Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer
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Der Polizeidirektor Alois Mannichl ist vermutlich von Rechtsextremisten niedergestochen und schwer verletzt worden.

Polizeidirektor von Neonazi niedergestochen

Passau - Der Chef der Passauer Polizei ist vor seinem Wohnhaus durch die brutale Messer-Attacke eines mutmaßlichen Neonazis schwer verletzt worden.

Nach dem Attentat sprach der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag von einer neuen Dimension rechter Verbrechen in dem Bundesland. Polizeidirektor Alois Mannichl war am späten Samstagnachmittag vor seinem Haus in Fürstenzell bei Passau von einem glatzköpfigen Mann niedergestochen worden, die Ermittler vermuten eine Racheaktion wegen mehrerer Polizeieinsätze gegen Rechtsextremisten im Raum Passau.

Der 52 Jahre alte Beamte hatte in den vergangenen Monaten einige Einsätze gegen Rechte geleitet, Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Extremisten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und dem angrenzenden Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden. Sollten sich die bisherigen Ermittlungsergebnisse bestätigen, sei das “eine Eskalation der Gewalt“, betonte Innenminister Herrmann. Bislang sei es nicht vorgekommen, dass Polizisten auch privat gezielt von den Rechtsextremisten verfolgt werden.

Ähnlich äußerte sich auch der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Er forderte härtere Strafen für Angriffe auf Polizisten. Jede Gewalttat gegen einen Polizisten müsse eine Haftstrafe nach sich ziehen, sagte Wendt in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. “Wir müssen Gewalt gegen Polizisten tabuisieren.“

Der etwa 1,90 Meter große Unbekannte hatte Mannichl vor der Tür seines Reihenhauses in der Dunkelheit aufgelauert, ihn zunächst mit nationalistischen Parolen beleidigt und ihm dann ein Messer in den Bauch gerammt. Die elf Zentimeter lange Klinge verfehlte das Herz nur knapp. “Das ist eine Sache von zwei Zentimetern gewesen“, erklärte Herrmann. Nach einer Notoperation ist der Polizeichef außer Lebensgefahr. Die Ärzte hoffen, dass Mannichl zu Weihnachten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden kann. Das Opfer wurde ebenso wie seine Familie unter Polizeischutz gestellt.

In Passau hatte es in diesem Jahr mehrere Polizeiaktionen gegen die rechte Szene gegeben. Im Juli hatten Rechte nach der Beerdigung eines ehemaligen Neonazi-Funktionärs in der Stadt randaliert und mehrere Menschen angegriffen. Da bei der Beisetzung auch eine Hakenkreuzflagge in das Grab geworfen wurde, hatten die Ermittler später das Grab öffnen und die Fahne entfernen lassen.

Zuletzt hatte die NPD dem Polizeidirektor vorgeworfen, dass er bei einer Gedenkveranstaltung während des Volkstrauertages am 16. November Mitglieder der extremistischen Partei “belästigt“ habe. Konkrete Hinweise auf eine Gefährdung des Polizeichefs hat es nach Angaben der Ermittler aber bislang nicht gegeben.

Die bayerische SPD-Landtagsfraktion forderte nach dem Attentat ein entschlossenes Handeln gegen Neonazis im Freistaat. Die stellvertretende Franktionschefin Johanna Werner-Muggendorfer äußerte sich bestürzt darüber, dass Mannichls Eintreten für den Rechtsstaat mit einem Mordanschlag vergolten worden sei. Die Staatsregierung müsse nun noch härter gegen die rechte Szene vorgehen, die sich in den letzten Jahren Rückzugsräume im ostbayerischen Raum geschaffen habe.

Innenminister Herrmann kündigte in einem Interview mit der “Passauer Neuen Presse“ (Montag) bereits Konsequenzen an. Der Staat werde es sich nicht bieten lassen, dass Sicherheitskräfte anscheinend eingeschüchtert werden sollen. “Da müssen wir uns offensichtlich auf ganz neue Gefahren gefasst machen“, sagte Herrmann dem Blatt. Der Minister schloss nicht aus, dass das Verbrechen zu einer neuen Diskussion über ein mögliches Verbot der NPD führen kann.

Mannichl konnte nach dem Anschlag noch selbst seinen Kollegen Hinweise auf den Täter geben. Bisher wird nach Polizeiangaben zwar noch in alle Richtungen ermittelt, nach den ersten Erkenntnissen wird eine rechtsextremistische Tat aber als die wahrscheinlichste Version angesehen. Der Täter soll bei dem Attentat zu dem 52-Jährigen gesagt haben: “Viele Grüße vom nationalen Widerstand.“ Anschließend warf der Mann das Messer in der Nähe weg und fuhr mit einem Auto davon. Die Polizei schließt nicht aus, dass in dem Wagen ein Komplize wartete.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen versuchten heimtückischen Mordes. Die Passauer Kriminalpolizei hat eine 20- köpfige Sonderkommission zur Aufklärung der Bluttat ins Leben gerufen, auch das Bayerische Landeskriminalamt ist in die Ermittlungen eingebunden.

Die Gewalttat gegen den Passauer Polizeichef ist nicht der erste rechtsextremistische Mordanschlag auf Polizeibeamte in Deutschland. So hatte 1997 ein bekannter Berliner Rechtsextremist bei einer Kontrolle auf einem Autobahn-Parkplatz beim schleswig-holsteinischen Mölln einen 34 Jahre alten Streifenbeamten erschossen, sein 31-jähriger Kollege wurde schwer verletzt. Der damals 24 Jahre alte Täter wurde später in Lübeck zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt.
dpa

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