Werdenfelsbahn mit neuen Zügen

Die Premierenfahrt der Hamsterbacke

München - Ein neues Zugerlebnis. Ab dem 15. Dezember fährt zwischen München und Innsbruck der „Talent 2“, ein Elektrotriebzug mit 229 Sitzplätzen. Die Deutsche Bahn macht die Werdenfelsbahn flott für die Zukunft. Aber es gibt noch etliche Probleme.

Premierenfahrt der neuen Werdenfelsbahn; Huglfings Bürgermeister Bernhard Kamhuber ist noch keine fünf Minuten im nigelnagelneuen Zug, dem „Talent 2“, Sitzpolsterbreite 45 Zentimeter, Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, schon sucht er die Klapptische. Kamhuber hat Insiderwissen – bei den Klapptischen soll was faul sein. Hat er von einem Bekannten gehört. „Wo sind sie denn?“, sagt er. „Ah, da.“

Der Bürgermeister aus dem Kreis Weilheim-Schongau packt den Tisch und klappt ihn schwungvoll hoch. Den im Tisch integrierten Mülleimer hebt es mit in die Höhe, die Klappe geht auf. Wenn Müll drin gewesen, hätte er jetzt eine schöne Sauerei veranstaltet, aber er ist leer. Der Bürgermeister sagt: „So schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe, ist es gar nicht.“ Eigentlich sollen nur die Putzkräfte den Tisch lupfen, aber so läuft das bei der Premierenfahrt: Der Zug, der ab dem 15. Dezember die alten Doppelstockbahnen ersetzt, wird auf Herz und Nieren geprüft. Willst ja wissen, was tagtäglich am Bahnsteig deines Dorfes hält. Zuvor haben die geladenen Lokalpolitiker schon die Toiletten besichtigt, die Kinderecke, die neuartigen Ski- und Radlhalterungen; natürlich sind sie auch probegesessen und haben durch die gigantischen Fenster geschaut. Ja, es stimmt schon – eine Fahrt mit der Werdenfelsbahn nach Garmisch-Partenkirchen, nach Kochel, Mittenwald oder weiter nach Seefeld in Tirol oder Innsbruck kann eine ziemlich Wucht sein. Panoramamäßig. Die neuartigen Elektrotriebzüge, unter Bahnfans wegen des markanten Triebwagenkopfes auch „Hamsterbacken“ genannt, sollen jetzt auch den Komfort verbessern. Seit Mitte April sind die ersten „Talent 2“ schon in der Region unterwegs – probeweise. Ab Mitte Dezember soll es dann zwischen München und Weilheim einen ganztägigen Halbstundentakt geben. Außerdem werden täglich sechs Expresszüge zwischen München und Garmisch-Partenkirchen unterwegs sein. Zeitersparnis: 15 Minuten; Fahrzeit: 70 Minuten. Die neuen Züge können mehrfach zusammengekoppelt in München abfahren. Jeweils ein Zugteil wird dann in den Knotenbahnhöfen wie Tutzing abgekoppelt – und fährt dann zum Beispiel nach Kochel weiter, ohne dass man umsteigen muss.

Aber es gibt auch noch Macken. Die DB Regio hat bei Bombardier 37 „Talent 2“ bestellt; aber der Hersteller hat erst 27 Züge geliefert, so dass auch nach dem Fahrplanwechsel noch einige der alten Doppelstöcker in Betrieb bleiben werden. Außerdem ruckelt der „Talent 2“ auf manchen Abschnitten erheblich. Man kenne das Problem, sagt Antonia von Bassewitz, Geschäftsleiterin der Bahntochter DB Regio Oberbayern, auch hier sei man im Gespräch mit Bombardier.

Aber es überwiegt doch die Freude, die Vorfreude. Bei den Pendlern, den Eisenbahnfans und auch den Bürgermeistern. Kurz vor Murnau, man sieht durch das Panoramafenster jetzt das Wettersteingebirge in voller Pracht, sagt Kamhuber: „Für den Ausblick sollte man nochmal abkassieren.“

In den nächsten drei Jahren rechnet die Bahn mit zehn Prozent mehr Fahrgästen in der neuen Werdenfelsbahn, mit der heute schon 17 000 Reisende täglich fahren. Antonia von Bassewitz sagt: „Die Erfahrung zeigt, dass Neufahrzeuge ziehen.“

Stefan Sessler

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