Neue Kollegin schwärzt ihn an

Postbote arbeitet zu schnell - Anzeige

Rosenheim - Ein Postbote (53) aus dem Kreis Rosenheim hat sich ein Verfahren ausgedacht, mit dem er schneller arbeiten konnte. Jetzt findet er sich vor dem Amtsgericht wieder.

Der Lehrer hat’s immer wieder den Buben gesagt: „Nur selber denken macht fett, Kinder!“ Doch wer zu viel Richtiges denkt, der hat es auch nicht immer leicht. Ein Postbote (53) aus dem Kreis Rosenheim – oder wie es korrekt heißt – Postbetriebsassistent – kann ein Lied davon singen. Er hatte sich ein auf sich zugeschnittenes Verfahren ausgedacht, bei dem er Wegstrecken optimierte. Diese Verfahren setzte er ein, wann immer es ihm nötig erschien. Resultat: a) eine Zeitersparnis mit dem Ergebnis b) ein Verfahren vor dem Amtsgericht. Das berichtet das Oberbayerische Volksblatt.

Denn dass der unbescholtene Mann immer so schnell fertig war, kam einer neuen Mitarbeiterin suspekt vor. Ihr Verdacht: der altgediente Kollege würde aus Bequemlichkeit viele Postwurfsendungen wegschmeißen, indem er sie im Papiermüll des postlichen Zustellstützpunktes entsorge. Weil seine Diensteinteilung zumal zuweilen „unorthodox“ war und von der neuen Mitarbeiterin nicht als durchaus zeitsparend erkannt wurde, meldete sie ihren Verdacht. Das Schicksal nahm seinen Lauf in Form einer Anzeige wegen Verstoßes gegen das Post- und Fernmeldegesetzs.

Die Aiblinger Amtsrichterin Isabella Hubert, die Staatsanwältin und der Verteidiger ließen sich zunächst in die tiefen Geheimnisse der Zustellungstechniken einweihen. Dabei erklärte der Angeklagte auch, wie er seine Wege optimierte: Dabei ging es vornehmlich um Strecken zu Depots, von wo aus die Sendungen ihren Weg in die gelbe Postlertasche finden.

Seine „Kollegin“ und Hauptbelastungszeugin konnte lediglich davon berichten, „dass die Verfahrensweise nicht vorschriftsmäßig gewesen ist“. Dass sei ihr verdächtig vorgekommen. Im Verlauf der Verhandlung kristallisierte sich aber heraus: Annahmen, falsche Schlussfolgerungen – doch kein Beweis für den Verdacht.

Die Stützpunktleiterin konnte dazu nur Gutes über ihren Mann berichten. „Er ist präzise und schnell.“ Allerdings widersprächen seine Methoden durchaus den Vorschriften. Sie gestand, dass einige davon „informell“ geduldet, bekannt gewesen und nicht beanstandet worden seien. Und: „Ich stimme zu, dass einige möglicherweise logisch sind.“ Dennoch: Diese könnten eigentlich nicht geduldet werden, weil nicht den Vorschriften entsprechend,

Unvorschriftsmäßiges Verhalten ist aber noch lange keine Straftat: Deswegen: Freispruch für den fleißigen Postboten. Den hatte auch die Staatsanwältin beantragt.

Theo Auer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Vermisste Sophia: Von Lkw-Fahrer entführt?
Von Sophia Lösche (28) aus Amberg fehlt jede Spur. Die junge Frau, die derzeit in Leipzig lebt, wollte vergangenen Donnerstag von Sachsen aus zu ihrer Oberpfälzer …
Vermisste Sophia: Von Lkw-Fahrer entführt?
Erste Grobpläne für neue Gleise Richtung Brenner - Kritik von Bürgern
Mehr Güter auf die Schiene, das soll endlich den Lkw-Verkehr über den Brenner verringern. Doch der Bau neuer Gleise ist im Inntal umstritten. Wer will schon, dass …
Erste Grobpläne für neue Gleise Richtung Brenner - Kritik von Bürgern
Lkw-Fahrer rastet aus und greift zwei Polizisten an
Ein Lkw-Fahrer ist bei einer Kontrolle völlig ausgerastet. Er wurde bei einem Verstoß erwischt und griff deshalb zwei Polizisten an. Die wurden verletzt.
Lkw-Fahrer rastet aus und greift zwei Polizisten an
Mann wird beim Angeln schwer verletzt: Rute verfängt sich in Stromleitung
Ein Angler hat sich in Gräfendorf schwer verletzt. Die Rute traf auf eine Stromleitung. 
Mann wird beim Angeln schwer verletzt: Rute verfängt sich in Stromleitung

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.