Poing wächst um über 40 Prozent

München - Die Gemeinden im Großraum München wachsen und wachsen. Einzelne Kommunen können bis 2028 ihre Einwohnerzahl um bis zu 41 Prozent steigern. Absoluter Gewinner ist Poing im Kreis Ebersberg.

Das sagt zumindest das Bayerische Landesamt für Statistik voraus.

Wäre es ein Wettlauf um den größten Bevölkerungszuwachs in den oberbayerischen Gemeinden, hätte Poing klar gewonnen. Nach Berechnungen der Datenexperten vom Bayerischen Landesamt für Statistik wird Poing von heute 13 600 Einwohnern auf 18 360 im Jahr 2028 anwachsen. „Diese Zahl überrascht mich nicht", sagt Bürgermeister Albert Hingerl. „Wir erstellen seit Jahren eigene Vorhersagen und verfolgen eine Politik, die auf Wachstum ausgelegt ist." Dazu gehöre, die Gemeinde zu einem attraktiven Wohnstandort zu machen, etwa durch ein eigenes Seniorenhaus und Kinderkrippen. Dass seine Gemeinde in den kommenden 18 Jahren um rund 5000 Einwohner wachsen soll, hält Hingerl für durchaus realistisch.

Die aktuellen Zahlen hat das bayerische Innenministerium, in deren Auftrag die Statistik erstellt wurde, am Montag veröffentlicht. Neben den Landkreisdaten sind jetzt auch Prognosen auf Gemeindeebene online. Berücksichtigt sind nur Kommunen mit mehr als 5000 Einwohnern (http://www.statistik.bayern.de/demografie/index.php). Während die meisten Gemeinden mit Zuwachs rechnen müssen, prognostiziert das Landesamt einigen Kommunen sinkende Zahlen. Allgemein lässt sich erkennen, dass es im Jahr 2028 mehr Senioren und weniger Kinder geben soll. Zuwachs wird besonders im Münchner Speckgürtel erwartet.

Dazu gehört auch Hallbergmoos. Die Kommune im Kreis Freising soll kräftig zulegen (+ 35,1 Prozent). Zu verdanken hat sie dies vor allem dem Flughafen München. „Solange der Airport wächst, wachsen auch wir", glaubt Bürgermeister Klaus Stallmeister. Das soll besonders die Zahl der Bürger über 65 Jahren betreffen (+ 140,6 Prozent). Stallmeister glaubt zwar nicht, dass sich am Hallbergmooser Status als eine der jüngsten Kommunen Bayerns viel ändern wird (aktuelles Durchschnittsalter: 36,7 Jahre). Dennoch reagiert die Gemeinde auf derartige Prognosen. „Wir haben Einrichtungen zur Kinderbetreuung so angelegt, dass man sie gut umbauen kann, etwa in Seniorenheime." Von der „Airfolgsregion" um den Flughafen profitiert übrigens auch der Landkreis Erding. Er wird als Spitzenreiter beim Zuzug gehandelt (+ 15,5 Prozent).

Weniger positiv entwickeln soll sich die Gemeinde Garching an der Alz (Kreis Altötting). Das Landesamt rechnet mit einem Rückgang von 12,1 Prozent. Für Wolfgang Reichenwallner ist das „schwer nachvollziehbar. Das kann ich fast nicht glauben", sagt der Bürgermeister. Denn seine Gemeinde liege günstig am Chemiedreieck, es gebe viele Arbeitsplätze. Um einem Abwärtstrend entgegenzusteuern, will Reichenwallner mehr junge Familien anlocken. Dazu wird in Krippen, Ganztagesklassen und Freizeitanlagen investiert.

Schlechte Nachrichten hat das Landesamt auch für Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck). Minus 12,9 Prozent lautet die Prognose. Wie diese Zahl zustande kommt, kann sich Herbert Oberpaul nicht erklären. „Wir haben eben das Baugebiet Emmering Süd fertiggestellt, wo fleißig gebaut wird", sagt der Vize-Bürgermeister. Die Gemeinde rechnet damit, dass allein in diesem Bereich 900 Neubürger hinzukommen. Statt sinkender Zahlen könnte Emmering dann Zuwachs verzeichnen. „Das Baugebiet wurde in den Daten des Landesamtes wohl noch nicht berücksichtigt", mutmaßt Oberpaul.

Derartige Ungereimtheiten bemängeln Kritiker immer wieder. Der Statistiker Rainer Gottwald etwa hat jüngst in der Verbandszeitschrift des Bayerischen Gemeindetags gefordert, das Landesamt solle keine Prognosen abgeben, sondern nur den Ist-Bestand zusammenstellen. Er hielt der Behörde vor, nicht mit aktuellen Daten von den Einwohnermeldeämtern zu operieren.

Vroni Macht

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