Das neue Cybercrime-Mobil, ein fahrbares IT-Forensiklabor
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Das neue Cybercrime-Mobil: Mit diesem fahrbaren IT-Forensiklabor will Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Polizei mehr Schlagkraft gegen Internetkriminalität ermöglichen.

Weniger Delikte

Drei Millionen Corona-Kontrollen: Was die Statistik über das Pandemie-Jahr verrät

  • Dominik Göttler
    vonDominik Göttler
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Weniger Einbrüche, Schlägereien, Drogendelikte: Im Coronajahr ist die Kriminalität in Bayern deutlich zurückgegangen. Dafür richteten Kriminelle über das Internet einen Millionen-Schaden an. Und die Beamten hatten mit der Durchsetzung der Corona-Regeln alle Hände voll zu tun.

München – Auf eine Zahl in der bayerischen Kriminalstatistik war in den vergangenen Jahren Verlass. Mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit waren auch die Einbrecher wieder unterwegs. Ab Ende Oktober gingen bei der Polizei immer mehr Fälle von Wohnungseinbrüchen ein. Doch im Coronajahr 2020 war nichts wie gewohnt. Mit Homeoffice und Ausgangssperre verbrachten viele Menschen zwangsweise die meiste Zeit des Tages im eigenen Zuhause. „Das hat die Einbrecher abgeschreckt“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Die Folge: Die winterlichen Beutezüge blieben weitgehend aus. Und die Zahl der Wohnungseinbrüche in Bayern ging um knapp vier Prozent zurück.

Allgemein sank die Kriminalitätsbelastung, also Zahl der Straftaten pro 100 000 Einwohner, im vergangenen Jahr. Herrmann spricht vom niedrigsten Stand seit 41 Jahren. In absoluten Zahlen gingen die Straftaten in Bayern von 603 464 im Jahr 2019 auf 594 243 zurück. Nicht nur bei den Einbrüchen machte sich der Corona-Effekt bemerkbar, auch bei den Körperverletzungen (nächtliche Ausgangssperre), den Ladendiebstählen (Geschäfte zu) und bei den Rauschgiftdelikten (Konsum wohl eher im Privaten) steht in der Statistik ein deutliches Minus.

Doch es gibt auch Bereiche, in denen die Kriminalität im Corona-Jahr deutlich zugenommen hat. So ist die Cyberkriminalität, also Straftaten, die über das Internet verübt wurden, um 20 Prozent nach oben geschossen. Der dabei entstandene Schaden stieg um fast zehn Millionen Euro auf 28,8 Millionen an. Für Herrmann ist die Bekämpfung der Online-Kriminalität eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre. Helfen soll ein 300 000 Euro teures, in einem Transporter untergebrachtes mobiles IT-Forensiklabor, das künftig als Pilotprojekt in Oberfranken eingesetzt wird. In dem Fahrzeug seien Geräte zur digitalen Beweissicherung, die entsprechende Software und Arbeitsplätze gebündelt.

Einen weiteren Anstieg vermeldete Herrmann bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (plus 23,7 Prozent). Die starke Zunahme führt der Innenminister vor allem auf Fälle von Verbreitung pornografischer Inhalte zurück, die beispielsweise per WhatsApp verschickt werden. Hier soll eine Präventionskampagne gestartet werden, um Schüler, Eltern und Lehrer zu sensibilisieren.

Und dann sind da ja noch Corona-Maßnahmen. Insgesamt mehr als drei Millionen Kontrollen verzeichnete die Polizei seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen. Gegen die Maskenpflicht etwa wurde am häufigsten im Oktober und November verstoßen, als in vielen Kommunen auch an öffentlichen Flächen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden musste. Insgesamt war der Anstieg bei den Corona-Regelverstößen im ersten Lockdown aber höher als im Winter. Ebenfalls interessant: Drei Viertel aller Corona-Verstöße wurden von Männern begangen.

Bei der häuslichen Gewalt habe sich der durch die Pandemie befürchtete Anstieg bislang aber nicht in der Statistik niedergeschlagen, betonte Herrmann. Während Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg eine deutliche Zunahme verzeichnen, blieb die Fallzahl in Bayern nahezu auf Vorjahresniveau (plus 0,4 Prozent). Experten warnen aber vor einer hohen Dunkelziffer, zumal die Beratungsstellen während des Lockdowns mehr Anfragen verzeichneten.

Beim Blick auf die Täter stagniert die Entwicklung: Mit 34,7 Prozent ist der Anteil von ausländischen Tatverdächtigen leicht gesunken, liegt aber immer noch überproportional zum Anteil in der Bevölkerung (ausländerrechtliche Delikte nicht eingerechnet). Die Zahl der Straftaten in Asylunterkünften geht kontinuierlich zurück, 2020 waren es 6968 Fälle – fast halb so viele wie vor vier Jahren. „Wir haben wieder wesentlich mehr Ordnung in die Unterkünfte gebracht“, sagt Herrmann.

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