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Wegen eines Stinkefingers ist in Traunstein ein irrer Nachbarschaftsstreit entbrannt.

Wegen einem Stinkefinger

Polizist zeigt Fünfjährige an

Traunstein - Ein Polizist aus dem Chiemgau ist in einen kuriosen Nachbarschaftsstreit mit der fünfjährigen Nachbarstochter verstrickt. Nach bereits zwei Anzeigen soll das Mädchen jetzt sogar aus dem Sportverein fliegen.

Marie (Name geändert) hat keinerlei Probleme, heißt es im Kindergarten. Doch mit dem Nachbarn, einem Polizisten, klappt es nicht. Das Mädchen geht mit dem Nachbarssohn in den Kindergarten, „und wie in dem Alter üblich, kam es auch zu Streitereien zwischen den Kindern, die bis dato sämtlich völlig harmlos verliefen“, sagt Roland Netzer, Rechtsanwalt von Maries Familie. Noch als Vierjährige soll Marie bei einer solchen Auseinandersetzung das Auto des Polizisten bespuckt haben. Der Beamte sei dann in Abwesenheit der Eltern ins Haus gekommen, habe Marie nur im Beisein der Großmutter angeschrieen und ihr im Wiederholungsfall Prügel angedroht. Außerdem habe er gesagt, er werde sie dann von der Polizei abholen lassen.

Der Polizeihauptkommissar stellt das anders dar, wie das Innenministerium in einem Schreiben an den Rechtsanwalt äußert. Seine Frau sei durch Marie zweimal beleidigt worden und habe Strafanzeige erstattet, gedroht habe er nicht. Doch als das Mädchen ihm kürzlich angeblich den ausgestreckten Mittelfinger gezeigt haben soll, erstattete der Polizist selbst Anzeige. Eine Polizistin in Uniform sei vorgefahren und habe Marie zur Rede gestellt, so die Eltern – auch die Polizistin stellt das anders dar, und das Innenministerium glaubt der Aussage seiner Beamten. Anwalt Netzer ist sauer, „dass ein Polizist seine Stellung in einer privaten Auseinandersetzung massiv missbraucht“. Das schade dem Ansehen der Polizei.

Die Kleine habe mittlerweile Angst, im Freien zu spielen, sagt Netzer – und vermutlich fliegt die begeisterte Skifahrerin auch noch aus dem Sportverein. Denn dort ist der Polizist Vorstandsmitglied, und der Ski-Abteilungsleiter „kann es nicht dulden, dass Vorstandsmitglieder beleidigt werden“.

Monika Kretzmer-Diepold

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