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Rund 110 000 Briefkästen gibt es in Deutschland. Bislang werden davon zehn Prozent auch sonntags geleert – künftig sollen es aber deutlich weniger sein.

Kürzungen bei Briefkästen

Post will Sonntagsleerungen auf dem Land streichen

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München - Die Post will an Sonntagen künftig deutlich weniger Briefkästen leeren als bisher - auch in Bayern. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel befürchtet "postalisch weiße Flecken".

Das Timing hätte besser sein können: Kurz vor Jahreswechsel kündigte die Deutsche Post an, das Briefporto von 62 auf 70 Cent zu erhöhen, so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr. Nur wenig später gab sie bekannt, an anderer Stelle einsparen zu wollen. An Sonntagen sollen bald deutschlandweit statt 11 000 nur noch 2000 Briefkästen geleert werden.

Höhere Kosten weniger Service. Man könnte das unglücklich nennen. Klaus Barthel, der für die SPD im Bundestag sitzt, sieht das jedenfalls so. „Deutlich mehr Geld für weniger Leistung, das geht nicht“, schreibt er in einer Mitteilung. Barthel fürchtet, dass in weiten Teilen Bayerns mehr als zwei Tage – nämlich von Samstagmorgen bis Montagmorgen – kein Brief mehr aufgegeben werden kann. Die Pläne könnten so nicht hingenommen werden.

Leerungen nur noch in Kommunen über 20.000 Einwohnern

Konkret will die Post Sonntagsleerungen nur noch in Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern vornehmen. Außerdem sollen Briefkästen in Kreisstädten, kreisfreien Städten, an ICE-Haltepunkten und in Briefzentren angefahren werden. Ein Post-Sprecher begründet diesen Schritt damit, dass sonntags einfach keine großen Mengen mehr zusammen kommen. Der Füllstand der Kästen liege vielerorts bei weniger als zehn Prozent der durchschnittlichen Tagesmenge. „Manchmal sind nur zwei, drei Briefe drin“, sagt der Sprecher. Trotzdem müssten sie angefahren werden. „Das ist doch nachvollziehbar, dass sich das nicht lohnt.“ Mit der neuen Regelung spare man sich unterm Strich lange, unrentable Fahrten und Sonntagsarbeit.

Barthel will das nicht gelten lassen. „Es muss auch in ländlichen Räumen mit vertretbarem Aufwand möglich sein, fristwahrende Briefe zu verschicken“, sagt er. Ein Beispiel: Barthel selbst lebt in Kochel am See (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Um sonntags einen Brief einzuwerfen, der zuverlässig am Montag am Bestimmungsort ist, müsste er gute 20 Kilometer bis zur nächsten Kreisstadt nach Bad Tölz fahren. Oder gut 35 Kilometer bis nach Geretsried. Dazwischen ist unter Umständen nichts, Barthel spricht von „postalisch weißen Flecken“. Die Tour, die sich der Postangestellte spart, muss der Kunde im Auto zurücklegen. „Das ist absurd.“

Erst der Sonntag, dann auch der Montag?

Als Bundestagsabgeordneter ist Barthel natürlich des E-Mail-Schreibens mächtig – und weiß, dass sie im Zweifel eine gute Alternative ist. Ihm geht es aber um Grundsätzliches. Der Brief, sagt er, verliere durch Einsparungen wie die anstehende zunehmend an Bedeutung. Außerdem befürchtet er, der nächste Schritt könnten Einschränkungen bei der Montagszustellung sein.

Um zu klären, ob seine Standpunkt bestehen kann, will Barthel die Bundesnetzagentur einschalten. Er selbst ist dort Vorsitzender des Beirats. Nun will er wissen, ob sich die Sonntagsleerung nur an der Zahl der tatsächlich eingeworfenen Sendungen bemisst oder auch „an den Bedürfnissen der normalen Kunden“.

Wie genau Bayern von den Kürzungen bei der Sonntagsleerung betroffen ist, steht im Übrigen noch nicht fest. Zur Zeit sei man in der Feinplanung, sagte der Post-Sprecher. „Noch ist in Bayern alles beim Alten.“

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