Wirbel an Gymnasien in Pocking und Michendorf

Kommentar: Ansagen der Schulleiter zu Flüchtlingen sind gefährlich

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Pocking/Michendorf - Innerhalb kürzester Zeit haben zwei Schulleiter Schülerinnen empfohlen, sexy Kleidung in der Schule zu vermeiden, weil Flüchtlinge in der Nähe sind. Das ist mehr als peinlich.

Zwei Direktoren haben innerhalb einer Woche ihren Schülerinnen davon abgeraten, zu knappe Kleidung in der Schule zu tragen, weil Flüchtlinge in der Nähe sind. Schließlich könnten Miniröcke, kurze Shorts und durchsichtige Blusen bei muslimischen Flüchtlingen zu Missverständnissen führen, so die zwei Schulleiter. Es kann sein, dass es die beiden gut gemeint haben und nur aufklären und informieren wollten. Tatsächlich sind solche Äußerungen aber unglücklich, unnötig und gefährlich, und das aus drei Gründen:

Erstens ist es peinlich und lächerlich, dass Schuldirektoren heutzutage ihren Schülern empfehlen, wie sie sich kleiden sollen. Diese Zeiten sind vorbei. Denn wer glaubt, dass Miniröcke auf irgendeine Art und Weise zu Missverständnissen führen, lebt gedanklich nicht im Jahr 2015, sondern im Mittelalter. Frauen auf der ganzen Welt tragen Miniröcke. Und selbst in muslimischen Ländern läuft man in durchsichtigen Blusen herum. Die Kleiderordnung in syrischen Städten wie Aleppo ist mindestens genauso liberal wie in Pocking im beschaulichen Niederbayern. Die Unterschiede sind marginal. Kulturwissenschaftler bestätigen das.

Zweitens: Die beiden Schulleiter stellen mit solchen Äußerungen Flüchtlinge unter General-Verdacht. Damit erwecken sie den Eindruck, dass Flüchtlinge gefährliche Menschen sind, die man unbedingt meiden sollte. Mit dem Lösungsvorschlag, sich einfach züchtig anzuziehen, dann passiere schon nichts, schüren die Direktoren unnötig Angst bei den Schülern. Anstatt einfach einmal mit den Flüchtlingen über das Thema Mode zu reden, nehmen die Schulleiter von vornherein das Schlimmste an und lassen sich von Vorurteilen leiten.

Drittens sind solche Pauschal-Aussagen höchst gefährlich. Sie sind Futter für rassistische Anti-Asyl-Propaganda im Internet. Wer sich einmal die Kommentare unter den Artikeln zu Pocking durchgelesen hat, dem kann vor der Fülle an rechtspopulistischen Hass-Gelaber nur schlecht werden. Gerade vor diesem Hintergrund sind die Fälle in Pocking und Potsdam besonders traurig. Schließlich kreisen die Aussagen der beiden Schulleiter um ein Problem, das es gar nicht gibt. Der einzig richtige Reaktion auf die unglücklichen Vorgaben der Schulleiter ist, dass sich die Schüler offenbar nicht beirren lassen und sich weiterhin so kleiden, wie sie wollen.

Rubriklistenbild: © dpa

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