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WM-Szene aus München: Ein Polizeiauto 2006 auf der Leopoldstraße zwischen Fans.

Fußball-Einsätze

Polizei bereitet sich auf harten WM-Monat vor

München - Mit dem Startschuss der Fußballl-WM in Brasilien beginnt am Donnerstag auch in Bayern der Ausnahmezustand. Die Polizei hat sich auf einen anstrengenden Monat vorbereitet.

Stefan Sonntag hat sich seine Vorfreude auf die WM bewahrt. Obwohl er Polizist ist. Obwohl er aus Erfahrung weiß, dass die nächsten vier Wochen anstrengend werden für ihn und seine Kollegen. „Während der WM ist Fingerspitzengefühl gefragt“, sagt er. Die Polizei muss vermitteln – zwischen jubelnden Fußball-Fans und genervten Anwohnern. Bei dieser Weltmeisterschaft wird das eine besondere Herausforderung. Denn wegen der Zeitverschiebung zu Südamerika beginnen die Spiele frühestens um 18 Uhr, neun Partien der Gruppenphase starten um 22 Uhr, zehn sogar erst um Mitternacht. Die Spiele der deutschen Nationalmannschaft beginnen in der Vorrunde zwar spätestens um 21 Uhr, trotzdem hat die Bundesregierung eine Sonderverordnung für den Lärmschutz rund um die WM verabschiedet. Damit sind Live-Übertragungen mit Genehmigung der lokalen Behörden auch über 22 Uhr hinaus erlaubt. „Das ist aber kein Freifahrschein für übermäßige Lärmbelästigung“, betont Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Sobald sich Anwohner beschweren, muss die Polizei eingreifen. Erst einmal mit guten Worten – an beide Seiten. „Wir weisen die Feiernden darauf hin, dass viele am nächsten Tag früh aufstehen müssen und bitten die Anwohner, die Fenster zu schließen oder ausnahmsweise Ohrstöpsel zu benutzen.“ Bußgelder sind erst der letzte Ausweg, betont Sonntag.

Das gilt auch für die Autokorsos. Eigentlich müssten sie erst genehmigt werden, sagt er. „Aber das zu erwarten, wäre wohl weltfremd.“ Die Polizei vor Ort weiß seit den vergangenen Welt- und Europameisterschaften, wo gefeiert wird und auf welchen Straßen die Fußball-Fans hupend im Auto unterwegs sind. „Wir drücken dabei ein bis zwei Augen zu“, sagt Sonntag. „Solange niemand gefährdet wird, ist Freude erlaubt.“

In Weilheim ist es bei dem Autokorso während der EM 2012 zu gefährlichen Situationen gekommen. Eine Frau war in der Innenstadt im Auto unbeabsichtigt in den Korso geraten, die Fußballfans schaukelten ihr Auto auf. „Wer so etwas einmal erlebt hat, versteht, dass man Angst bekommt“, sagt Michael Bayerlein von der Weilheimer Polizei. Das war damals eine Situation, die für die Polizei schwer zu entspannen war, erinnert er sich. „Wir waren zahlenmäßig weit unterlegen.“ Um solche Situationen zu vermeiden, wird die Weilheimer Innenstadt dieses Mal während der Deutschlandspiele für Autos komplett gesperrt. „Uns ist klar, dass es trotzdem Autokorsos geben wird“, sagt Bayerlein. „Aber nicht mehr genau dort, wo die meisten Public-Viewing-Veranstaltungen stattfinden.“ Ähnlich will es die Erdinger Polizei während der WM handhaben. In Fürstenfeldbruck hat die Polizei bereits 2006 versucht, eine autofreie Partyzone zu schaffen. Sie wurde nicht angenommen, die Feiernden zogen genau dorthin, wo die Autokorsos fuhren. Diesmal wird die Hauptstraße deshalb nicht mehr gesperrt.

Stefan Sonntag appelliert an die Vernunft der Fußballfans. „Autokorsos haben nicht automatisch Vorfahrt“, sagt er. „Bei aller Freude gelten weiterhin die Regeln des Straßenverkehrs.“ Sobald sich Fußballfans aus Fenstern oder Schiebedächern lehnen, um ihre Fahnen zu schwingen oder sogar auf der Motorhaube sitzen, werde die Polizei eingreifen. Auch das Alkoholverbot am Steuer werde streng kontrolliert, sagt Sonntag. Im schlimmsten Fall werden Autoschlüssel abgenommen und Bußgelder vergeben. „Ich gehe aber davon aus, dass rigorose Maßnahmen wie diese nicht nötig sein werden“, sagt Sonntag. So war es jedenfalls bei den vergangenen Welt- und Europameisterschaften.

Die Polizei stockt überall die Nachtschichten auf. Es wird ein anstrengender Monat, das wissen Stefan Sonntag und seine Kollegen. „Aber die meisten von uns sind schließlich auch Fußballfans“, sagt er. „Wenn wir nicht im Dienst sind, schauen wir die Spiele auch – und feiern anschließend.“

Von Katrin Woitsch

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