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„Es hätte auch anders kommen können“: Markus Sackmann auf den Landtagsfluren.

Hoffnung auf Rückkehr

Politiker Sackmann - Botschafter eines Wunders

München - Vor zwei Jahren ist der Politiker Markus Sackmann plötzlich umgefallen. Der Tag veränderte sein Leben und beendete seine Karriere. Nun gibt es Hoffnung auf eine Rückkehr nach München – zumindest in einem neuen Ehrenamt.

Neulich hat ihm sein Arzt zum zweiten Geburtstag gratuliert. Alles in allem ein bisschen erstaunt, dass er noch lebt. Weil die Diagnose vor zwei Jahren für den Patienten eigentlich ein Todesurteil war. Markus Sackmann, 53 Jahre alt und Familienvater, verweigert aber beharrlich die Annahme des Urteils. Krebs, drei Tumore im Kopf, überwiegend inoperabel, Lebenserwartung in Wochen bemessen – na und?

Seit jenem Sommertag 2012, als Sackmann im Landtag plötzlich umfiel, ein Freitag, der 13., hat er den Kampf aufgenommen. Mit 30 Bestrahlungen bekämpft er die plötzlich entdeckten Tumore, schluckt Tabletten, die so gefährlich sind, dass sie ein Gesunder nicht mit den Fingern anfassen darf. Ihm ist zumindest gelungen, dass der Krebs nicht mehr gewachsen ist. „Es ist ein kleines Wunder“, sagt Sackmann selbst.

Sein Leben hat sich in den zwei Jahren auf den Kopf gestellt. Er war Spitzenpolitiker, einer der wichtigeren der CSU in Bayern: Abgeordneter, Staatssekretär, mit Dienstwagen und Mitarbeiterstab. Und mit 70-Stunden-Woche, die ein schwer Krebskranker nicht mal mehr ansatzweise leisten kann. Zur Landtagswahl im Herbst 2013 trat er ab, behielt nur in seiner Heimat Oberpfalz regionale Aufgaben. Die Zeit mit der Familie, mit den beiden Kindern, ist ihm seither heilig.

Manchmal kam er in diesen Zeiten doch noch nach München. Sein Chef Horst Seehofer hat ihm den Platz im Kabinett lange freigehalten. Als Sackmann vergangenes Jahr nach langer Pause wieder den Landtag betrat, unterbrachen sie dort parteiübergreifend alle Sitzungen, standen auf und klatschten, bis er Tränen in den Augen hatte. „Melde mich zurück“, murmelte er.

Jetzt meldet er sich noch ein bisschen mehr zurück. Im September könnte Sackmann eine neue Aufgabe in der Staatsregierung übernehmen, wird geraunt. Im Sozialministerium sucht man einen „Botschafter für das Ehrenamt“. Er soll sich für die Förderung der Ehrenamtlichen einsetzen, sensibilisieren für die Leistungen untereinander in der Gesellschaft. Und soll die Ehrenamtskarte vorantreiben, die Sackmann als Staatssekretär erfunden und durchgesetzt hat, und die bisher 50 000 Mal verteilt wurde. Könnte er nicht vorantreiben, was er erfand? Das Kabinett will die Personalie am 9. September entscheiden.

Es ist ein kleiner Posten, unbezahlt, wäre aber für einen Schwerkranken eine große Aufgabe. Und ein Symbol in der sonst so ellenbogengeprägten Politik, dass einer nicht zurückgelassen wird. Ministerpräsident Horst Seehofer selbst setzte sich für den Ex-Staatssekretär ein, sie hielten all die Monate ständig Kontakt. Vielleicht auch, weil Seehofer selbst vor einigen Jahren eine potenziell tödliche Krankheit überlebte.

Sackmann schaut eigentlich ganz gut aus: Die Haare sind längst nachgewachsen, ein bisschen flauschig, er hat 15 Kilo abgenommen, wirkt weiterhin wie ein fröhlicher Mensch. Doch jedes konzentrierte, längere Gespräch ist enorm anstrengend. Autofahren darf er mit seinen Medikamenten nicht. Seine Ärzte staunen, dass er überhaupt noch frei Reden halten kann – ein Glück für einen Politiker, das er zu schätzen weiß. „Es hätte auch anders kommen können“, sagt Sackmann und tippt sich nachdenklich an die Stirn, hinter der einer der drei Tumore liegt.

Die Zeit, die er hat und deren Ausmaß er nicht kennt, will er jetzt nutzen. Auch wenn die Ärzte immer raten, er solle besser gar nichts tun, sich nirgends anstrengen. „Ich bin kein Mensch für Ruhe“, flachst Sackmann, „dazu bin ich viel zu jung“.

Christian Deutschländer

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