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Polizeichef Alois Mannichl sitzt wieder an seinem Schreibtisch in der Passauer Polizeidirektion.

Polizeichef Mannichl wieder im Dienst: "Ich bin kein Held"

Passau - Dreieinhalb Wochen nach dem Mordanschlag auf den Passauer Polizeichef Alois Mannichl ist der 52-Jährige am Mittwoch wieder an seinen Schreibtisch zurückgekehrt. Der Beamte, der bei dem Messerangriff des bisher unbekannten Täters schwer verletzt wurde, betonte, dass er nicht als heldenhafter Kämpfer gegen Neonazis dastehen möchte.

Hintergrund ist, dass als Attentatsmotiv ein Racheakt von Neonazis vermutet wird, nachdem der Polizeichef mehrfach gegen deren Aufmärsche vorgegangen war.

Mannichl selbst will weiter gegen die brauen Umtriebe vorgehen und insbesondere auch seine Arbeit in der Vergangenheit nicht überbewerten. Er habe nichts anderes getan als die übrigen Polizisten in Deutschland, die auch gegen Ausschreitungen von rechten und linken Extremisten konsequent vorgingen. "Dies ist unsere Aufgabe, das erwarten die Bürgerinnen und Bürger von uns", gab sich Mannichl bescheiden. Mit "Heldentum" habe das gar nichts zu tun.

"Aufgrund dieses Umstandes ist der Status, der mir hier irgendwo zuerkannt wird, als Held im Kampf gegen Rechtsextremismus, nicht angebracht, weil man damit auf der einen Seite meine Person überbewerten würde und auf der anderen Seite die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen im übrigen Bundesgebiet abwerten würde - und das liegt mir fern, das möchte ich nicht haben", erklärte Mannichl.

Sein erster Arbeitstag nach der Tat begann unspektakulär. Um 7.15 Uhr kam er in die Polizeidirektion, es folgte ein kurzer Gang durch das Haus, auch um den Kollegen ein schönes neues Jahr zu wünschen. Ansonsten sei kein "Riesen-Brimborium" um seine Rückkehr gemacht worden, berichtete der Direktionsleiter, der seit 35 Jahren bei der bayerischen Polizei ist und schon verschiedene Führungspositionen innehatte.

Im Unterschied zum 19. Dezember, als Mannichl noch sichtbar geschwächt aus dem Krankenhaus entlassen wurde, wirkte der 52-Jährige fit und gut erholt. "Mir geht es zwischenzeitlich wieder gut." Die Verletzungen seien verheilt, er brauche nur gelegentlich noch etwas Schmerzmittel. Mannichl betonte, dass ihm der Dienst gut tue. Wenn er bemerken würde, dass er seinem Job noch nicht wieder gewachsen sei, werde er sich noch einmal eine Auszeit gönnen.

Der Beamte, der seit dem Anschlag selbst unter Polizeischutz steht, hat nach eigenen Angaben aber nie daran gedacht, wegen der Bluttat ganz auszusteigen: "Ich bin mit Leib und Seele Polizeibeamter." Er räumte aber ein, dass ihn seine Ehefrau Anneliese wegen der regelmäßigen Anfeindungen von Neonazis schon vor dem Anschlag gewarnt habe, er solle aufpassen, sonst werde ihm etwas passieren. Mannichl selbst hielt das aber für ausgeschlossen: "Ich habe das nie ernst genommen."
Zu den Ermittlungen der 50-köpfigen Sonderkommission äußerte sich Mannichl im Detail nicht. Nachdem die Fahnder allerdings vier Verdächtige laufen lassen mussten und die Spur in die rechte Szene weiterhin nur vage ist, nahm Mannichl seine Kollegen gegen lauter werdende Kritik in Schutz. Es gebe in der Republik tausende ähnliche Fälle, bei denen die Ermittlungen Monate oder sogar Jahre dauern könnten. Auch wenn das Opfer der Polizeichef sei, müsse der Täter schließlich nicht "seine Visitenkarte an der Haustüre" hinterlassen, spielte Mannichl auf den Umstand an, dass er direkt vor der Tür seines Reihenhauses in Fürstenzell niedergestochen wurde.

Mannichl ließ aber keinen Zweifel daran, dass aus seiner Sicht der Messerstecher aus den Reihen der Rechtsextremisten kommt. "Ich weiß, wo die geistigen Brandstifter sind." Auf die andauernden Anfeindungen der Neonazis, die ihn mittlerweile im Internet als "Opfer einer um sich greifenden Anti-Rechts-Psychose" verhöhnen, reagierte der 52-Jährige gelassen: "Das lässt mich völlig kalt."

Von Ulf Vogler, dpa

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