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Unter dem Motto "Lasst Eich ned jedn Schmarrn auftischen!" appelliert die Polizei Oberbayern Süd an die Besonnenheit der Bürger.

Hetzerische Stille-Post-Spiele

Polizei räumt mit Gerüchten über angebliche Straftaten auf

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Traunstein - Immer häufiger kommt es vor, dass im Internet gegen Flüchtlinge gehetzt wird und Gerüchte über angebliche Straftaten verbreitet werden. An den meisten Vorwürfen ist nichts dran – wie ein aktueller Fall aus Traunstein beweist.

Die Polizei nennt es das Stille-Post-Prinzip – nur mit dem Unterschied, dass niemand über das lachen kann, was am Ende dabei rauskommt: Vorfälle werden weitererzählt, Details kommen dazu, andere fallen weg – bis aus einer Halbwahrheit ein Gerücht und aus einem Gerücht eine schwere Straftat geworden ist. Den jüngsten Stille-Post-Fall hat das Polizeipräsidium Oberbayern Süd erst vergangene Woche mitverfolgt – und der „sicheren Quelle“ einmal nachermittelt.

TEILEN-TEILEN-TEILEN: Am 11.01.2016 wurde in einer Traunsteiner Unterführung ein Mädchen vergewaltigt“„“ Und zwar von Asylanten/Flüchtlingen!!! Der ganze Wahnsinn spielt sich also mittlerweile vor unserer eigenen Haustüre ab. Die Polizei, unser Freund und Helfer, hält schön den Mund und gibt nichts an die Bevölkerung raus!! Da sage ich nur SCHÄMTS EUCH!!! Diese Information stammt aus einer sicheren Quelle!!!

Diesen Text hatte vergangenen Donnerstag ein junger Mann auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. „Wir bekamen daraufhin einige Anfragen von Journalisten“, berichtet Polizei-Sprecher Stefan Sonntag. Seit Jahresbeginn gab es allerdings keine Anzeigen wegen Sexualdelikten. „Denkbar war natürlich, dass uns der Vorfall nicht gemeldet worden war“, sagt Sonntag. Also begann die Polizei zu ermitteln. Sie suchten den jungen Mann auf, der so empört über die Straftat berichtet hatte, und befragten ihn nach seiner „sicheren Quelle“.

…mir san ja ned im Dschungelcamp!Immer wieder werden wir mit Falschmeldungen und Gerüchten konfrontiert.Irgendjemand...

Posted by Polizei Oberbayern Süd on Freitag, 15. Januar 2016

Nach zwei Tagen hatte die Polizei insgesamt acht Personen ermittelt, die an der Informationskette beteiligt waren. „Zurück gehen die Gerüchte auf einen Vorfall in der Silvesternacht“, berichtet Sonntag. Ein Afghane hatte in Traunreut eine 17-Jährige betatscht und versucht zu entkleiden. „Der Mann ist festgenommen worden, wir haben ausführlich über den Fall berichtet“, betont Sonntag. Dieser Bericht hat sich in den sozialen Medien nicht nur verbreitet, sondern vor allem verändert.

Das, sagt Sonntag, ist kein Einzelfall. „Wir müssen seit Monaten mit dem Vorwurf umgehen, dass wir Straftaten, die Flüchtlinge begangen haben, verschweigen.“ Es sind Vorwürfe, die die Polizei nicht stehen lassen will – deshalb hat sie in diesem Fall die Informationskette ermittelt. „Aber immer können wir das nicht leisten“, betont Sonntag. Und immer bekommt die Polizei auch nicht mit, was im Internet verbreitet wird. Aber: „Wir haben ein Team, das nur für diese Netzwerke zuständig ist – und wir bekommen gelegentlich Hinweise von Bürgern.“

Ohne Konsequenzen bleibt es nicht, im Internet Unwahrheiten zu verbreiten. Darauf will die Polizei hinweisen, indem sie diesen speziellen Fall öffentlich macht. Volksverhetzung, Beleidigung oder Verleumdung sind Straftaten, betont Sonntag. Diese Fälle werden an die Staatsanwaltschaft weitergegeben – sie entscheidet, ob auf die Verfasser ein Strafverfahren zukommt. „Das sollte sich jeder bewusst machen, bevor er Gerüchte im Internet verbreitet“, betont Sonntag.

Katrin Woitsch

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