, sei „lächerlich“. Auch der Verbrauch von Plastiktüten müsse radikal gesenkt werden, so die Grünen.

Löders Zustimmung hätten sie sicher. Schließlich habe Plastik, jenseits von möglichen Gefahren für den Menschen, „in der Natur nichts zu suchen“. Das Endergebnis der auf drei Jahre angelegten Studie wird im kommenden Jahr erwartet.

Von Marcus Mäckler

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