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Kuriose Verhandlung in Rosenheim

Polizeichef reißt Mann vom Rad - der soll zahlen

Rosenheim - In Rosenheim macht ein Gerichtsverfahren Schlagzeilen. Der Freistaat fordert von einem Radler Geld. Er war vom Ex-Polizeichef zu Fall gebracht worden. Und sieht sich zu Unrecht angeklagt.

Die Wahrheit liegt in der Mitte, heißt es. Wenn sich Polizisten und vermeintliche Opfer von Polizeigewalt im Gerichtssaal treffen, ist das anders. Da gibt es immer zwei Wahrheiten. Das ist zumindest so im Amtsgericht Rosenheim, wo der Freistaat Bayern in einem Zivilverfahren von einem 26-jährigen Stephanskirchener 1355,14 Euro einklagt.

Der Ex-Polizeichef – bereits wegen der Verletzung eines Schülers auf der Rosenheimer Wiesnwache zu einer Bewährungsstrafe verurteilt – war an jenem Tag im Mai 2011 zu Fuß unterwegs. Er habe sich schon auf dem Radweg postiert und „Halt, Polizei“ gerufen, als der Radfahrer noch 30 Meter entfernt war. „Wir hatten länger Blickkontakt“, so der 51-Jährige. Dennoch habe der Radler beschleunigt und an ihm vorbeifahren wollen – und so habe er zugepackt. Der Zahntechniker erzählt eine ganz andere Geschichte. Er habe heimradeln wollen, als plötzlich von rechts der Polizist hinter einem geparkten VW-Bus hervorgesprungen sei: „Zum Bremsen war es schon zu spät.“ So habe er reflexartig einen Schlenker nach links gemacht, „aber da hat mir der Polizist an den Oberarm gegriffen und mich heruntergerissen“. Beide stürzten, beide wurden einige Tage krank geschrieben.

„Als ich da so auf der Straße lag, hat mich der Polizist angeschrien: Was mir einfallen würde, dass ich gefälligst aufstehen soll, ob ich keine Augen im Kopf habe“, berichtet der Radfahrer. Wenig später kam der Krankenwagen. Der Polizist stieg ein, der Radler verzichtete auf einen Arzt, machte gegenüber einer Polizistin seine Aussage. Am nächsten Tag habe ihm diese Beamtin mitgeteilt, dass er kein Verfahren zu befürchten habe, sagt der Zahntechniker. Daher verzichtete auch er auf eine Anzeige.

Fast zwei Jahre später sitzt der Radfahrer im Gerichtssaal und versteht die Welt nicht mehr. 1355 Euro stellt der Freistaat dem unbescholtenen Mann in Rechnung, weil er sich von dem längst suspendierten Ex-Polizeichef vom Rad reißen ließ. 903 Euro Dienstausfall- sowie 191 Euro Behandlungs- und Therapiekosten macht der Staat geltend – plus 76 Euro für die Kratzer am Ehering des Polizisten.

Wie der Beklagte und sein Anwalt später erfahren mussten, hat die Staatsanwaltschaft sehr wohl gegen den Zahntechniker wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Das Verfahren wurde aber eingestellt.

Wie Monate später auf dem Herbstfest 2011, als der Polizeichef einen gefesselten Schüler (15) packt, obwohl Kollegen alles im Griff haben, so verblüfft der 51-Jährige mit seinem rabiaten Einschreiten auch den Polizisten (45), der am 26. Mai an der Seite des Chefs geht. Für ihn „völlig überraschend“ sei der Inspektionsleiter auf einmal vom Fuß- auf den Radweg gesprungen, sagt er als Zeuge aus. Und: „Ich persönlich hätte nicht nach dem Radfahrer gegriffen, das war unverhältnismäßig.“ Das Urteil fällt im März.

Ludwig Simeth

Rubriklistenbild: © dpa

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